11. September 2012, 16:33 Uhr

Kinderpornos: Monate im philippinischen Knast

Bad Nauheim/Friedberg (sda). Vier Monate lang saß ein 54-jähriger Bad Nauheimer in philippinischer Abschiebehaft, nun wandert der Mann für weitere drei Jahre in ein deutsches Gefängnis. Grund für die Verurteilung ist der Besitz und die Verbreitung von Bildern und Videos mit eindeutig kinderpornografischen Inhalten.
11. September 2012, 16:33 Uhr
Kinderpornografie – im Computerzeitalter ist die weltweite Verbreitung kein Problem. (Foto: dpa)

»So viele, dass er eine zweite Festplatte benötigte«, wie Staatsanwalt Alexander Hahn am Dienstag vor dem Schöffengericht in Friedberg erklärte.

Rund 300 Bilder und sechs Videos, allesamt mit kinderpornografischen Inhalten, hatte der Bad Nauheimer 2008 über eine Internet-Tauschbörse in Umlauf gebracht. Zudem wurden damals weitere 3000 Bilder sowie 1000 Videos auf seinem Computer sichergestellt. Die Aufnahmen zeigten vornehmlich Mädchen, die deutlich unter 14 Jahren waren und laut Anklage zu sexuellen Handlungen gezwungen wurden. Neben kinderpornografischen Inhalten war der 54-Jährige im Besitz von einigen tierpornografischen Dateien.

Weitere Bilder und Videos hatte er während seines Aufenthalts auf den Philippinen von 2009 bis Anfang 2012 ins Netz gestellt, wo er im Januar dieses Jahres festgenommen worden war. Grund: In Deutschland wurde ein Haftbefehl gegen den Mann wegen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischer Dateien verhängt.

Der 54-jährige Bad Nauheimer räumte die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft vollständig ein. 2009 sei er auf die Philippinen ausgewandert, sei in der Nähe der Hauptstadt mit seiner einheimischen Lebensgefährtin zusammengezogen und habe sich dort ein neues Leben aufgebaut. Sogar Arbeit in einer Fabrik habe er in dem fremden Land gefunden. Im Oktober 2010 hatte das Liebespaar ein Kind bekommen. Doch sein persönliches Glück währte nur kurz: Nach zweijährigem Aufenthalt nahm in die philippinische Polizei fest. Es folgten vier Monate Abschiebehaft.

»Es war katastrophal«, erinnerte sich der Mann. »Bettwanzen, anderes Ungeziefer und jeden Tag nur Reis mit Huhn«, so sein Bericht. »Ich will das keinem zumuten.« Vor drei Monaten kam er nach Deutschland und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. »Die Tat tut mir sehr leid«, sagte er.

Staatsanwalt Alexander Hahn plädierte für eine dreijährige Haftstrafe. Zwar sei dem Angeklagten zugutezuhalten, dass er ein Geständnis abgelegt habe, dennoch wiege die Menge der Dateien sehr schwer. Auch Verteidiger Sascha Marks sprach sich für eine dreijährige Freiheitsstrafe aus: »Die ganze Sache ist aus dem Ruder gelaufen«, betonte er, »es hat sich eine Eigendynamik entwickelt.«

»Kinder sind traumatisiert«

Richterin Dr. Gerlinde Kimpel und die Schöffen schlossen sich den Forderungen an: Für drei Jahre muss der Mann hinter Gitter. Mit der Verbreitung über die Internettauschbörse habe der Mann maßgeblich zur Unterstützung solcher »menschenunwürdigen« Praktiken beigetragen. »Die Qual der Kinder lässt sich auf ihren Gesichtern ablesen«, sagte die Richterin. »Sie sind für den Rest ihres Lebens traumatisiert.«

Positiv wertete das Gericht hingegen das Geständnis des Mannes sowie die Tatsache, dass er bisher noch keine Vorstrafen hatte. Zudem sei die bereits verbüßte Haft auf den Philippinen ins Urteil einberechnet worden.



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