25. Januar 2018, 14:00 Uhr

Am Limit

Angehörige von Pflegebedürftien oft überfordert

Der Ambulante Pflegedienst des Arbeiter-Samariter-Bundes in Karben hat kranke und pflegebedürftige Menschen als Kunden. Aber immer häufiger muss er sich auch um die Angehörigen kümmern.
25. Januar 2018, 14:00 Uhr
Um die Betreuung von Pflegebedürftigen zu Hause geht es dem Arbeiter-Samariter-Bund ebenso wie um die Beratung der Angehörigen. (Symbolfoto: dpa)

Putzen, waschen, bügeln, kochen, zudem die kranken Angehörigen zu Hause pflegen – und das alles neben der normalen Berufstätigkeit. Das wird immer mehr Angehörigen zu viel. Deshalb benötigen sie Hilfe. In Karben und Nidderau ist dafür der Ambulante Pflegedienst des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) zuständig. Zunächst gilt die Zuwendung der insgesamt 55 Mitarbeiterinnen des Ambulanten Dienstes den kranken und hochbetagten Menschen. Das Spektrum der Tätigkeiten ist breit gefächert: Häufig gehe es einfach nur um eine Flüssigkeits- oder Medikamentengabe, aber manchmal auch um die Versorgung chronisch großer Wunden, umreißen ASB-Pflegedienstleiterin Birgit Kittner-Meier und Ursula Wiesner, gerontopsychiatrische Beauftragte beim ASB, die Aufgaben. 355 Kunden versorgt der Ambulante Dienst in Karben, Nidderau, Schöneck und Niederdorfelden. »Der Großteil der Patienten ist hochbetagt, aber wir haben auch etliche ab 40 Jahre. Und die psychiatrischen Erkrankungen nehmen stark zu«, informiert Wiesner. Inzwischen betreue man auch einige traumatisierte Flüchtlinge.

Neben der Versorgung der eigentlich Bedürftigen geht es dem ASB auch um die Angehörigen. Hier steigen die Fälle von Überforderung. Die Verantwortlichen beklagen, dass die Angehörigen sich zu spät an den ASB wenden. »Die Angehörigen sind oftmals am Limit«, wissen Wiesner und Kittner-Meier. Das liege nicht nur daran, dass sie sich zu viel zumuten, sondern auch daran, dass sich vorher nicht informiert hätten. »Die Beratung der Angehörigen liegt uns am Herzen.« Damit müsse früh begonnen werden, denn häufig würde das Thema Pflege »weggeschoben«. Dagegen will der Ambulante Dienst des ASB nun arbeiten. Deshalb hat er ein Jahresprogramm mit vielfältigen Informationen rund um die Pflege zusammengestellt. Das ist keine Premiere, denn schon im vergangenen Jahr hatte man diverse Vorträge angeboten, die allerdings nicht gut besucht gewesen seien. 60, höchstens 70 Interessierte seien gekommen. Das Jahresprogramm enthält unter anderem Vorträge zum Thema Demenz, zur Frage »Pflegebedürftig – was nun?«, zu Notrufsystemen, Rollatoren, Wohnen im Alter und zur ausgewogenen Ernährung im Alter. Aber auch das Thema Tod wird nicht ausgeklammert: Im November wird die Hospizhilfe Karben dort zu Gast sein und über ihre Arbeit berichten. Alle Veranstaltungen seien öffentlich und kostenfrei, betonen die beiden Initiatorinnen. Außer den Vorträgen gibt es regelmäßige Angebote, etwa den Angehörigen-Gesprächskreis immer am letzten Montag im Monat sowie am letzten Mittwoch eines Monats zum Thema »Heben und Transfer – praktische Tipps und Übungen«.

Des Weiteren weist der ASB darauf hin, dass die Ambulante Pflege durch eine Tagespflege und eine stationäre Pflege ergänzt werde. »Auch die Tagespflege dient dazu, die Angehörigen etwas zu entlasten«, sagen die Verantwortlichen.

Ansonsten versuche man »Hand in Hand mit den Angehörigen« die Betreuung von kranken Menschen und Senioren zu bewältigen. Personell habe man ausreichend Kapazitäten, sagt die Pflegedienstleiterin. »Allerdings wirkt sich der Fachkräftemangel in der Pflege auch bei uns aus. Wir erhalten keinerlei Bewerbungen mehr. Wir müssen noch an Agenturen Geld zahlen, um eine Fachkraft zu bekommen.« Die Verantwortlichen führen das auf das schlechte Image des Berufs zurück und auf die häufig nicht gute Bezahlung. Beim ASB werde nach Tarif bezahlt, zudem gebe es ein 13. Gehalt und Urlaubsgeld. »Und wir bilden intensiv aus«, sagen Wiesner und Kittner-Meier. Vielleicht sind das doch Anreize für junge Leute.

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