10. Mai 2012, 17:08 Uhr

»Kahlschlag«: Aus für Sinfoniekonzertreihe

Bad Nauheim (bk). Der städtische Kulturetat wird aufgrund des Sparzwangs weiter gekürzt: Der Fachausschuss hat auf CDU-Antrag beschlossen, die Sinfoniekonzertreihe 2013 komplett zu streichen. Die Ausgaben werden dadurch um etwa 40 000 Euro reduziert.
10. Mai 2012, 17:08 Uhr
Konzert der Bad Nauheimer Kammerphilharmonie im Jugendstiltheater des Hotels Dolce. Nach dem Willen des Kulturausschusses soll es dazu im kommenden Jahr nicht mehr kommen. (Archivfoto: Eberhardt)

Innerhalb der Union gibt es unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema. Während Bürgermeister und Kulturdezernent Armin Häuser (CDU) die Konzertreihe erhalten möchte, votiert die Fraktion für den Verzicht. Protest gegen die Entscheidung kommt vom Förderverein sinfonischer Musik Bad Nauheim. 2. Vorsitzender Diethard Bauer spricht von einem »weiteren kulturellen Kahlschlag«.

Die Sinfoniekonzertreihe wird nach Angaben des Fördervereins im Bad Nauheimer Jugendstiltheater seit 22 Jahren angeboten. derzeit gibt es vier Veranstaltungen per anno, drei davon mit der Kammerphilharmonie Bad Nauheim, der überwiegend Berufsmusiker aus der Kurstadt, Mittelhessen und der Rhein-Main-Region angehören. Ab 2013 soll damit Schluss sein, denn die Mehrheit des Kulturausschusses verweigerte dem Magistrat die Ermächtigung, den Zuschuss von 40 000 Euro für diesen Zweck auszuzahlen. Fünf Vertreter von CDU und UWG stimmten für diesen Antrag, es gab fünf Enthaltungen und eine Gegenstimme (FDP).

Der Förderverein bewertet den Beschluss als »völlig unbedachte Entscheidung«. Bei den Konzerten würden im Schnitt 450 Besucher gezählt, sie seien von überregionaler kultureller Bedeutung. »Schon seit Jahren wird in Bad Nauheim an den Ausgaben für Kultur erheblich gespart, auch der Zuschuss für die Sinfoniekonzertreihe wurde immer weiter reduziert«, erklärte Bauer. Zudem habe man 2011 die Eintrittspreise »massiv erhöht«. Sie hätten jetzt ein Niveau, das mit der Alten Oper in Frankfurt vergleichbar sei. Wie Bauer im Gespräch mit der WZ unterstrich, habe der Verein die Hoffnung, die Konzertreihe doch noch zu erhalten, nicht aufgegeben: »Es gibt viele Bürger, die sich dafür einsetzen. Wir werden das Gespräch mit allen Fraktionen suchen und – wenn das nichts fruchtet – eine Unterschriftenaktion starten«, sagte der stellvertretende Vereinsvorsitzende. Der Förderverein appelliert an alle Bürger, sich für den Erhalt der Konzertreihe einzusetzen, »die sich nicht einfach wie ein Lichtschalter je nach Bedarf und Kassenlage ein- oder ausschalten lässt«.

»Existenzfrage für Musiker«

Nach Angaben Bauers fallen pro Konzert Kosten zwischen 6 000 und 15 000 Euro an – je nach Besetzung des Orchesters. Das Ensemble sei beim letzten Konzert mit 35 Musikern aufgetreten, bei der nächsten Veranstaltung im September werde die große Besetzung mit 60 Mitgliedern zu hören sein. Der Verein leiste einen kleinen finanziellen Beitrag im Rahmen seiner Möglichkeiten und gewähre personelle Unterstützung. Mehr sei kaum machbar. Bauer: »In einem Umfeld mit Hunderten von Vereinen, die alle dringend Spender und Sponsoren suchen, ist es dem Förderverein nicht möglich, jährlich einen so hohen Zuschuss zu leisten.« Ein herber Verlust sei die Entscheidung nicht nur für die vielen Freunde der sinfonischen Musik, sondern auch für die Orchester-Mitglieder. Viele seien Berufsmusiker, für die der Wegfall der Veranstaltungsreihe eine »Existenzfrage« sei.

Bürgermeister Häuser hatte sich ebenso wie die Magistratsmehrheit dafür ausgesprochen, die 40 000 Euro auch 2013 bereitzustellen. Im Kulturetat sei in den letzten Jahren bereits intensiv gespart worden. Dem Verein Kunstvoll würden nur die Mietkosten erstattet, er erhalte aber nicht den zunächst geplanten Zuschuss, das Kurorchester müsse in den Sommermonaten auf zusätzliches Personal verzichten, das Stadtmuseum sei aus finanziellen Gründen nicht zu realisieren. »Im Fall der Sinfoniekonzertreihe geht es aber um die Frage der kulturellen Vielfalt. Hier wird nicht gekürzt, sondern komplett gestrichen«, betonte Häuser.

»Müssen nicht immer einer Meinung sein«

Für eine Stadt der Größe Bad Nauheims sei es ungewöhnlich, sich eine eigene Kammerphilharmonie zu leisten, andererseits machten solche Angebote gerade den Reiz einer Kommune aus. Der Bürgermeister hofft, dass der Förderverein, dem »viele kreative Köpfe angehören«, sein Engagement beibehält. »Vielleicht ist ja noch irgendwas zu retten«, meinte der Bürgermeister. Mit der Tatsache, dass die CDU in diesem Punkt eine andere Ansicht vertritt als er, kann Häuser gut leben: »Wir müssen nicht immer einer Meinung sein. Damit habe ich keine Probleme.«

»Highlight wird gestrichen«

Kritisch bewertet auch Johannes Lenz, Fachbereichsleiter Kultur im Rathaus, den Beschluss des Ausschusses. Mit der Konzertreihe werde das »kulturelle Highlight« des städtischen Programms gestrichen. Bad Nauheim sei die einzige Kommune im Wetteraukreis, die ein solches Angebot unterbreite – mit entsprechender Imagewirkung. »Der Kulturausschuss hat unter rein pekuniären Gesichtspunkten entschieden. Dabei wäre es gerade die Aufgabe dieses Gremiums, das kulturelle Angebot zu fördern«, sagte Lenz.

Stattdessen drohe Bad Nauheim den Status einer Kommunen mit qualitativ hochwertigem Kulturprogramm zu verlieren. Lenz zufolge wäre es im Rahmen der Haushaltsberatungen für 2013 noch möglich, das Votum des Kulturausschusses zu revidieren. »Der Etat wird zwar erst Ende des Jahres beschlossen, aber auch zu diesem späten Zeitpunkt wäre es noch denkbar, eine Sinfoniekonzertreihe für 2013 zu organisieren«, erklärte der Fachbereichsleiter.

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