29. Januar 2019, 20:47 Uhr

Alte Apfelsorten sind im Vorteil

29. Januar 2019, 20:47 Uhr
Mit Apfelwein lässt es sich gut anstoßen. Beim Wettbewerb für Hobbykelterer geht es um den Spaß und es wird gefachsimpelt. (Fotos: Lori)

»Wir haben vor Jahren mit zehn Leuten begonnen, jetzt sind alle vier Tische besetzt«, sagt Andreas Riesner, Vizevorsitzender der gastgebenden Naturfreunde. Viel Zeit für ein Gespräch hat er gerade nicht. Riesner hat zu tun. Apfelweingläser und Bembel müssen bereitgestellt, Tische eingedeckt und Brot geschnitten werden. Seine Gäste haben Durst. Emsig jongliert Riesner die Teller mit Würstchen und Handkäse durch die Menge. An den Tischen fachsimpeln die ersten Gäste.

Hendrik Schemm schwört auf eine gute Mischung Kelteräpfel. 120 Liter Apfelwein hat er im vergangenen Jahr erzeugt. Vor zwei Jahren hat er den Wettbewerb gewonnen.

Horst Jost aus Groß-Karben ist seit zehn Jahren Hobbykelterer. »Nach dem siebten Glas schmeckt Apfelwein am besten«, scherzt er. Er besitzt eine Streuobstwiese und kultiviert alte Obstsorten wie Goldparmäne, Roter Cousino oder Danziger Kantapfel. »Alte Sorten tragen nur alle zwei Jahre, haben aber weniger Allergene«, sagt er. Von Tafeläpfeln hält er nicht viel. »Die neuen Sorten schmecken süß, weil die Säure weggezüchtet wird.«

Alfred Herrmann aus Hasselroth ergänzt, dass bei alten Sorten der Aufschnitt schneller oxydiert, die Äpfel aber viele Nährstoffe enthalten. In Frankfurt-Sachsenhausen geboren, schmeckt ihm der Apfelwein auch pur. Wie der Ertrag in diesem Jahr wird, sagt er, das sei zu früh zu prognostizieren. »Es kommt auf den Standort, die Bestäubung, Wind und Frost an.« Etwa Mitte Mai könne man mehr sagen, wobei es immer lokale Unterschiede geben werde.

»Wir richten die Veranstaltung aus, um die Streuobstwiesen in ihrer Biodiversität zu erhalten und deren Besitzern einen Anreiz zu geben, ihre Produkte wie Apfelwein und Apfelsaft zu verwerten«, erklärt Ulrike Loos vom BUND. Die Stadt Karben habe Streuobstwiesen mit über 2000 Bäumen verpachtet. Selbst keltern sei die beste Art des Naturschutzes. Zum Wettbewerb bringen die Hobbykelterer je zwei Liter ihres Apfelweins in neutralen Flaschen mit. Diese werden nummeriert. Aufgabe aller Teilnehmer ist es, die Proben nach Farbe, Geschmack und Geruch zu bewertet. Die Probe mit der höchsten Punktzahl gewinnt. Den Sieg heimste in diesem Jahr Hans-Jürgen Theis aus Nidderau ein, gefolgt von Anke und Volker Behrens (Karben) sowie Jörg Huttera aus Burg-Gräfenrode.

Es gehe um Spaß an der Freude und um die Ehre. Friedrich Roth aus Groß-Karben hat keine eigene Streuobstwiese. Er holt »den Süßen« in einer Kelterei im Main-Kinzig-Kreis und setzt ihn an. Diese Essenz beinhaltet außer Äpfeln oft auch Birnen, Quitten und Speierlinge. Erstmals hat Roth vor fünf Jahren am Wettbewerb teilgenommen und siegte damals. »Es macht Spaß und motiviert. Verschiedene Apfelweine können probiert werden«, sagt Roth. Trotz der vielen Geschmackserlebnisse im Glas, hätten Teilnehmer schon ihren eigenen Schoppen herausgeschmeckt. Roth erinnert an die zweite Dortelweiler Apfelweinverkostung am 4. Mai in der Straußwirtschaft Neues Dorf in Dortelweil. »Später im Jahr hat der Apfelwein einen anderen Charakter«, sagt Roth, der nach dem Apfelweingenuss in kleinen Schlucken den Nachhauseweg zu Fuß antritt.

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