12. März 2009, 21:02 Uhr

»Wie ein Schuhlager für Billiglatschen«

Bad Nauheim (khn). Das Postgebäude an der Ecke Ernst-Ludwig-Ring und Kurstraße? »Eine kulturelle Katastrophe.« Das Kurpark-Plaza an der Kurstraße? »Unsensibel.« Und das Thermalbad an der Ludwigstraße? »Das sieht aus wie ein Schuhlager für Billiglatschen.« Die Urteile vom HR-Journalisten und Autor Manfred E. Schuchmann für »Bausünden« in Bad Nauheim sind eindeutig.
12. März 2009, 21:02 Uhr

Bad Nauheim (khn). Das Postgebäude an der Ecke Ernst-Ludwig-Ring und Kurstraße? »Eine kulturelle Katastrophe.« Das Kurpark-Plaza an der Kurstraße? »Unsensibel.« Und das Thermalbad an der Ludwigstraße? »Das sieht aus wie ein Schuhlager für Billiglatschen.« Die Urteile vom HR-Journalisten und Autor Manfred E. Schuchmann für »Bausünden« in Bad Nauheim sind eindeutig.

Für seine Fernsehreihe »Hauptsache Kultur« war er gestern zusammen mit Prof. Christoph Mäckler, Moderator der Sendung und Leiter des Instituts für Städtebaukunst an der Universität Dortmund, in Bad Nauheim unterwegs. Dort suchte das vierköpfige Drehteam des Hessischen Rundfunks nach den schrecklich-schönsten Prachtbauten der Stadt.

»Wir waren schon in über 30 hessischen Städten unterwegs, und es ist überall immer das Gleiche«, erzählte Schuchmann. »Große Städte, große Sünden, kleine Städte, auch große Sünden.« Dabei besuche das Team die Städte stets unvoreingenommen und lasse sich überraschen, welche Bausünden ihm präsentiert werden. »Wir kommen schließlich nicht als Besserwisser«, sagte der Journalist.

Auch in Bad Nauheim sei man schnell auf die besonderen Exemplare gestoßen, bei denen nach Ansicht der beiden Experten die Erbauer und Planer städtebaulich voll danebenlagen. Die Post zum Beispiel sei schlecht und vor allem hässlich gestaltet worden. Das Kurpark-Plaza wiederum sei viel zu groß und »bedrängt die Nachbarschaft von Kirche und Park«, sagte Prof. Mäckler.

Für das Thermalbad hat das HR-Team ebenfalls nur Kopfschütteln übrig. »Dass sich eine Stadt mit einem derart wunderbaren architektonischen und kulturellen Erbe so etwas hinstellt, kann ich nicht verstehen«, schimpfte Schuchmann. Und auch Mäckler betonte: »Wir haben es häufig mit einer fehlenden Angemessenheit zu tun.« Alles sei viel zu groß, viel zu massiv und finde keinerlei Anbindung an die umliegende Architektur. Ein gutes Beispiel dafür sei auch die Ludwigstraße. »Während die anderen Häuser eine Farbe haben, ist der Bau der Kerckhoff-Klinik weiß-grau«, sagte Mäckler.

Für den rund sechsminütigen Beitrag musste das Team um Schuchmann eine Woche lang recherchieren. Zuerst fand eine Ortsbegehung statt. Danach stöberten die Journalisten in Archiven, um zu sehen, wie Gebäude und Umgebung früher aussahen. Dann erst ging es an den eigentlichen Dreh, der einen ganzen Tag in Anspruch genommen hat. »Insgesamt muss man schon mit einer Woche Arbeit rechnen«, sagte Schuchmann. Gesendet wird »Hauptsache Kultur« nächste Woche im HR-Fernsehen. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.

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