08. Februar 2012, 17:28 Uhr

Sommergeschäft allein nicht existenzsichernd

Bad Nauheim (sda). Arbeiten im Freien, bekleidet mit kurzer Hose, T-Shirt und Sandalen? Im Moment kaum vorstellbar, doch viele Berufe lassen sich nur im Sommer ausüben. Was aber machen die typischen Sommergeschäftler im Winter? Vom Bootsverleiher bis zum Gärtner: Die WZ hat nachgefragt, wie sie die kalten Monate überbrücken und finanziell über die Runden kommen.
08. Februar 2012, 17:28 Uhr
Die einzigen Pflanzen, die auch im Winter gepflegt werden müssen. Im Sommer arbeitet Christoph von Löw selbst auf dem Hof und verkauft Kräuter und Pflanzen.

Wie sich herausstellt, ist die Beschäftigung, die während der Sommermonate ausgeübt wird, aus wirtschaftlicher Sicht nur der Nebenjob, meist sind es die Tätigkeiten »unter Dach«, die im Vordergrund stehen.

Christian Schöniger mag seine Arbeit: Im Sommer steht er mit Flip-Flops am Bad Nauheimer Großen Teich und genießt die Sonne. Der junge Mann leitet seit letztem Jahr gemeinsam mit einem Partner den Bootsverleih »We love Boats« im Kurpark. Das Geschäft ist seit Oktober geschlossen, geöffnet wird erst wieder zu Beginn des Frühlings.

»Von dem Bootsverleih alleine kann man nicht leben«, erzählt Schöniger. Dafür sei die Wintersaison zu lang – eine zu große Zeitspanne ohne Einkommen. Deswegen leitet der Mann noch ein Restaurant in Butzbach, sein Partner ist der Besitzer des Butzbacher Kinos. In Sachen Personal sind beide flexibel: »Wir engagieren ausschließlich Aushilfen, meistens Studenten«, erklärt Schöniger. Die Zahl der Helfer sei abhängig von der Wetterlage und dem Kundenandrang. »Am Wochenende sind wir meistens zu dritt am Teich, unter der Woche reicht eine Person«, sagt er. An den Sonntagen seien besonders viele Gäste an einer Bootsfahrt auf dem Gewässer interessiert. »Es kommen sehr junge Leute, aber auch Kurgäste und ältere Menschen«, berichtet er.

Weil der rund sieben Hektar große Teich an manchen Stellen bis zu fünf Metern tief ist, müssen die Bootsfahrer ständig im Auge behalten werden. Auch die tägliche Reinigung der Boote und die regelmäßige Wartung gehört zu den Aufgaben der Verleiher. Der kommende Sommer werde sehr anstrengend, vermutet Schöniger, da er in seinem neuen Restaurant auch hinterm Herd steht. Wie er sich dann die Zeit einteilt, wisse er nicht genau: »Das werden wir schon irgendwie hinkriegen.« Auf den Bootsverleih zu verzichten, könne er sich aber nicht mehr vorstellen: »Ich hätte nie gedacht, dass es so viel Spaß macht.«

Externe Rettungsschwimmer

Auch im Usa-Wellenbad verlässt man sich nicht auf die Sommersaison. »Das Freibad macht nur 20 Prozent des Umsatzes aus«, erklärt Roman Schramm, der für den Betrieb des Schwimmbads verantwortlich ist. Im Freien könnten sich die Gäste – je nach Wetterlage – meistens von Mai bis September tummeln. Für diese Zeit werden Fachkräfte von einem externen Unternehmen engagiert, das darauf spezialisiert ist, den Bädern Rettungsschwimmer zur Verfügung zu stellen, sagt Schramm. Wie viele Kräfte zusätzlich hinzugezogen werden, variiere täglich: »Je nach Besucherzahl. « Bei besonders gutem Besuch mit rund 3500 Badegästen müssten fünf Rettungsschwimmer im Einsatz sein. »Aber solche Tage kann man an der Hand abzählen«, berichtet der Betriebsleiter.

Über die Freibadsaison hinaus fallen keine Arbeiten im Freien an. »Nur die Becken müssen winterfest gemacht werden«, sagt Schramm. Dazu gehöre die vollständige Beckensäuberung und das Ablassen des Wassers. Ein Teil des Wassers bleibe in den Becken und werde mit Frostschutzmittel versetzt: »Damit die Fließen nicht kaputtgehen.« Weiter geht es erst wieder kurz vor Eröffnung des Freibads. Dann müsse Rasen gemäht, die Becken schwimmfertig gemacht werden.

Ziel: Begegnungszentrum

Auch auf dem Gartenhof Löw zu Steinfurth gibt es im Sommer einiges zu tun: Betritt man das Grundstück während der Hauptsaison, erblickt man Pflanzen, so weit das Auge reicht. Zu dieser Zeit arbeitet Christoph von Löw am liebsten draußen, pflegt den Garten, verkauft Pflanzen und Kräuter. Außerdem macht der Mann im Herbst eigenen Apfelwein. »Jährlich um die 600 Liter, das sind keine Riesenmengen«, erzählt er. Davon allein lasse es sich nicht leben, weiß von Löw.

Deswegen gehe er einem anderen Beruf nach: »Ich bin eigentlich Architekt und Bauberater.«. Die Arbeit auf dem Hof mache er zusätzlich. Neben der Ernte werde der Hof im Sommer auch für Veranstaltungen genutzt. »Zum Beispiel Lesungen oder Konzerte«, berichtet von Löw, »denn wir wollen mit dem Hof ein Begegnungszentrum aufbauen.«

Im Winter gebe es jedoch kaum etwas zu tun: »Wir nutzen die Zeit zum Räumen, Umbauen und für die Instandhaltung«. Im Frühjahr geht es richtig los, denn die Pflege des rund 8400 Quadratmeter großen Grundstücks ist arbeitsaufwendig. Deswegen werden zur Hauptsaison des Pflanzen- und Kräuterverkaufs Hilfskräfte engagiert. »Meistens sind es drei Nebenjobler, die durch das Jobcenter vermittelt werden«, erzählt von Löw. Nur ein Gärtner sei das ganze Jahr über auf dem Hof angestellt. »Und wir haben noch meine Mutter«, sagt von Löw, die 91-Jährige helfe tatkräftig bei der Arbeit im Familienbetrieb.

Neben der Familie leben noch weitere 16 Menschen zur Miete auf dem Hof: »Vor allem Japaner von der Firma Shumei«, erzählt von Löw, denn die betreiben eine natürliche Landwirtschaft in Steinfurth. »Sie produzieren reine Bio-Produkte« – in Steinfurth haben die japanischen Bauer einen Demonstrationsacker. Da das Konzept von der japanischen Regierung unterstützt wird, werden die Ackerbauer laut von Löw über den Winter hinweg finanziert.

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