13. Januar 2010, 16:42 Uhr

Investorensuche für den Sprudelhof

Bad Nauheim (bk). Dem Markterkundungsverfahren folgt ein Wirtschaftlichkeitsgutachten: Das neue Nutzungskonzept für den Sprudelhof lässt weiter auf sich warten. Zwar gibt es Ideen, das Jugendstilensemble als Wellness-Zentrum zu entwickeln, wobei eine neue Therme und ein Vier-Sterne-Hotel errichtet werden sollen, in Zeiten der Wirtschaftskrise ist das aber alles Zukunftsmusik.
13. Januar 2010, 16:42 Uhr
Begehrtes Badehaus 4: Der Jugendstilverein möchte dort ein Jugendstilzentrum einrichten, im Konzept von Krieger/GMF, ist das Gebäude für Medical Wellness vorgesehen. (Foto: nic)

Das Wirtschaftlichkeitsgutachten liegt seit einigen Tagen vor, aber weder Erster Stadtrat Armin Häuser noch Frank Thielmann, Vorstand der Stiftung Sprudelhof, wollten auf Anfrage etwas zu den Inhalten sagen. Nach Auffassung Häusers ist allerdings eines klar: Der ursprüngliche Plan, einen Investor für Bau und Betrieb von Therme und Hotel zu finden, werde sich nicht realisieren lassen. Aus Sicht des Lenkungsausschusses Sprudelhof würde diese Lösung Sinn machen, denn mit den Hotelgewinnen hätte man Thermeverluste ausgleichen können. »Für uns hat das Thermalbad Priorität, bei diesem Projekt sind wir federführend, auch was etwaige Zuschüsse angeht. Das Hotel ist Sache der Stiftung. Dafür gibt die Stadt keinen Cent«, macht der Erste Stadtrat deutlich. Das neue Gutachten soll im Februar im Stiftungskuratorium beraten werden, danach könnten in Sachen Nutzungskonzept Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Noch vor nicht allzu langer Zeit setzten Kommunalpolitiker große Hoffnungen auf das sogenannte PPP-Modell. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich der englische Begriff public private partnership, also eine Partnerschaft von öffentlicher Hand und privaten Investoren. Damit soll es Kommunen erleichtert werden, Großprojekte in die Tat umzusetzen. Seitdem die Finanzkrise über Deutschland hinweggerollt ist, hat PPP viel von seinem Reiz verloren, wie sich auch in Sachen Eisstadion-Neubau zeigt (WZ vom Samstag). »Private Investoren bekommen günstige Darlehen heutzutage nur noch, wenn eine kommunale Bürgschaft vorliegt«, sagt Häuser. Für den Therme-Neubau, der parallel zum Nordflügel des Sprudelhofs entstehen soll, schwebt dem Ersten Stadtrat denn auch die Möglichkeit eines »unechten PPP« vor. Darunter ist die Kooperation der Stadt mit einer stadteigenen Gesellschaft zu verstehen. Das hätte aus Sicht Häusers einen entscheidenden Vorteil: »Bei diesem Partner wissen wir genau, wie gesund er ist und welche Probleme entstehen könnten. Bei einem Privaten haben wir keinen genauen Einblick, was die Übernahme einer Bürgschaft zum Risiko macht.«

Prinzipiell ist Häuser nach wie vor für die Neubau-Lösung. Das 40 Jahre alte Thermalbad - ein für die damalige Zeit typischer Betonbau - zu sanieren, mache keinen Sinn. Die Technik der jetzigen Therme werde nicht mehr allzu lange halten, größerer Investitionsbedarf drohe. Zudem sei nur durch die direkte Anbindung an den Sprudelhof eine Revitalisierung des Jugendstilensembles zu erreichen. Das beim Markterkundungsverfahren aus sechs eingereichten Konzepten ausgewählte Modell des Architekturbüros Krieger und der Gesellschaft für Management von Freizeitsystemen (GMF) sieht die neue Therme und die Badehäuser 2 bis 4 mit Sauna, Wellness und Therapie als Einheit. »Bleibt die Frage, wie groß der Neubau werden soll. Auch bei einer kleinen Lösung erreichen wir durch die Mitnutzung der Badehäuser das gewünschte Alleinstellungsmerkmal«, sagt Häuser, der als Kämmerer daran interessiert ist, den städtischen Zuschussbedarf so weit wie möglich zu minimieren.

Die Entscheidung, ob sich ein neues Hotel auf dem Sprudelhof-Parkdeck unter Integration der Badehäuser 5 bis 7 rechnet, ist nach Ansicht Häusers Sache der Stiftung. Das gelte ebenso für die Investorensuche. Nur eines gibt der Erste Stadtrat zu bedenken: Ein wichtiges Plus für ein Hotel wäre eine »Bademantel-Verbindung« zu Wellness-Einrichtungen und Therme. Die sei im Sprudelhof aber kaum zu verwirklichen.

»Stiftungsvermögen nicht für Private«

Wie Stiftungsvorstand Frank Thielmann gegenüber unserer Redaktion betont, müsse ein möglicher Hotel-Neubau allein vom Investor finanziert werden. »Schon aufgrund ihrer Satzung darf die Stiftung ihr Vermögen nicht für private Zwecke einsetzen, auch nicht für eine Bürgschaft«, erläutert Thielmann. Ob mit einem Vier-Sterne-Beherbergungsbetrieb - vorgesehen sind 105 Zimmer, weitere 25 in den Badehäusern 5 und 6, im Badehaus 7 Gastronomie - Gewinne zu erwirtschaften sind, darüber soll das Gutachten Aufschluss geben. Laut Häuser haben die Analysten genau abgeklopft, wie groß das Einzugsgebiet für Therme und Hotel ist, wie die Konkurrenzsituation aussieht und ob Alleinstellungsmerkmale vorliegen. Auch Prognosen bezüglich der Besucherzahlen werden abgegeben.

»Positiv reagiert«, so Thielmann, haben die Stiftungsgremien auf den Vorschlag des Bad Nauheimer Jugendstilvereins, im Badehaus 4 ein Jugendstilzentrum einzurichten (wir berichteten). Nach dem Modell von Krieger/GMF ist dieses Badehaus zwar für Medical Wellness reserviert, das ist nach Angaben des Stiftungsvorstands aber keineswegs festgeschrieben.

Mit der oberirdischen Sanierung des Sprudelhofs, die komplett vom Land finanziert wird, soll Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres begonnen werden. Sobald sich die Verantwortlichen auf ein Nutzungskonzept geeinigt hätten, was noch einige Monate dauern wird, könne mit der Detailplanung begonnen werden. Die Planungsphase soll nach den Vorstellungen Thielmanns 2010 abgeschlossen werden, der Startschuss für erste Bauarbeiten könne um die Jahreswende fallen. Der Abschluss des Gesamtprojekts - Neubau und Sanierung - wird für 2013 angepeilt.

Wie berichtet, wird sich das Land die Komplettrestaurierung des Sprudelhofs rund 50 Millionen Euro kosten lassen, Planungsaufwand inbegriffen. Krieger/GMF zufolge wird ein Therme-Neubau 30 Millionen Euro verschlingen, ins Hotel müssten 24 Millionen investiert werden. Beide Gebäude sollen nicht höher als zwei Stockwerke werden, um den Blick auf den Sprudelhof nicht zu verbauen.

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