11. Mai 2010, 18:06 Uhr

Imker Johannes Weber erklärt, wie Bienen geschützt werden können

Bad Vilbel (cf). Der lange Winter, die Varroa-Milbe und Pilzbefall machen Imkern in ganz Deutschland große Sorgen. Auch die aktiven Imker des Bienenzuchtvereins Bad Vilbel und Umgebung, die 25 Bienenvölker besitzen, klagen über Verluste.
11. Mai 2010, 18:06 Uhr
Imker Heinz Armbrust hat zwei seiner fünf Bienenvölker in diesem Winter verloren. (Foto: cf)

Bad Vilbel (cf). Der lange Winter, die Varroa-Milbe und Pilzbefall machen Imkern in ganz Deutschland große Sorgen. Auch die aktiven Imker des Bienenzuchtvereins Bad Vilbel und Umgebung, die 25 Bienenvölker besitzen, klagen über Verluste. Zu ihnen gehört der Vilbeler Imker Heinz Armbrust. Zwei seiner fünf Bienenvölker überlebten aus den genannten Gründen den Winter nicht.

Den Beginn eines Bienenjahres in der Wetterau signalisiert die Rapsblüte. Es endet im Kreisgebiet Ende Juli, in Waldgebieten im August. Höchste Zeit also für die in den letzten Jahren unter dem Massensterben ihrer Bienenvölker leidenden Imker, sich über die Parasiten umfassend zu informieren. So war das Interesse am Vortrag »Bienenbehandlung, Varroatose und Pilzbefall« von Johannes Weber im evangelischen Gemeindehaus in Massenheim groß.

Der Imker aus der Schwalm besitzt rund 25 Bienenvölker und verriet den Imkerkollegen aus der Wetterau sein Behandlungskonzept.

Bei der Varroatose handelt es sich um eine parasitäre Bienenkrankheit. Sie wird durch die Milbe »Varroa destructor« hervorgerufen. Diese stelle derzeit weltweit die größte Bedrohung für die Imkerei dar, erklärte Weber. Die Milbe wurde vor rund 25 Jahren durch die Einfuhr von Bienen aus Südostasien nach Deutschland eingeschleppt. »Die Varroa befällt primär die Bienenbrut. Sie vermehrt sich dort in der verdeckelten Brutzelle, der Geburtskammer der Honigbienen«, informierte Weber. Folge des Befalls sind missgebildete Larven und nicht lebensfähige Bienen.

Die Varroatose wirkt sich auch auf die ausgewachsene Biene und damit auf das ganze Bienenvolk negativ aus. Die ständig wachsende Milbenpopulation schwächt das Bienenvolk. Ohne Behandlung bricht es nach wenigen Jahren zusammen. Problematisch ist die Varroatose auch deshalb, weil sie Sekundärinfektionen durch Viren, Bakterien und Pilzbefall nach sich zieht. Die Milbe wird durch die Bienen selbst von Volk zu Volk und von Stand zu Stand weiterverbreitet. Der Imker muss den Bienen bei der Bekämpfung der Milbe helfen. »Gezielt bekämpfen kann ich die Varroa nur in meinen Völkern, über die ich genau Bescheid weiß«, betonte Weber.

Wichtig sind regelmäßige Kontrollen des natürlichen Totenfalls der Varroa nach fünf und zehn Tagen und Aufzeichnungen. Hilfreich für die Kontrolle ist das Befestigen einer hellen Fließmatte unter dem Rahmen. Die toten Milben können so leicht gezählt und entsorgt werden.

Mehrere Behandlungsmethoden

Es gibt mehrere Behandlungsmethoden bei Varroa-Befall: Mit chemischen Varroaziden oder mit organischen Säuren wie der Ameisensäure. Wichtig ist, dass die Behandlung der Bienenvölker erst nach der Honiggewinnung durchgeführt wird, damit Rückstände im Honig vermieden werden. Die Behandlung mit Ameisensäure sollte am frühen Morgen erfolgen. Jedoch nur an Tagen mit Temperaturen über zehn Grad und unter 30 Grad zwischen zwölf und 15 Uhr. »Mit der Zeit sind alle Milben nach mehrmaliger Behandlung tot. Die Völker müssen weiter beobachtet werden und bei Bedarf muss der Imker helfend eingreifen«, sagte Weber.

Wer mit Ameisensäure arbeitet, sollte seine Rähmchen mit Edelstahl drahten. Wichtig sei auch, dass alle Beuten kontrolliert werden können ohne die Bienen zu stören. Behandelt werden sollte so lange, bis weniger als 50 Varroa fallen.

Wichtig sei es, die Aufzeichnungen aufzuheben, um den Vergleich zu den Vorjahren zu haben. Der Vorstand des Bienenzuchtvereins bedankte sich beim Referenten für die zahlreichen Tipps im Kampf gegen Parasiten und Pilzbefall. Dem Vorstand gehören neben Schriftführer Hans-Helmut Jung, Vorsitzender Günther Steinkamp aus Frankfurt, seine Stellvertreterin Jutta Hennig-Schön aus Bad Vilbel und Kassierer Jürgen Uebel aus Karben an.

Der Verein lädt alle Hobbyimker und Interessenten zu seiner Standschau am Sonntag, 27. Juni, ab 15 Uhr in den Bienengarten (Kiwifarm) der Familie Utter ein.



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