01. November 2010, 16:42 Uhr

Halloween: Streifenwagen im Dauereinsatz

Bad Nauheim (bk). Erlaubter Schabernack oder unerwünschter grober Unfug? Wo die Grenze zwischen diesen beiden Phänomenen am Halloween-Abend verläuft, bleibt umstritten. Tatsache ist: Gerade in Bad Nauheim kam es am Sonntag nach Einbruch der Dunkelheit zu zahlreichen Zwischenfällen, die für Ärger bei Hausbesitzern sorgten.
01. November 2010, 16:42 Uhr
Mit Grusel-Verkleidung für Angst und Schrecken zu sorgen, ist an Halloween durchaus erlaubt, andere Begleiterscheinungen werden weniger gern gesehen. (Foto: dpa)

Das bestätigte die Polizei, die allerdings von Ereignissen sprach, die »sich noch einigermaßen im Rahmen bewegen«. Nach Angaben von Polizeisprecher Jörg Reinemer gab es nämlich keine schweren Übergriffe, weder Schlägereien noch Sachbeschädigungen, die hohe Reparaturkosten zur Folge haben. Gleichwohl meldeten sich bei der WZ verärgerte Kernstadt-Bürger, die gestern mit der Beseitigung unliebsamer Hinterlassenschaften beschäftigt waren.

Fraglich ist, wie viele der Zwischenfälle überhaupt der Polizei gemeldet werden und ob die Ordnungshüter somit einen kompletten Überblick der Ereignisse gewinnen. Die meisten Hausbesitzer werden wohl auf eine Anzeige verzichten. Das gilt auch für eine Bewohnerin des Haagwegs, die sich gestern in der WZ-Redaktion meldete. Sie zeigte sich ebenso wie ihre Nachbarn verärgert über die Vorgehensweise von Jugendlichen, die zwischen 19 und 20.30 Uhr unterwegs waren. Auch Freunde, die in anderen Teilen der Bad Nauheimer Kernstadt wohnen, hätten unerfreuliche Halloween-Erfahrungen gemacht.

Das Haus, in dem die Frau mit ihrer Familie wohnt, wurde mit rohen Eiern beworfen, auch das neue, grau gestrichene Garagentor. »Das ist besonders ärgerlich, denn an einigen Stellen ist die Farbe abgeplatzt«, berichtete die Bad Nauheimerin. Damit dürfte ein neuer Anstrich fällig werden. Die Eigelb-Flecken an der Fassade des Wohnhauses versuchte die Haagweg-Anliegerin wegzuwischen, wobei teilweise akrobatisches und nicht ungefährliches Herauslehnen aus Fenstern im Obergeschoss notwendig wurde.

Überhaupt greift das Werfen roher Eier immer mehr um sich, an zahlreichen Häusern in der Innenstadt lief am Sonntagabend die gelbe Flüssigkeit herunter. »Bekannte haben von Klingeln erzählt, die mit Sekundenkleber lahm gelegt wurden, von Hundekothaufen, die in Zeitungspapier verpackt vor die Hautür gelegt, oder von Silvester-böllern, die gegen das Haus geworden wurden«, erzählte die Frau.

Die Grenze zum groben Unfug werde in dieser Nacht immer öfter überschritten: »Einige Jugendliche betrachten den Halloween-Termin offenbar als Freifahrschein für eine solche Vorgehensweise. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Zahl der Zwischenfälle klar zugenommen.« Offenbar seien weniger Kinder, dafür mehr Jugendliche unterwegs, die für den Vandalismus verantwortlich zeichneten. Wie die Anruferin aus dem Haagweg sagte, hätten im letzten Jahr noch fast 130 Kinder geklingelt und um Süßigkeiten gebeten, die man auch gerne verteilt habe. In diesem Jahr hätten nur noch 40 Kinder vorbeigeschaut, auf den Straßen sei gleichwohl mehr als 2009 los gewesen.

»Anzeige bringt nichts«

»Scherzhaft haben wir schon darüber nachgedacht, das Ende der Grillsaison im kommenden Jahr auf den Halloween-Abend zu legen, um draußen zu sein und die Übeltäter abzuschrecken«, erklärte die Frau, die sich am Sonntagabend an den Polizeiposten wandte. Dort sei vom Dauereinsatz eines Streifenwagens die Rede gewesen. »Sie glauben nicht, was in Bad Nauheim alles los ist«, bekam die Anruferin zu hören. Sie verzichtet deshalb auf eine Anzeige: »Das macht der Polizei nur zusätzliche Arbeit und bringt doch nichts.«

»Es war mehr los als im letzten Jahr«, bestätigte Polizeisprecher Reinemer. Viele Bürger hätten sich über Ruhestörung beschwert, hinzu kämen leichtere Sachbeschädigungen, die bei den Betroffenen für Verärgerung sorgten. Der Trend, dass sich immer mehr Jugendliche am Halloween-Abend auf den Straßen rumtreiben, sei eindeutig zu beobachten. Diese Altersgruppe neige naturgemäß eher zu Unfug als die Jüngeren.

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