15. September 2019, 20:47 Uhr

Auch im hohen Alter noch fit

Der Freitagabend ist für die meisten wohl eher einer fauler Abend. Die Arbeitswoche klingt meist vor dem Fernseher oder bei einem Essen im Lokal aus. Nicht so bei Eberhard Schnalke. Der Rendeler geht zum Turnen und stählt dabei seinen Körper. Das Besondere daran: Der Mann ist gerade 90 Jahre alt geworden und fit wie ein Turnschuh.
15. September 2019, 20:47 Uhr
Sport statt Fernsehen: Eberhard Schnalke (mit Medizinball) und seine Kameraden vom TV Rendel trainieren lieber. (Foto: Privat)

Auf die Freitagabende freut einer sich ganz besonders. Aber nicht etwa, weil er im Fernsehen Krimis oder Talkshows anschaut, sondern weil Eberhard Schnalke dann in die örtliche Sporthalle läuft. Er geht mit großer Freude in seine Freitagsgymnastik, die vom Turnverein Rendel angeboten wird. Ab 20 Uhr macht er mit seinen Kollegen Gymnastik, »dann spielen wir eine Stunde Prellball«. »Fernsehen ist für mich zweitrangig, ich mache lieber Sport«, sagt der 90-Jährige.

Dass Eberhard Schnalke, den sie im Verein nur Ebi rufen, gerade sein neuntes Lebensjahrzehnt vollendet hat, sieht man ihm kaum an. Mit festem Händedruck begrüßt er den Zeitungsreporter und geht schnellen Schrittes und mit sicherem Gang voran ins Wohnzimmer. Dort sitzt schon seine Frau, die, wie sich später herausstellt, ebenfalls sehr sportlich ist.

»Als Kinder haben wir schon Sport gemacht, sind Ski gelaufen«, blickt der fitte Senior zurück. Schon mit 13 Jahren habe er bei der DLRG den Rettungsschwimmerschein gemacht. Außerdem war er als Jugendlicher viel mit dem Rad unterwegs. Die Gitarre auf dem Rücken, ist er zu seinen Musikauftritten geradelt.

Auch seine Frau Irmgard war schon als Jugendliche sportlich, turnte ausgesprochen gerne. Beide mussten in die Hitler-Jugend. »Da war von 1940 bis 1945 ebenfalls Sport angesagt«, erinnert sich Schnalke. Danach war aber »zunächst Funkstille mit Sport«, wie er sagt. Denn zunächst galt es, eine Berufsausbildung zu machen. 1948 kam der gelernte Schreiner aus seinem Geburtsort Zittau ins hessische Schwarzenborn. Seiner Freundin, die er schon mit 17 Jahren kennengelernt hatte, schrieb er immer Briefe. Im Jahr 1952 wurde dann aber geheiratet. 1965 kamen beide nach Rendel, wo sie ein Haus gebaut haben. In dem heutigen Karbener Stadtteil waren sie naturgemäß fremd. »Aber weil wir Leute kennenlernen wollten, sind wir in den Turnverein gegangen.«

Und prompt ging es wieder los mit dem Sport. »Wir waren alle um die 40 Jahre alt«, erinnert sich Schnalke. Es gab noch keine Turnhalle, und so wurde im Saal der damaligen Gaststätte Schneider geturnt. Der Fußboden war aus Holz, und beim Sitzen machte der eine oder andere Bekanntschaft mit Splittern. Matten, Bock, Pferd und die anderen Geräte lagerten unter dem Boden der Bühne. »Doch was soll’s, so haben wir gedacht. Es wird trotzdem Sport gemacht!«.

Sportabzeichen mit 81 Jahren

Auch die sanitären Anlagen waren damals noch kaum vorhanden. Nach dem Sport haben sich die Aktiven kurz an einem Handwaschbecken frisch gemacht. Dann ging es zum gemütlichen Teil in die Gaststätte, wo gespeist, gesungen und gelacht wurde.

Durch den Sport und auch den Ansporn von seinem Schwiegersohn hat Eberhard Schnalke etwas gemacht, was nur wenige in seinem Alter wagen, die Sportabzeichenprüfungen absolviert. Er war stolze 81 Jahre, als er das Sportabzeichen in Bronze abgelegt hat. Dazu gehörten immerhin Weitsprung aus dem Stand, einmal 50 und einmal 100 Meter schwimmen sowie 3000 Meter laufen. Daran erinnert er sich noch besonders: »Mein Schwiegersohn ist mitgelaufen und hat mich quasi mitgezogen«, sagt Eberhard Schnalke. »Es macht auch nichts, wenn Du ein paar Schritte gehst«, habe er gesagt. Die geforderte Zeit habe er dann aber gut geschafft. Und Schnalke trainiert weiterhin mehrfach die Woche unermüdlich weiter: Beim TV Rendel turnt er jeden Montag früh in der gemischten Gymnastikgruppe, alle zwei bis drei Wochen wandert er mit der Wandergruppe des Vereins am Sonntag eine ordentlichen Strecke von zehn bis zwölf Kilometern. Denn das Wandern ist seine Leidenschaft, und auch die seiner Frau. »Unsere Urlaube haben wir in den Bergen verbracht, wir kamen schließlich aus dem Gebirge«, betont Irmgard Schnalke.

Besonderes Vergnügen bereitet dem 90-Jährigen sein Freitagstraining in der Männerfitnessgruppe. Hier trainiert er nicht nur seine Beweglichkeit und Koordination, sondern stählt seinen Körper mit Kräftigungsübungen wie etwa Zirkeltraining, mit Gewichten, Medizinball und Pezziball. Dabei habe er jede Menge Spaß, erzählt TVR-Übungsleiterin Kirstin Gerke. Einmal pro Woche reicht ihm nicht. Auch montags geht er zum Turnen: »Da bin ich Hahn im Korb mit 20 Frauen«, schmunzelt er.

Daneben steigt er mittwochs aufs Fahrrad. »Mittwochsabends radeln wir 20 bis 30 Kilometer«, betont die Rendeler Sportkanone. Zehn Jahre lang sei er pro Jahr rund 500 Kilometer mit dem Rad gefahren, damals noch ohne Hilfsmotor. »Wir sind an Weser, Saale, Elbe, Oder und an der Ostsee entlanggeradelt«, betont er. Der 90-Jährige will auch weiterhin auf zwei Rädern in der Natur unterwegs sein. »Aber jetzt habe ich mir doch ein E-Bike gekauft«, erzählt er schmunzelnd.

Bei all den sportlichen Aktivitäten in hohem Alter fragt sich manch einer schon, wie es um die Gesundheit steht. »Ich war in meinem ganzen Leben eine Woche im Krankenhaus«, sagt er nicht ohne Stolz. Schnalkes Lebensstil scheint also zur Nachahmung empfohlen.

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