21. April 2010, 18:08 Uhr

Die Liebe in drei Sprachen besungen

Bad Nauheim. Das »Ensemble Hochmusik, Weilburg«, das in der badestädtischen Kammermusik-Reihe im Gemeindezentrum Wilhelmskirche zum ersten Mal konzertierte, hatte sein höchst anspruchsvolles Konzert unter das Motto »Oh Sternenäugelein« gestellt und zeigte damit an, dass das Ensemble deutsche, italienische und englische Madrigale singen werde, die alle das Thema »Liebe« auf sehr unterschiedliche und vergnügliche Weise in den Originalsprachen behandeln.
21. April 2010, 18:08 Uhr
Haben sich die Liebe als Konzertthema ausgesucht: das Ensemble »Hochmusik«. (Agenturfoto)

Das in der Namengebung etwas ungewöhnliche Wort »Hochmusik« weist einmal daraufhin, dass die neun Vokalisten und Instrumentalisten Studierende und Ehemalige der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt sind und dass ihr Gründer Stephan Schreckenberger, seit 2001 Dozent der Hochschule, »Musik auf höchstem Niveau« erarbeiten und darbieten will. Das beweisen bereits erarbeitete Projekte wie die Bach’sche Johannespassion und die Marienvesper von Claudio Monteverdi. Mit ihnen wurde bereits überregionaler Erfolg erzielt.

Den gleichen Erfolg erreichten die Musizierenden in der Wilhelmskirche, allerdings hätte man den Veranstaltern und den jungen Künstlern einen besseren Besuch gewünscht, war das Konzert doch ein »Hochfest« der professionellen Leistung eines so jungen Ensembles. Da gab es keine Schwächen in der Homogenität, weder bei den Sängern (Julia Diefenbach, Mezzosopran; Annika Gerhards, Sopran; Niklas Romer, Altus; Patrick Siegrist, Tenor; Jakob Winter, Bariton) noch bei Stephan Schreckenberger, der als Bass und als Dirigent mit zurückhaltenden, aber wirksamen Impulsen brillierte. Als langjähriges Mitglied bei »Cantus Cöln« erwarb er sich bald den Ruf eines Spezialisten auf dem Gebiet der »early music« und als Sänger und Dirigent eine nationale und internationale Anerkennung. Bei den Instrumentalisten überzeugten Andreas Küppers (Cembalo), Toshinoro Ozaki (Laute und Theorbe) und Gesine Petersmann (Cello) durch ihr atmendes Zusammenspiel.

Zu Beginn des Konzertes, das mit drei englischen Komponisten (Thomas Morley, 1557 bis 1602 und John Dowland, 1563 bis 1626) begann, hatte man den Eindruck, dass die Zuhörer durch die musikalische Dichte der Darbietungen anfänglich kaum zu klatschen wagten, was aber bald begeisterndem und anerkennendem Applaus wich. Wohl sein beliebtestes Madrigal »Now is the month of maying« für fünf Stimmen und sein deklamatorisch sprechendes »Fire fire« sind Beispiele für die initiierende Kraft der kurzen Blütezeit des englischen Madrigals.

Belebend zeigte sich bei den folgenden sechs Madrigalen von fünf deutsch-sprachigen Tonsetzern (Johann Hermann Schein, 1585 bis 1630, dem Schweizer Ludwig Senfl, 1486 bis 1543, und Heinrich Isaac, 1450 bis 1517) der ständige Wechsel in Stimmen und Instrumenten und die damit verbundenen Klangvaleurs und -effekte. Sie dienten der Auslegung der angesprochenen Charakteristika, so beim schmerzlichen Abschied von »Innsbruck, ich muss dich lassen« oder die intensive motivische, die Natur nachahmende Arbeit mit dem Ruf bei »Der Kuckuck auf dem Baume saß«.

Nach der Pause folgte mit Claudio Monteverdi (1567 bis 1643), ein Komponist, in dessen Lebensspanne und -werk die Umbruchphase von Renaissance zu Barock um 1600 erfolgte. Die Sprache, in der das Wort Herrin und nicht Dienerin ist, sollte die Herzen der Hörer bewegen, was mit einem Höchstmaß an Ausdruck in der Musik umgesetzt wurde. Dieses Anliegen erfüllten die Musizierenden optimal. In vorbildlicher Weise nahmen sie die Zuhörenden in die durch die freie Dissonanzbehandlung und Vorhalte erzeugten Affekte mit. So auch im vorletzten Intermedium »Oh mio bene«, bei dem bereits szenische Elemente zur Freude aller angesprochen wurden.

Nach den vielen Madrigalen, die die Liebe unmittelbar ansprachen, war es geschickt, mit »Confitebor tibi« aus »Selva morale e spirituale« (1640) ein geistliches Opus zu setzen, das alle Mitwirkenden zu einem wirkungskräftigen Höhe- und Schlusspunkt vereinigte. Langer und dankbarer Beifall zeigte, wie sehr die ausgespielten Affekte die Anwesenden mitgenommen hatten.

Josef Flörsch

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