14. März 2012, 16:38 Uhr

Max-Planck-Forscher wollen Brustkrebs ausbremsen

Bad Nauheim (pm). Neue Forschungsergebnisse des Bad Nauheimer Max-Planck.-Instituts könnten eine Möglichkeit bieten, bei einer besonders aggressiven Form von Brustkrebs eine Wanderung von Tumorzellen in andere Organe zu verhindern. Damit könnte langfristig bei betroffenen Patientinnen die Bildung von Metastasen gebremst werden.
14. März 2012, 16:38 Uhr

Bei besonders aggressiven Brustkrebsformen können sich Krebszellen in andere Organe ansiedeln und dort Metastasen bilden. Sind solche Metastasen vorhanden, ist eine Heilung selten. Daher ist es enorm wichtig, die Metastasierung der Brustkrebszellen zu verhindern, was mit den bestehenden Therapieformen allerdings nur teilweise gelingt. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut (MPI) für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim haben nun entdeckt, dass sie die Bildung von Metastasen bei Tieren verhindern können, wenn sie das Rezeptorprotein Plexin-B1 blockieren. Sie hoffen, damit einen neuen Ansatz gefunden zu haben, um die Metastasierung von aggressiven Brustkrebsformen zu unterbinden und die Prognose der Patientinnen zu verbessern.

Brustkrebs ist bei Frauen die mit Abstand häufigste Krebserkrankung. Ungefähr jede zehnte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Etwa ein Viertel aller Patientinnen leidet nach MPI-Angaben an der besonders aggressiven Form, bei der die Tumorzellen häufig in andere Organe abwandern. Diese aggressive Krebsform zeichne sich dadurch aus, dass die Tumorzellen das Protein ErbB-2 produzieren. Wenn in der bei jeder Brustkrebspatientin routinemäßig entnommenen Gewebeprobe ErbB-2 in den Tumorzellen nachgewiesen wird, müsse sich die Frau einer aufwendigen Therapie unterziehen. Trotzdem sei das Auftreten von Metastasen nicht immer zu verhindern.

Was ausgerechnet ErbB-2-produzierende Tumoren so aggressiv macht, haben nun Wissenschaftler aus der Arbeitsgruppe von Stefan Offermanns, Direktor am Max-Planck-Institut, herausgefunden. »Durch Untersuchungen im Nervensystem war bekannt, dass ErbB-2 einen Komplex mit dem Rezeptorprotein Plexin-B1 bildet, das die Bewegung und Wanderung von Zellen steuert«, erläutert Thomas Worzfeld, Leiter der Studie. »Wir haben deshalb gezielt in Brustkrebszellen nach einem Zusammenspiel dieser beiden Proteine gesucht.« Die Forscher wurden fündig. Schalteten sie das Plexin-B1 in Brustkrebszellen ab, verloren die Zellen die Fähigkeit zu wandern.

»Aus dieser Beobachtung haben wir geschlossen, dass es möglich sein sollte, die Bildung von Metastasen durch Ausschalten von Plexin-B1 zu verhindern«, sagte Worzfeld. Bei Versuchen mit Mäusen war der beobachtete Effekt deutlich. »Wir konnten bei den Tieren ohne Plexin-B1 eine drastische Reduktion der Metastasen in den Lungen feststellen. Das war bereits mit bloßem Auge zu erkennen«, betonte der Studienleiter. Die Frage war nun, ob diese Beobachtung auf den Menschen übertragbar ist. Bei der Untersuchung von Gewebe von Brustkrebspatientinnen stellten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen dem Gehalt von Plexin-B1 im Tumorgewebe und der Prognose der Patientinnen fest. So hatten Frauen mit geringem Plexin-B1-Gehalt im Tumorgewebe eine deutlich bessere Überlebenschance. Die Wissenschaftler schöpfen aus diesem Ergebnis die Hoffnung, den Ansatz zur Entwicklung einer neuen Therapie gefunden zu haben. Worzfeld: »Wir wollen Plexin-B1 mit einem Antikörper gezielt ausschalten und hoffen, dadurch das Auftreten von Metastasen zu unterdrücken.« Der Antikörper, auf den ein Patent angemeldet ist, wird im Tierversuch getestet.

Offermanns ist vorsichtig optimistisch: »Wir glauben, mit Plexin-B1 eine entscheidende Stelle gefunden zu haben, um die Bildung von Metastasen zu blockieren. Bis feststeht, ob unser Antikörper in der Klinik erfolgreich eingesetzt werden kann, ist es allerdings noch ein sehr weiter Weg.«



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