13. Februar 2012, 17:03 Uhr

Steuerfahnder finden Kinderporno-Dateien

Friedberg/Bad Nauheim (jw). Dumm gelaufen: Da steht plötzlich die Steuerfahndung vor der Tür, weil sie Computerdaten sicherstellen will, und dann finden die Beamten haufenweise Kinderpornos.
13. Februar 2012, 17:03 Uhr
(Foto: dpa)

Bilder und Videos, die der Angeklagte zwar gesammelt, aber zum größten Teil gar nicht richtig angesehen haben will. So stellte es zumindest ein 51-jähriger Laubacher gestern vor dem Amtsgericht Friedberg dar. Strafbar, da waren sich alle Beteiligten einig, ist der Besitz solcher Bilder auf jeden Fall. Richter Dr. Markus Bange verhängte daher eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung sowie 100 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Franz P. (Name von der Red. geändert) ist freischaffender Künstler mit geringem Verdienst und großem Vorstrafenregister: Zehn Einträge im Bundeszentralregister listete Richter Bange auf, vor allem kleinere Betrugsfälle, Diebstähle geringfügiger Art und Führen eines Kraftfahrzeuges ohne Versicherungsschutz. In Sachen Kinderpornographie war P. bislang nicht aufgefallen, und wenn die Steuerfahnder nicht an jenem Tag im Januar 2011 seine Wohnung in Bad Nauheim durchsuchten hätten, wäre seine Porno-Sammlung womöglich nie bekannt geworden. Die Festplatten des Computers wurden beschlagnahmt, 118 Dateien mit Bild- und Videodateien mit kinderpornographischem Inhalt wurden gefunden, dazu Ausdrucke von Foto, welche die Beamten auf dem Bett des Mannes fanden. Die Bilder, sagte Staatsanwalt Schäfer, zeigten »Mädchen deutlich unter 14 Jahren«, teils mit eindeutigen Posen, teils beim Sex mit Erwachsenen.

Der Angeklagte räumte dies ein. In einer Erklärung, die er seine Rechtsanwältin Elfi Zinn verlesen ließ, gestand er ein, in den letzten 20 Jahren eine Porno-Sammlung angelegt zu haben. Komplette Internetseiten habe er auf seine Festplatte kopiert, und dabei seien eben auch jene Bilder automatisch auf seinen Rechner gelangt, die ihm nun »sehr peinlich« seien. »Ich bin nicht an Sex mit Kindern interessierte«, hieß es in der Erklärung. Die Sache tue ihm leid, er habe die Dateien auch nicht weitergegeben.

Rechtsanwältin Zinn betonte, die Kinderpornos machten lediglich 0,013 Prozent seiner kompletten Computerdatensätze aus. P. beschrieb seine Leidenschaft mit dem Sammeln von Schallplatten: Da höre man sich auch nicht alle Lieder an.

Staatsanwalt Schäfer forderte eine neunmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung und 150 Stunden gemeinnützige Arbeit. Sicher, die Bilder zeigten keine Kleinkinder, aber eindeutig minderjährige Mädchen. Klar sei auch, dass für die Herstellung solcher Pornos junge Mädchen verführt werden. Rechtsanwältin Zinn plädierte hingegen für eine Geldstrafe, wobei das geringe Einkommen von Franz P. von 600 bis 700 Euro monatlich ebenso berücksichtigt werden müsse wie die Tatsache, dass er sich um seine pflegebedürftige Mutter kümmere. Richter Bange hielt eine sechsmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung für angemessen und sprach von einem »faden Beigeschmack«, welche die Sache habe.



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