12. Juli 2013, 16:48 Uhr

Kinder im Auto: Was Eltern beachten müssen

Friedberg/Bad Nauheim (pwz/sda). Das Gepäck stapelt sich im Kofferraum, die Brote sind geschmiert, und das Kind flitzt aufgeregt ums Auto. Nur noch einige Hunderte Kilometer zurücklegen, und schon beginnt der langersehnte Urlaub. Doch bevor die Fahrt losgeht, gibt es einiges zu beachten:
12. Juli 2013, 16:48 Uhr
Angeschnallt? Gut platziert auf einem altergerechten Sitz auf der Rückbank? Dann kann die Reise losgehen. (Archivfoto: dpa)

Ist das Kind sicher platziert? Hat es ausreichend Beschäftigung während der Fahrt? Vielleicht ein Buch oder ein gutes Spiel? Und was ist zu tun, wenn der kleine Beifahrer plötzlich von Übelkeit geplagt wird? Die WZ hat mit Experten gesprochen, die Tipps für einen stressfreien Urlaubsstart geben – für kleine und große Reisende.

Prof. Arno Fuchshuber leitet eine Kinder- und Jugendpraxis in Bad Nauheim. Sein Rat für lange Autofahrten: »Viel Zeit einplanen. Spätestens nach zwei Stunden sollte eine Pause eingelegt werden« – selbst, wenn die Eltern noch Energie zum Weiterfahren hätten. Das Kind müsse raus aus dem Auto, sich bewegen, ein kleines Picknick machen und vor allem viel trinken – ganz egal, in welchem Alter, auch Säuglinge sollten regelmäßig an die frische Luft. »Aber wenn sie schlafen: am besten in Ruhe lassen.«

Für Kinder, die während der Fahrt von Übelkeit geplagt werden, hat der Arzt einen Tipp: »Oft hilft es, wenn sie nach vorne gucken.« Zwar gebe es auch Medikamente, die seien jedoch nur in extremen Fällen zu empfehlen und lieber wegzulassen.

Das wichtigste vor Fahrtantritt: Die sichere Platzierung des Kindes in einem für sein Alter geeigneten Sitz auf der Rückbank. Dabei gilt: »Je kleiner die Kinder, desto eher sollten sie in einer liegenden Position transportiert werden.« Frühstens mit neun Monaten seien Babys in der Lage, für einen längeren Zeitraum zu sitzen, das sei jedoch von Kind zu Kind unterschiedlich. Vor der Entscheidung für einen Sitz sollten sich die Eltern gründlich informieren, etwa Testergebnisse vom ADAC oder der Stiftung Warentest zu Rate ziehen. »Ein vernünftiger Sitz ist das Wichtigste überhaupt«, sagt Fuchshuber. »Lieber ein bisschen mehr investieren. « Stets zu beachten sei auch die Befestigung mit einem Gurt: »Der muss direkt am Körper anliegen.« Im Sommer sei das wegen der dünnen Kleidung kein Problem, doch im Winter heißt es aufpassen: »Daunenjacken müssen vor der Fahrt ausgezogen werden.«

Wolfgang Heil mahnt zur Vorsicht. Der Vorsitzende der Verkehrswacht Wetterau betont: »Das Kind muss immer angeschnallt sein.« Das gelte nicht nur für lange Reisen: »Schon im Stadtverkehr kann ein Kind so stark geschleudert werden, dass es stirbt.«

Damit es erst gar nicht zu Auffahrunfällen kommt, rät Heil: »Pausen, Pausen, Pausen« – die seien für den Fahrer genauso wichtig wie für den jungen Beifahrer auf der Rückbank. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass der Fahrer in Sekundenschlaf falle. Augen reiben, gähnen – das seien Anzeichen für Müdigkeit und Konzentrationsverlust während der Fahrt. Frische Luft kann da Abhilfe schaffen, zwei Stunden hinter dem Steuer sollte der Fahrer nicht überschreiten: »Zehn Minuten die Beine vertreten hilft. « Die Kinder sollten währenddessen »ein bisschen auf dem Parkplatz rumhopsen«.

Ein weiterer Gefahrenfaktor sei das Gepäck, sagt Heil. Seien die Koffer und Reisetaschen ordnungsgemäß im Kofferraum verstaut, sei dies auch im Falle einer Vollbremsung unbedenklich. Werden die Gepäckstücke jedoch im Innenraum untergebracht, sollten sie unbedingt befestigt werden. Eine große Gefahr berge die Hutablage. »Die ist wirklich nur für ein Kleidungsstück geeignet«, betont Heil. Selbst ein vermeintlich kleiner Gegenstand wie eine Wasserflasche »kann bei einem Aufprall ein Geschoss sein« und für schwere Kopfverletzungen sorgen.

Sind alle Vorkehrungen getroffen, das Kind sicher im Auto platziert, stellt sich noch eine dringende Frage: Wie erreicht die Familie das Ferienziel, ohne im Fünfminutentakt den Ausspruch »Mir ist langweilig« zu ertragen?

Die Bad Nauheimer Buchhandlung am Park empfiehlt eine Reisespielbox. Klassiker wie Monopoly oder Mensch-ärgere-dich-nicht sind als Miniaturausgabe erhältlich und optimal für unterwegs. Außerdem enthalten: verschiedene Kartenspiele, Brettspiele und Würfelspiele. Aber Achtung vor Kleinteilen: Die könnten im Auto leicht verlorengehen, Gejammer sei vorprogrammiert. Auch eine gute Beschäftigung für unterwegs seien Logikspiele – etwa Spielekarten, auf die das Kind Lösungen zu kniffligen Aufgaben schreibt und sie später wieder wegwischen kann, um erneut zu knobeln. Ein zeitloser Favorit seien Bücher und Hörspiele – aber aufgepasst: Vielen Kindern wird es beim Lesen während der Fahrt schlecht.

Laut Spielwarengeschäft Feigenspan in Bad Nauheim ist die »Zaubertafel« der absolute Favorit vieler Eltern. Schon seit Jahrzehnten werden diese vor den Sommerferien häufiger verkauft. Mit der »Zaubertafel« können Kinder durch einen Magnetstift Bilder zeichnen und sie blitzschnell mit dem Schiebeknopf wieder wegwischen – wie von Zauberhand. Ein Mittel gegen Langeweile auf der Autobahn sind außerdem verschiedene Quizspiele. Besonders beliebt bei den jungen Urlaubern ist das »Auto-Bingo«, dabei müssen Kinder die Motive auf den Bingo-Karten in der vorbeihuschenden Landschaft suchen.

Sind die Kinder schon etwas älter und mögen anspruchsvolle Aufgaben, sind Kniffelspiele geeignet, etwa der Zauberwürfel. Der sorgt für stundenlangen Knobelspaß und fordert den Ehrgeiz des Kindes heraus.

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