08. April 2011, 20:25 Uhr

Brunnencheck im Sprudelhof: Uralt-Rohre offenbar in gutem Zustand

Bad Nauheim (bk). Weit mehr als 100 Jahre alt sind die Kupferrohre, die das Solewasser der Brunnen im Sprudelhof aus der Tiefe ans Tageslicht befördern, doch offenbar hat der Zahn der Zeit nicht übermäßig an den Leitungen genagt.
08. April 2011, 20:25 Uhr
Mithilfe eines Minikrans werden Messsonden und kleine Kameras in den Brunnen hinabgelassen. (Foto: nic)

»Wie die Kamerabefahrung der drei Bohrlöcher ergeben hat, liegen keine größeren Schäden vor. Eine Riesensanierungsinvestition ist offenbar nicht notwendig, allerdings müssen erst noch die Ergebnisse der geophysikalischen Analysen abgewartet werden«, sagte Frank Thielmann, hauptamtlicher Vorstand der Stiftung Sprudelhof am Freitagmittag im Gespräch mit der WZ. Die Untersuchung der drei Brunnen, die Aufschluss über die Heilwasserqualität und die Möglichkeit der Geothermie-Nutzung geben soll, wurden gestern Abend abgeschlossen. Die Jugendstilanlage ist von heute an wieder komplett zugänglich.

Seit Montag waren Ingenieure, Brunnenfachleute und Geophysiker im Sprudelhof zugange, um den stillgelegten Ernst-Ludwig-Brunnen sowie den Friedrich-Wilhelm- und den Großen Brunnen in Augenschein zu nehmen. Zum Einsatz kamen Kameras und verschiedene Messsonden, die von einem Minikran bis zu 188 Meter in die Brunnen hinabgelassen wurden. Auch mithilfe von Röntgen- und Infrarotstrahlen ermittelten die Experten, wie es um die Beschaffenheit der drei bis sechs Millimeter starken Kupferrohre, der Betonummantelung und des umliegenden Gesteins bestellt ist. Thielmanns Fazit: »Wir haben keine größeren Löcher entdeckt, die Leitungen sind auch nicht verstopft oder abgeknickt. « Wie die ersten Befunde ergeben hätten, komme es im oberen Teil der Rohre teilweise zu einem Wassereintrag von außen. Das deutet Thielmann zufolge auf kleinere Risse hin, die auf den Kamerabildern nicht zu sehen sind. Detailinformationen versprechen sich die Verantwortlichen von den geophysikalischen Untersuchungen. Entnommen wurden Wasserproben, bei deren Analyse die chemische Zusammensetzung in den verschiedenen Tiefen festgestellt werden kann. Ergeben sich je nach Pegelhöhe unterschiedliche Werte, ist das ein Hinweis darauf, dass Wasser von außen in die Rohre eindringt. Die geophysikalischen Untersuchungsresultate sollen in ein bis zwei Monaten vorliegen. Dann muss laut Thielmann entschieden werden, ob kleinere Sanierungsarbeiten notwendig sind.

»Auch das Stilllegen und Hochfahren der Brunnen im Sprudelhof und an anderen Stellen der Kernstadt hat problemlos funktioniert«, berichtete der hauptamtliche Stiftungsvorstand. Die Stiftung hat 80 000 Euro in die Untersuchung investiert. Das Geld ist nach Ansicht von Thielmann gut angelegt. Zum einen gilt es, die Wasserqualität im Interesse der Kurstadt zu erhalten. Zum anderen verfolgt die Stiftung Pläne, alle Sprudelhof-Gebäude künftig auf Geothermie-Basis zu heizen. Das heißt: Die Wärme der Sole soll für Heizzwecke genutzt werden. Auch deshalb war die Detailuntersuchung notwendig, denn für die Geothermie ist eine Schüttung von mindestens 50 Kubikmeter pro Stunde notwendig. Fließt weniger Wasser, weil die Rohre löchrig sind, würde es Probleme geben.

Auch Bürgermeister Bernd Witzel hat sich dieser Tage ein Bild von den Arbeiten im Sprudelhof gemacht und die ersten Ergebnisse erfreut zur Kenntnis genommen. Er plädierte dafür, den seit 1998 stillgelegten Ernst-Ludwig-Brunnen wieder sprudeln zu lassen. Nach den Worten Witzels könnte dadurch das Erscheinungsbild des Sprudelhofs aufgewertet werden. Außerdem werde das Wasser dieses Brunnens möglicherweise in Sachen Geothermie benötigt.



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