15. August 2019, 21:02 Uhr

Die Bühne ist seine Leidenschaft

Dieter Hombach wirkt seit acht Jahren für die Bad Vilbeler Burgfestspiele als Regie-Hospitant und seit drei Jahren als Statist mit. Er hat sich vor acht Jahren per E-Mail beworben und sicherheitshalber noch einmal angerufen. Es kam tatsächlich zu einem Vorstellungs- gespräch. Dass er heute diesen Aufgaben nachgehen kann, erstaunt ihn am meisten: »Ich dachte, die nehmen mich nie.«
15. August 2019, 21:02 Uhr
ENG
In der Bad Vilbeler Wasserburg fühlt sich Dieter Hombach so wohl, wie an kaum einen zweiten Ort. Der Regie-Hospitant liebt die Theaterluft. (Foto: Engels)

A cht Jahre ist es her, da stolperte Dieter Hombach über einen Zeitungsbericht: Gesucht wird ein Regie-Hospitant für die Burgfestspiele, stand darin zu lesen. »Warum nicht von Profis lernen?«, dachte sich der Theater-Enthusiast und bewarb sich. Und tatsächlich kam es zu einem Bewerbungsgespräch mit dem Intendanten Claus-Günther Kunzmann und Dramaturgin Angelika Zwack.

Dieter Hombach, ein erfolgreicher selbständiger Ingenieur, war beim Vorstellungsgespräch vor 8 Jahren schon 57 Jahre alt. »Beim Gespräch habe ich gemerkt, dass Frau Zwack und Herr Kunzmann dachten, wie schaufelt er sich Zeit für die Proben frei? Da wussten beide noch nicht, dass ich fürs Theater beziehungsweise fürs Schauspiel brenne.« Der Maintaler war überzeugt, dass er eine Absage kommt. Seine Frau Angi machte ihm trotzdem Mut. Und dann kam der ersehnte Anruf. »Ich wurde genommen, ich war so glücklich, dass ich als Regie-Hospitant dabei sein durfte«.

Eine Diktatur

Vor drei Jahren kam dann das Angebot, als Statist auf der Bühne zu stehen. »Da kann man eine Menge lernen und man ist auf der Bühne. Jeder Abend ist anders, ich genieße jede einzelne Sekunde.« Denn der Laienschauspieler liebt die Theaterluft und den entsprechenden Esprit vor und hinter der Bühne. Obwohl er als Ingenieur selbständig alle Entscheidungen trifft, hat er keine Probleme, bei den Burgfestspielen Befehlsempfänger zu sein.

»Theater ist nun einmal Diktatur. Als Statist muss man seine Rolle kennen und seine Aufgabe hinter und auf der Bühne zu hundert Prozent erfüllen. Und natürlich versuche ich auch, von den Schauspielern und der Regie immer wieder zu lernen. Deshalb bin ich für jeden Verbesserungsvorschlag dankbar«, erklärt Hombach.

Hochkonzentriert zu sein, das sei das Wichtigste auf der Bühne: »Die Profis sind locker, aber trotzdem sehr fokussiert und erwarten das auch von den Statisten«, betont der leidenschaftliche Statist, denn er hat selbst schon erlebt, was in der Eifer des Gefecht alles passieren kann. »Bei meinem Auftritt hatte ich nur wenig Zeit für einen Umzug. Schnelle Umzüge sind für mich immer eine große Herausforderung. Leider war die Hose zu groß und rutschte immer wieder herunter. Für ein Provisorium war aber keine Zeit mehr. Ich musste mit rutschender Hose auf die Bühne. Mit der einen Hand hielt ich die Hose fest und mit der anderen kletterte ich eine Leiter hoch. Es hat irgendwie geklappt, aber ich war immer etwas zu spät mit meinem Einsatz.«

Dieter Hombach liebt die Zusammenarbeit mit den Profischauspielern. »Alle Statisten werden wie Schauspieler behandelt. Ich lerne bei jeder Vorstellung dazu und genieße es, dass ich ein Teil des Ganzen bin.« So wünschte man ihm beispielsweise auch »Toi Toi Toi« vor seiner ersten Vorstellung. Er habe immer das Gefühl, im Team willkommen zu sein und das gelte auch für die, die im Hintergrund arbeiten. »Als Statist hat man natürlich auch Verantwortung. Man will es so gut wie möglich machen, aber auf der Bühne kann alles passieren. Damit muss man natürlich auch umgehen können.«

Zusammengewachsen

Dieter Hombach wird dieses Jahr 65, zu seiner Geburtstagsfeier wird er viele Kollegen von den Bad Vilbelern Burgfestspielen einladen: »Man wächst nach acht Jahren zusammen. Natürlich gibt es Wechsel, aber es gibt auch sehr viele Wiederholungstäter, die mit mir das Feuer für die Burgfestspiele teilen.«

Sein Zeitmanagement ist auf die Burgfestspiele abgestimmt. Er ist flexibel in Bezug auf seine Tätigkeit als Ingenieur. »Ich bin von 6 Uhr bis 9.30 Uhr am Schreibtisch, dann beginnen circa um 10 Uhr die Proben. Von 14 bis 18 Uhr bin ich wieder Ingenieur, danach wieder Regie-Hospitant, Statist oder Zuschauer.« Hombach liebt es, wenn er bei den Burgfestspielen dabei sein darf und seinen Theatervirus ausleben darf. Seine Frau Angi unterstützt ihn und ist so oft wie es geht auch als Zuschauerin dabei.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Burgfestspiele Bad Vilbel
  • Diktatur
  • Dramaturginnen und Dramaturgen
  • E-Mail
  • Hosen
  • Ingenieure
  • Leidenschaft
  • Vorstellungsgespräche
  • Zeitmanagement
  • Bad Vilbel
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 3 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.