07. September 2017, 17:00 Uhr

Speierling

Beliebte Beere für den Äppelwoi

Bereits die Römer liebten die Früchte des Speierlings. In Karben hat Speierling-Papst Heiko Fischer über die Beere informiert. Im Gepäck hatte er nicht nur Köstlichkeiten, sondern auch eine Warnung.
07. September 2017, 17:00 Uhr
Die Speierlingsfrüchte vom »Ockstädter Riesen« (im Körbchen) wirken trotz ihres Namens im Vergleich zu den Apfelsorten Jonagold und Jakob Frisch winzig. (Fotos: jsl)

Bereits die Römer liebten die Früchte des Speierlings. Mit der Ausdehnung ihres Reiches in die Gebiete nördlich der Alpen fand auch eine erste Verbreitung dieses Wildobstbaumes bis in unsere Gegend statt. Im Mittelalter galt das Obst als wichtiges Nahrungsmittel und wurde zum Fruchtgewinn kultiviert.

Obwohl sich der Speierling (lateinisch Sorbus domestica) als Zutat für den hessischen Apfelwein nach wie vor großer Beliebtheit erfreut, ist der Baumbestand insgesamt rückläufig. Der Baum, dessen Früchte wie Birnen oder Äpfel im Miniformat aussehen, zählt schon länger zu den seltensten Gehölzarten in Deutschland. In Hessen gibt es noch ca. 500 Speierlingsbäume, viele davon sind an die 100 Jahre alt.

 

47 alte und 100 junge Speierlinge

 

In Kronberg im Taunus stehen 47 alte und 100 junge Speierlinge. Von dort kam am vergangenen Dienstag ein ausgewiesener Experte in die Rapps-Juice-Factory nach Karben, um über Anpflanzung, Pflege und Erzeugnisse des Baumes zu informieren. Speierlingspapst Heiko Fischer, wie ihn die IG Streuobst Karben nennt, hatte den 15 interessierten Zuhörinnen und Zuhörern viel zu erzählen.

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Anke Behrens hat in Häppchen Speierlingbrot angerichtet.

Welcher Obst-Laie weiß denn schon, dass sich hinter dem »Riesen von Sossenheim« und dem »Dicken von Ockstadt« Speierlingsorten verbergen? Wer kennt den süß-säuerlichen Geschmack von Speierlingsmarmelade und Speierlingsbrot? Und wer würde vermuten, dass das Holz des Wildbaumes im Wasser untergeht, weil es so schwer ist? Einen Kurs in Pomologie musste man nicht absolviert haben, um die Ausführungen Fischers zu verstehen.

Der erste Vorsitzende des Kronberger Obst-und Gartenbauvereins referierte locker, amüsant und doch mit großem Sachverstand. Zur Auflockerung seines Vortrags hatte er verschiedene Speierlinge, Schaustücke aus Holz, selbstgemachte Marmelade, Appelwoi und »sein« Speierlingsbrot aus dem Taunus mitgebracht.

 

Nicht mehr als fünf Prozent Speierling im Äppelwoi

 

Anke Behrens von der IG Streuobst war hinter der Theke eifrig mit dem Anrichten der kleinen Köstlichkeiten beschäftigt, bevor sie am Tisch die Runde machten. »Wir sind dankbar, dass Rapps unserem Verein heute Abend die Juice Factory zur Verfügung stellt«, freute sie sich. »Natürlich hat aber auch die Firma Rapps Interesse an der Vorstellung von Apfelweinzutaten und heimischen Obstsorten.«

Ihr Ehemann Volker Behrens ist der erste Vorsitzende der IG Streuobst Karben. Der Speierling gebe dem Apfelwein Rückgrat und kläre ihn auf, aber mehr als fünf Prozent am Inhalt eines Schoppens mache er nicht aus, erklärte der Obstexperte. »15 bis 20 Bäume stehen auf den Streuobstwiesen rund um Karben, die meisten am Selzerbachweg. Leider scheint die Frucht auszusterben, weil sie sehr mühsam geerntet werden muss. Sie ist eben eine Beerenart und mit einem normalen Apfel nicht vergleichbar«, sagte Behrens.

Speierlingpapst Heiko Fischer
Speierlingpapst Heiko Fischer während seines Vortrags. (Foto: jsl)

Der Vortrag war der erste seiner Art, weitere sollen in Zukunft noch folgen. Es gehe nämlich auch um Marketing. Die Bewirtschaftung der Wiesen sei zeitaufwendig und erfolge rein ehrenamtlich, sagte Behrens weiter. Für jede neue Unterstützung sei der Verein dankbar. (jsl)

Info

Drei Fragen an den Speierlingpapst Heiko Fischer

Wie kamen Sie zum Speierling? Heiko Fischer: Anfang der 90er Jahre wurde ich vom Speierling infiziert. Der Bestand in Kronberg war vom Niedergang bedroht. Da begann ich mich zu kümmern. Worauf kommt es bei der Pflege an? Fischer: Wie bei anderen Bäumen auch sind die Schnittmaßnahmen wichtig. Obwohl Wildobst normalerweise nicht geschnitten wird, muss das Totholz vom Baum entfernt werden. Und was passiert mit dem Holz? Fischer: Es wird in der Holzverarbeitung genutzt. Allerdings ist das Holz des Feldspeierlings nicht so gut, weil der Baum, im Gegensatz zum Waldspeierling, frei im Wind steht und seine Äste schneller reißen. (jsl)

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