07. August 2019, 11:00 Uhr

Festspiele Bad Vilbel

Bad Vilbeler Festspiele: Jetzt steht der Lichttechniker mal im Rampenlicht

Der lichttechnische Leiter Jan Krieger hat eine wichtige Aufgabe. Das ist den wenigsten Zuschauern bewusst. Die Schauspieler wissen aber genau, warum sie sich nach der Aufführung bei ihm bedanken.
07. August 2019, 11:00 Uhr
Jan Krieger an seinem Arbeitsplatz: Der lichttechnische Leiter choreografiert die Bühnenbeleuchtung bei den Burgfestspielen. Eine wichtige Aufgabe, obwohl das nur den wenigsten Zuschauern bewusst ist. Die Schauspieler wissen aber genau, warum sie sich nach der Aufführung bei dem Techniker bedanken. (Foto: eeb)

gefällt mir besonders gut, weil man oft improvisieren muss, um den Wünschen des Bühnenbildners und des Regisseurs gerecht zu werden«, sagt Jan Krieger. Die Festspiele seien gut ausgestattet. Aber wenn Vorstellungen bei Tageslicht stattfänden, müsse man sich bei der Beleuchtung etwas einfallen lassen.

Oder anders ausgedrückt: »Dann müssen wir einfach mehr Gas geben«, der Technische Leiter, der seit zwei Jahren die Bühne auf der Wasserburg ins rechte Licht rückt. Wolle man beispielsweise eine Szene blau beleuchten, brauche man dort deutlich mehr Strahlkraft als in geschlossenen Theatersälen. Teilweise habe er schon 20 Scheinwerfer gleichzeitig eingesetzt.

Für Krieger ist das keine Belastung, ganz im Gegenteil. Seiner Meinung nach fördert es den Teamgeist der »Beleuchtungsmannschaft«. Dazu muss man wissen, dass er und weitere drei Kollegen jede Vorstellung in der Burg beleuchten, und das sind in einer Saison immerhin rund 230. »Nur bei Aufführungen im Theaterkeller sind wir nicht offiziell dabei«, erklärt der Chef. » Wenn der Kollege aber mal einen Tipp braucht, schauen wir uns auch die entsprechenden Proben an.«

Arbeit beginnt lange vor Saisonstart

Die Arbeit von Jan Krieger beginnt lange vor dem Saisonstart. Sobald er weiß, welche Stücke auf ihn zukommen, sucht er sich nach Inspirationsquellen in Literatur, Medien oder anderen Inszenierungen. »Ich besuche dann auch Aufführungen, und analysiere, welche Lichteffekte perfekt, gut oder gar nicht rüberkommen«, erzählt er. »Und dann schreibe ich unser Drehbuch fürs Licht.«

In der Regel ist Krieger bei drei Proben dabei, spätestens dann wenn es für die Darsteller auf der Wasserburg geht. Oft auch vorher, um die Szenen zu analysieren. Drei bis vier Nächte sind die Lichttechniker bis in die frühen Morgenstunden mit der Beleuchtungsprobe beschäftigt. »Bei Shakespeare in Love« konnten wir erst um 6.30 Uhr morgens Feierabend machen«, sagt Krieger. Aber was sagt die Familie zu solchen Arbeitszeiten? »Meine Frau unterstützt mich sehr und als Ausgleich für die Abend- oder Nachtarbeit bin ich dafür morgens länger zu Hause. Es ist alles eine Sache der Einstellung und der Flexibilität.«

Zuschauer sensibilisieren

Jan Krieger arbeitet eng mit den Regieteams zusammen. »Mit den Schauspielern kommen wir oft erst richtig nach der Premiere zusammen«, sagt er. Dann sei es aber schön, wenn man spüre, dass man ein wichtiges Teil der Inszenierung ist. »Wenn man so wie wir Beleuchter mehr oder minder im Hintergrund sitzt, freut man sich über jede Wertschätzung« sagt er. Da sei der Fingerzeig auf die Beleuchtung, wenn die Darsteller sich ihren Applaus abholen oder der persönliche Austausch mit dem Publikum nach der Premiere. Krieger: »Auch der Dank seitens der Regisseure macht uns stolz.« Der Lichtmeister empfindet aber auch die Anerkennung durch Intendant Claus-Günther Kunzmann als etwas Besonderes. »Er organisiert jede Spielzeit ein Treffen mit allen Mitarbeitern der Burgfestspiele. Das ist sehr schön. Ganz besonders, wenn man während der Spielzeit hinter der Bühne steht.«

Er findet auch den von Claus-Günther Kunzmann angebotenen »Blick hinter die Kulissen« toll. »Viele Zuschauer wissen gar nicht, wie viel Herzblut auch hinter den Kulissen reingesteckt wird. Ich kann das nur empfehlen. Das Schauspiel, die Musicals oder die sonstigen Vorstellungen haben viele Dimensionen, vor, auf und hinter der Bühne.«

Krieger wünscht sich mehr Reaktionen des Publikums

Alles in allem würde Krieger sich wünschen, dass das Publikum etwas mehr auf die eigene Stimmung oder Veränderung der Stimmung während eines Stückes achtet und dass die Zuschauer auch auf eine Veränderung der Lichtverhältnisse reagieren. »Oft wird das gar nicht oder nur unterbewusst wahrgenommen. Das ist gut so, denn durchs Licht kann man in einigen Szenen eine entsprechende Stimmung modulieren«.

Dies sei beispielsweise bei Shakespeare in Love der Fall gewesen, und zwar bei der Szene als Lord Wessex Julia im Schlafgemach besucht. Diese erwidert seine Liebe jedoch nicht. »Da haben entsprechend der Nacht und der düsteren Stimmung für kaltweißes Licht gesorgt, das war ein toller Effekt.«

Vier Fragen an Jan Krieger

Wie sieht Ihre Beleuchtung zu Hause aus?

Jan Krieger: Ich denke immer »wie bei anderen auch«, merke aber, dass ich oft etwas detaillierter oder akzentuierter denke. Dann bekommt ein Bild etwa einen eigenen Spot. Zur Entspannung abends auf der Couch mag ich am liebsten viele kleine Lichter. Anders ist es beim Arbeiten am Schreibtisch, da muss es hell sein und ich brauche oft mehr Licht als andere.

Was sind Ihre Lieblingseffekte beim Design?

Krieger: Ich versuche viel mit unterschiedlichen Effekten zu arbeiten und nicht allzu häufig gleiche Stilmittel beziehungsweise Beleuchtungselemente einzusetzen. Aber auch ich habe meine Vorlieben und mir fällt manchmal eine »Handschrift« auf, beispielsweise ein enger Spot von hinten, wenn es »intimere« Szenen geht.

Was ist ihr schönstes Bühnenerlebnis?

Krieger: Als mich die zwei (damals noch lebenden) »The Doors« mit auf Europa- und Russland-Tour mitnahmen. Und mein Vater leuchtende Augen bekam und endlich begriffen hat, was sein Sohn eigentlich arbeitet.

Was ist die größte Herausforderung?

Krieger: Das erkenne ich meistens erst, wenn sie an mir vorüber gegangen sind. Häufig ist es das Zusammenbringen von Ideen und Vorstellungen eines Regisseurs in die technische Umsetzung. Das gilt auch für Events, die nicht in der Burg stattfinden.

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