02. Juni 2018, 06:00 Uhr

Neue Details

Bad Vilbeler Cannabis-Haus von Ermittlern lange observiert

Die Auswertung der Spuren, die im Cannabis-Haus Parkstraße 18 in Bad Vilbel gesichert wurden, ist angelaufen. Das hat die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt, Nadja Niesen, mitgeteilt. Es gibt neue Details in dem Fall.
02. Juni 2018, 06:00 Uhr
Die Eingangstür zu dem Haus in der Parkstraße ist versiegelt. (Fotos: pe)

Wie berichtet, hatten drei Verdächtige, der Hauseigentümer und zwei weitere Männer, in dem Haus über alle Etagen eine große Cannabis-Plantage mit mehreren Tausend Pflanzen angelegt. Offensichtlich sind diese Pflanzen sehr ertragreich gewesen. Dem Vernehmen nach soll es bereits drei Ernten von je 100 Kilo Rauschgift gegeben haben. Geschätzter Marktwert: je 1,3 Millionen Euro.

Dem Polizeieinsatz gingen monatelange Ermittlungen voraus, ausgelöst durch einen anonymen Hinweis. »Nach dem Eingang der anonymen Nachricht sind die üblichen polizeilichen Maßnahmen angelaufen«, sagte LKA-Sprecher Christoph Schulte. Welche Maßnahmen genau ergriffen wurden, wollte er nicht sagen. Er dementierte aber nicht, dass Zivilfahnder die Villa observiert haben. Das geschah höchstwahrscheinlich vom angrenzenden Kurpark her durch Kripo-Beamte in Zivil als Spaziergänger. Offenbar war die Kriminalpolizei auch mit Zivilfahrzeugen in der Parkstraße unterwegs.

 

Strenger Geruch

 

Die drei Männer stehen im Verdacht, über einen längeren Zeitraum Pflanzen zur Rauschgiftgewinnung gezüchtet zu haben. Dies geschah mit einem ausgeklügelten System aus Beleuchtung, Belüftung und Bewässerung. Das benötigt naturgemäß jede Menge Strom. Weil der hohe Stromverbrauch den Stadtwerken nicht auffallen sollte, griffen die mutmaßlichen Täter zu einem Trick: Sie zwackten den Strom vom öffentlichen Netz ab. Stadtwerke-Chef Klaus Minkel lässt gerade den voraussichtlichen Verbrauch errechnen. Die Rechnung will er dann dem Hauseigentümer zukommen lassen, wie er sagte. Ob der jedoch zahlen kann, steht in den Sternen. Es hängt auch vom weiteren Verfahren ab, ob die Villa in der Parkstraße ins Eigentum des Staates fällt.

 

Nachbarn werden befragt

 

Nachdem am Donnerstag zunächst die Pflanzen entfernt wurden – mit einem Lkw sowie einem Wagen mit Anhänger – wurde am Freitag dann das übrige Mobiliar, wie Lampen, Lüfter und Zuleitungen, sichergestellt. Dazu musste die Parkstraße mehrmals gesperrt werden. Laut Niesen wurde »alles ausgeräumt und das Haus von der Polizei versiegelt«. Ein Richter schickte die drei Männer in Untersuchungshaft.

Zu den Vorgängen in der Parkstraße werden im Zuge der Ermittlungen demnächst auch die Nachbarn befragt. Gesehen haben sie wohl nichts, denn die Fenster waren komplett verschlossen und mit dicken Vorhängen gegen Tageslichteinfall versehen. Nur ein Nachbar will einen »merkwürdigen Geruch« wahrgenommen haben. »An Pfingsten hat es besonders stark gestunken«, sagte er zur WZ. Zwei Tage später griff die Polizei zu.

Info

Bad Vilbel und das Marihuana

Dass Bad Vilbel im Zusammenhang mit einer Marihuana-Plantage genannt wird, ist nicht ganz neu. Im April 2009 fahndete die Polizei öffentlich mit Haftbefehl nach einem 35-jährigen Bad Vilbeler, der offenbar in Mühlheim am Main eine Marihuana-Plantage betrieb. Wie ein Artikel im Zeitungsarchiv ausweist, führte die Spur zunächst nach Oberursel, wo Kripobeamte zwölf Kilo Haschisch und Be- und Verarbeitungsmaterial sowie eine geladene Schusswaffe gefunden hatten. Dabei fielen den Beamten auch Unterlagen zum Betrieb eines Gewächshauses in die Hände. Danach durchsuchte die Polizei eine 214 Quadratmeter große Lagerhalle in Mühlheim. Zwar waren die Pflanzen bereits abgeerntet, jedoch konnten Reste und Behälter gefunden werden, die eine Hochrechnung auf 3000 Pflanzen zuließen. (pe)

 

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