23. August 2011, 17:55 Uhr

Landwirtschaft zum Anfassen bei der Bezirkstierschau

Bad Vilbel (khn). Zahlreiche Besucher kommen bei bestem Sommerwetter zur 56. Bezirkstierschau im Rahmen des Vilbeler Marktes. Zu sehen gibt es über 150 Pferde, Kühe, Schafe und Ziegen.
23. August 2011, 17:55 Uhr
In der schweißtreibenden Mittagssonne warten die Besucher auf die Sieger der Schau.

Etwas unruhig sind sie schon. Die Kühe der Rasse Rotes Höhenvieh mit den kleinen, aber kräftigen Hörnern wenden sich, treten von einem Bein aufs andere. Überall um sie herum muht, mäht und wiehert es. Und dann auch noch diese Blasmusik. Dann kommt eine kleine Hand nach vorne übers Gatter geschnellt. Viehhalter Martin Marx reagiert sofort, zieht einmal am Zügel, und das Tier beruhigt sich. »Boah, fühlt sich voll weich an«, sagt der Junge und krault den Kopf der Kuh. Marx lächelt. »Wir nehmen nur die Tiere mit, die diesen Trubel gewöhnt sind«, sagt er. »Deswegen sieht man immer wieder die alten Gesichter.«

Bei sommerlichen Temperaturen hat gestern zum 56. Mal die Bezirkstierschau im Rahmen des Vilbeler Marktes stattgefunden. Landwirte und Viehzüchter präsentierten 70 Rinder und Kälber, 35 Groß- und 20 Kleinpferde, 14 Ziegen, drei Schaffamilien mit einem Bock, drei Altschafen, drei Jährlingen und drei Lämmern sowie eine Sau mit ihren Jungen. Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr spricht von einer »spitzenmäßigen« Veranstaltung: »Wir haben noch nie so viele Tiere hier gesehen, und die Besucherzahlen sind aufgrund des Wetters auch sehr gut«, sagt er.

Die Bezirkstierschau ist aus dem Viehmarkt hervorgegangen, der beim Vilbeler Markt ursprünglich im Mittelpunkt gestanden hat. Seit 1820 präsentieren die Landwirte ihre Tiere in der Quellenstadt. »Heute ist die Schau Anlaufstelle für den vergleichenden Wettbewerb«, sagt der Behördenchef, der schon als Kind auf dem Viehmarkt unterwegs gewesen ist. »Wer hat das schönste Pferd, das interessanteste Pony, die wertvollste oder die am meisten Milch gebende Kuh?« Für Kinder sei es der »ideale Ort«, mit Tieren in Verbindung zu kommen. Die Schau bedeute »Landwirtschaft zum Anfassen«. Außerdem könnten sich Menschen mit den Erzeugern direkt austauschen.

Mitten im dichten Gedränge zwischen den angeleinten oder eingehegten Tieren steht Herwig Marloff, Vorsitzender des Regionalbauernverbands Wetterau-Frankfurt: Passanten bleiben stehen, schütteln seine Hand. Es wird gescherzt und diskutiert. »Die Bezirkstierschau ist unser ganzer Stolz«, sagt Marloff mit ein bisschen Pathos in der Stimme. »Der Berufsstand kann sich hier präsentieren und zeigen, dass die Landwirte und Züchter mit richtig viel Herzblut bei der Sache sind. « Wichtig sei auch, dass sie sich in lockerer Atmosphäre treffen und austauschen könnten. Und schon bleibt der nächste stehen. Händeschütteln. Fachsimpeln.

Mit dabei sind bei der Bezirkstierschau auch die heimischen Erzeuger. Es gibt Käse, Wurst, Säfte und Sekt zu kaufen. Mit von der Partie ist auch der Fachdienst Landwirtschaft des Wetteraukreises. Mitarbeiterinnen animieren Besucher, sich am Stand ein Müsli selbst zusammenzustellen. Nicht ganz ohne Hintergedanken. »Wir wollen den Leuten vor allem die alten Getreidesorten vorstellen«, sagt Silvia Bickel. Bekannt seien Weizen, Gerste und Hafer. »Aber wer weiß schon, wie deren Vorfahren wie Dinkel, Emmer und Einkorn aussehen und schmecken?«, fragt sie.

Danielle Sasso steht mit ihrem Sohn Ronaldo beim Stand der Kleintierzüchter, die unter anderem Kaninchen und Tauben präsentieren. »Ich bin das erste Mal dabei, mein Sohn war schon mal mit seinem Papa hier«, sagt sie, während Ronaldo zwischen den Drahtkäfigen hin und her läuft. Die Tierschau gefalle ihr gut. »Das ist besser als diese Kirmes da drüben«, sagt sie und zeigt Richtung Riesenrad.

Am Rand des Geländes steht Margarete Trageser mit ihrem Enkel Lucas. Sie kämen aus Frankfurt, erzählt sie. »Und für Kinder aus der Stadt ist es schon etwas Besonderes, bei der Veranstaltung dabei zu sein«, sagt sie. Hier könnten sie den Tieren ganz nah kommen. Sie beugt sich zu dem Fünfjährigen und fragt ihn, was sein Highlight gewesen sei. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: »Die Polizeisirenen.«

Im Rahmen der Schau hat auch der Bullenschätzwettbewerb gestanden. Die Spanne der Tipps reicht von zwei bis 1,25 Millionen Kilogramm. Am besten ist Alexander Dingor aus Kassel gewesen, der mit seinen 1138,743 nur rund eineinhalb Kilo daneben gelegen hat. Er darf sich nun über einen Gutschein für die Burgfestspiel freuen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Kühe und Rinder
  • Landwirte und Bauern
  • Ronaldo
  • Schafe
  • Sommerwetter
  • Thomas Stöhr
  • Ziegen
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos