19. August 2019, 20:41 Uhr

Damit sich alle sicherer fühlen

Seit einem Dreivierteljahr ist Holger Götzmann der starke Mann der Polizei Bad Vilbel. Als Dienststellenleiter hat er gleich ein Prestigeprojekt mitgebracht: Er will Bad Vilbel ins Kommunalprogramm Sicherheitssiegel, kurz »Kompass«, bringen. Ein Gespräch darüber, was er sich von diesem Schritt erhofft und wie den Ganoven bis dahin Einhalt geboten wird.
19. August 2019, 20:41 Uhr
Er sagt, dass Bad Vilbel im Grunde eine sichere Stadt sei. Nach dem Hessentag will Dienststellenleiter Holger Götzmann aber trotzdem das Polizeiprogramm »Kompass« in die Quellenstadt holen. So will er beispielsweise Kriminalitätsschwerpunkte ausmachen. (Foto: ags)

Bei Ihrem Amtsantritt haben Sie betont, Bad Vilbel sei eine sichere Stadt ohne große Kriminalitätsprobleme. Sehen Sie das noch immer so?

Holger Götzmann: Ja. Ich bin schon ein Stück weit überrascht. Wegen der Nähe zu Frankfurt könnte man meinen, dass die Kriminalität nach Bad Vilbel herüberschwappt. Aber das ist nicht der Fall.

Wie spiegelt sich die gute Sicherheitslage in der Polizeistatistik wieder?

Götzmann: Es gibt in Bad Vilbel relativ wenige Fälle, bei denen es um die körperliche Unversehrtheit geht, wie beispielsweise Körperverletzung. Das war in meiner alten in Dienststelle in Büdingen anders. In Bad Vilbel haben wir dafür im Schnitt ein wenig mehr Eigentumsdelikte, vor allem Einbrüche und Fahrraddiebstähle. Aber auch hier ist das Niveau insgesamt recht niedrig und weiter rückläufig.

Dennoch haben Sie vorgeschlagen, dass Bad Vilbel an »Kompass« teilnehmen soll, einem Landesprogramm für kommunale Sicherheit. Erklären Sie doch kurz, was dahinter steckt.

Götzmann: Die Idee ist, die Kommune eng mit der Polizei zu verzahnen. Aber vor allem - und das ist einzigartig - werden die Bürger eingebunden. Es wird analysiert, wie die Sicherheitslage in einer Stadt ist, nicht nur was die harten Zahlen der Polizeistatistik angeht, sondern auch das Sicherheitsgefühl der Bürger.

Wie genau läuft das ab?

Götzmann: »Kompass« hat vier Säulen. Zur ersten gehört, dass wir mit den Fachdienststellen der Polizei sprechen, etwa um herauszufinden, ob es Intensivtäter gibt und für welche Straftaten die gut sind. Die Stadt liefert außerdem eine Auswertung zum Beschwerdeverhalten der Bürger. Und wir werten die Statistiken zur Kriminalität aus. Auch solche die zeigen, wann wo welche Straftat vorgekommen ist. Diese Voranalyse habe ich schon gemacht.

Was ist bei Ihrer Voranalyse herausgekommen?

Götzmann: Ich habe eine Liste mit den zehn unsichersten Straßen in Bad Vilbel erstellt und mir angesehen, zur welcher Uhrzeit am häufigsten Verbrechen passieren. Das ist beispielsweise relevant für die Einteilung unserer Polizeistreifen. Über die Ergebnisse werde ich aber erst sprechen können, sobald es tatsächlich mit dem »Kompass«-Prozess losgeht.

Wie geht es nun weiter?

Götzmann: Die zweite Säule ist eine Bürgerbefragung, die die Uni Gießen für uns macht. Die dritte Säule ist eine Vor-Ort-Befragung. Und die vierte Säule sind die Sicherheitskonferenzen, bei denen rund zwanzig ausgewählte Vertreter kommunaler Institutionen wie Feuerwehr, ÖPNV oder Flüchtlingshilfe erzählen, wie sich die Sicherheitslage in ihren Bereich darstellt.

Was folgt aus dieser Analyse?

