07. April 2010, 17:00 Uhr

Milchsäure kann Rolle eines Dickmachers spielen

Bad Nauheim (pm). Laktat ist bislang vor allem als Energieträger im Stoffwechsel bekannt. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut (MPI) für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim haben nun entdeckt, dass es auch als Botenstoff wirken kann. Bei Überernährung spielt es die Rolle eines Dickmachers.
07. April 2010, 17:00 Uhr
GPR81-Netzwerk auf Fettzellen. Die Fluoreszenzmikroskopie-Aufnahme zeigt einen Schnitt durch Fettgewebe. Die GPR81-Rezeptormoleküle sind rot, die Zellkerne der Fettzellen blau gefärbt. (Foto: MPI)

Bad Nauheim (pm). Laktat ist bislang vor allem als Energieträger im Stoffwechsel bekannt. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut (MPI) für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim haben nun entdeckt, dass es auch als Botenstoff wirken kann. Bei Überernährung spielt es die Rolle eines Dickmachers. Jetzt untersuchen die Forscher, wie sich durch ihre Ergebnisse Erkrankungen wie Diabetes oder Fettleibigkeit besser behandeln lassen.

Bei Sportlern ist Laktat, auch bekannt als Milchsäure, wegen des Leistungsabfalls bei der Übersäuerung der Muskulatur gefürchtet. Der Laktatspiegel steigt aber nicht nur bei Sauerstoffmangel in der Muskulatur an. Laktat wird auch unter normalen Bedingungen in erheblichem Umfang gebildet und ist ein zentrales Zwischenprodukt des Energiestoffwechsels: Nach einer Mahlzeit sorgt Insulin dafür, dass Fettzellen vermehrt Glukose aufnehmen. Ein Teil dieser Glukose wird in Fette eingebaut. Ein Großteil der Glukose wird aber in den Fettzellen in Laktat umgewandelt und freigesetzt.

Die Freisetzung von Laktat ins Fettgewebe setzt aber gleichzeitig einen Mechanismus in Gang, den Forscher um Stefan Offermanns, Direktor der MPI-Abteilung Pharmakologie, nun entschlüsselt haben. Am Anfang ihrer Untersuchung stand die Entdeckung des Rezeptors GPR81. Dieses Protein werde vornehmlich auf der Oberfläche von Fettzellen gebildet. Werde dieser durch Laktat aktiviert, hemme er das Enzym Adenylylcyclase. Dadurch werde wiederum die Bildung des Botenstoffs cAMP vermindert, dem eine Schlüsselfunktion beim Fettabbau zugeschrieben wird. »Auf diese Weise hemmt eine Erhöhung des Laktatspiegels im Fettgewebe den Abbau von Fett«, sagt Offermanns. So verhindere der Körper, dass nach Mahlzeiten zusätzlich die Fettreserven mobilisiert werden. Unter normalen Umständen trage dies zu einer ausgeglichenen Energiebilanz bei. Nicht aber bei energiereicher Ernährung.

Milchsäure wirke nicht nur als Energiespeicher, sondern auch als Botenstoff, Laktat greife in den Fettstoffwechsel ein. Die Wissenschaftler haben erstmals nachgewiesen, dass ein Zwischenprodukt des Stoffwechsels nicht nur eine Rolle als Energiespeicher besitzt, sondern den Stoffwechsel selbst beeinflusst. »Wir vermuten, dass auch andere Stoffwechselprodukte diese Fähigkeit besitzen«, meint Offermanns. Die Rolle des Laktats im Fettstoffwechsel demonstrierten die Forscher an Mäusen, denen der Rezeptor GPR81 fehlt.

Diese »Knockout-Mäuse« nähmen weniger stark zu, wenn sie eine kalorienreiche Ernährung bekamen. »Weil der Laktatrezeptor fehlt und somit der Fettabbau weniger stark gehemmt wird«, erläutert der Abteilungsdirektor.

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