Götzmann: Gemeinsam mit der Sicherheitskonferenz überlegen wir uns passgenaue Maßnahmen, die die Sicherheitslage in der Kommune verbessern könnten. Das können zum Beispiel bauliche Änderungen sein. Ich denke da an die Bahnunterführung in Dortelweil. Dort könnten Lampen angebracht oder Hecken zugeschnitten werden, um den Leuten ein besseres Gefühl zu geben. Es gibt einen »Kompass«-Katalog mit 30 verschiedenen Maßnahmen, der ständig ergänzt wird. Denkbar sind etwa vermehrte Polizeistreifen an bestimmten Örtlichkeiten, zusätzliche Videoüberwachung oder ein Schutzmann vor Ort.

Gibt es für die Maßnahmen Geld vom Land?

Götzmann: Ja, es gibt eine Förderung. Der Umfang ist abhängig von der Maßnahme. Videoüberwachung wird beispielsweise besonders gefördert. Und für den Schutzmann vor Ort werden neue Stellen geschaffen.

Wenn Bad Vilbel so sicher ist, wie sie sagen, warum braucht es »Kompass« dann überhaupt?

Götzmann: »Kompass« macht der Polizei die Arbeit leichter und die Kommune noch sicherer. Es ist die einzige Chance, die ich kenne, die Bürger direkt mit ins Boot zu holen. Die Sicht der Bürger ist ja oft eine ganz andere als die der Polizei. Wenn bei der Bürgerbefragung herauskäme, dass es keinen Brennpunkt gibt, ist das auch eine wichtige Aussage. Wir bekommen einen guten Gesamtüberblick über die Sicherheitslage. Und in fünf Jahren können wir evaluieren, welche Maßnahmen gewirkt haben und welche nicht.

Wie weit sind Sie in den Planungen für Vilbels Einstieg in die »Kompass«-Initiative?

Götzmann: Wir haben mit der Stadt abgesprochen, dass Vilbel erst nach dem Hessentag 2020 einsteigt. Der Einstieg braucht sowieso mehrere Monate Vorlaufzeit und nach dem Hessentag haben alle wieder genug Luft, um sich dem voll und ganz zu widmen.

Nun ziehen bis zum Hessentag ja noch einige Monate ins Land. Wie wollen Sie das Thema Sicherheit in Bad Vilbel bis dahin anpacken?

Götzmann: Wir haben in jedem Tag- und Nachtdienst mindestens eine Fußstreife draußen, es sei denn die Auftragslage ist so, dass sie das nicht zulässt. Wir zeigen sehr viel Präsenz. Und daran schließen sich natürlich auch Kontrollen an. Da ist zum Beispiel das Thema Drogen. An bestimmen Örtlichkeiten wird verstärkt kontrolliert.

Wo haben Sie solche auffälligen Örtlichkeiten ausgemacht?

Götzmann: Am Verkehrsübungsplatz am Ritterweiher ist eine neue Bank aufgestellt worden, da sind abends immer mal Jugendliche, die da auch ihren Müll hinterlassen. Das wäre so eine Örtlichkeit. Dann haben wir in der Homburger Straße ein Wasserhäuschen. Am Parkplatz dort, wurde uns gesagt, sei möglicherweise auch ein Drogenumschlagplatz. Außerdem treiben sich an der Nidda im Kurpark und an der Mulde beim FFH-Parkplatz immer mal wieder Leute herum, die Drogen verticken. Wir sprechen da aber von weichen Drogen. Marihuana ist sehr verbreitet.

Was wollen Sie damit bewirken?

Götzmann: Wir wollen abschrecken. Teilweise auch verdrängen. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen wissen wir, dass Verdrängung ein Effekt ist, der gewollt ist, weil bestehende Gruppierungen dadurch auch teilweise zerschlagen werden.

Wie laufen die Vorbereitungen für den Hessentag?

Götzmann: Seit Mittwoch ist unser Polizeihauptkommissar Oliver Peekhaus beim Vorbereitungsteam in Friedberg. Gespräche zum Sicherheitskonzept gibt es schon zwei Jahre, jetzt wird es sehr konkret. Die Kollegen waren in Bad Hersfeld und haben sich den Hessentag dort angesehen. Jetzt geht es darum, in Bad Vilbel den idealen Ort für die Hessentags-Wache zu finden.

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