08. Oktober 2017, 18:47 Uhr

Theatergemeinschaft

Ein Spiel mit der Angst

Die Theatergemeinschaft Petterweil führt ihr Publikum auf einer Zeitreise in das Reformationsjahr »1517«. Es geht um Aberglaube und Ablasshandel Die Kulisse haben KSS-Schüler gestaltet.
08. Oktober 2017, 18:47 Uhr
Gerne zahlt das Volk, wenn die Ablasshändler zur Kasse bitten. (Foto: Christine Fauerbach)

Seit Juli proben die über 40 Mitwirkenden mit Regisseurin Anne Georgio im Bürgerzentrum Petterweil das Theaterstück aus der Feder von Lilly Gress und Ulrike Schramm. Die historischen Kostüme für die beiden Aufführungen, vor denen jeweils ein Mittelaltermarkt stattfindet, haben sich die Laiendarsteller im Theaterfundus Frankfurt und im Kostümverleih Jansen besorgt.

Inzwischen sind die Bühnenkulissen für das Stück in drei Akten fertiggestellt. Hergestellt haben sie 26 Schüler des Leistungskurses Kunst an der Kurt-Schumacher-Schule. Rund 700 Stunden investierten die Schüler im Rahmen einer Projektarbeit unter Leitung ihres Kunstlehrers Jens Guthmann in die originalgetreue Nachbildung der Innenstadt Eisenachs. Sie projizierten alle Motive nach Originalvorlagen auf Leinwand, um sie anschließend farbig auszumalen. »Das hat viel Spaß gemacht«, sagt Jens Guthmann. Das Material für die Kulissen stellte die Karbener Firma Satis Fy zur Verfügung.

Fleißarbeit von Schülern
 

Dank der Fleißarbeit der Schüler können die Darsteller aus Karben und Umgebung jetzt vor der Kulisse der Innenstadt Eisenachs überragt von der Wartburg und »in der Lutherstube« proben. Die fiktive Handlung des Stückes spielt in Eisenach, wo Dr. Martin Luther (Thomas Hechler) Pfarrer ist. Von ihm wollen sich der Medizinstudent Matthias (Christoph Boeder) und seine Braut Anna (Frauke Schrage) trauen lassen.

 

Gnade oder Finanzprobleme?

 

Zur gleichen Zeit spielen der Ablasshändler und Dominikaner Ignatius (Tom Meusert) und der Schultheiß von Eisenach (Dr. Marcus Poggenpohl) mit der Angst der Menschen um ihr Schicksal in dieser Welt, vor allem aber um ihr Seelenheil im Leben nach dem Tod, von dem nahezu alle überzeugt sind.

Zwischen Luther und Ignatius entbrennt ein Diskurs über den Ablasshandel. Dieser diene wohl eher zur Finanzierung der Peterskirche in Rom, von Verbindlichkeiten von Papst Leo X., der Kurie und anderer als der Rettung des Seelenheils der Zahlenden.

Vision einer neuen Sicherheit

Luther verkündet seine Gnadenlehre mit der die Vision einer neuen Sicherheit. Die Theatergruppe wirft aus der Sicht Luthers einen Blick auf diese Ereignisse. Sie sind Gesprächsstoff zwischen Gebildeten wie den Studenten Matthias, dem Jurastudenten Jakob (Enrico Anker) und dem Theologiestudenten Konrad (Dominik von Hase Koehler), Ärzten wie Paracelsus (Nicolai Camesasca), dem Theologen Erasmus Alberus (Lukas Golla) und dem einfachen Volk.

Das Jahr 1517 ist in die Geschichtsbücher eingegangen als Jahr der Entdeckungen, der gelehrten Debatten, des Aberglaubens und der Hungersnöte. Der Wandel weckt bei den Menschen tiefe Ängste. Die Kirche bietet Hilfen und Heilszusagen in Form von Bußübungen, Fasten und Beten, Pilgerreisen und Wallfahrten und vor allem Ablässe an.

Sehnsucht nach Erneuerung

Die Sehnsucht nach religiöser und kirchlicher Erneuerung nimmt in dieser im raschen Wandel begriffenen Welt zu. Der Anschlag der 95 Thesen gegen den Ablasshandel der katholischen Kirche durch Dr. Martin Luther am 31. Oktober 1517 war eines von vielen Mosaiksteinchen, die zur Kirchenspaltung führten. In dieser Umbruchszeit lässt Regisseurin Anne Georgio ihre Darsteller agieren.

 

Die Theatergemeinschaft Petterweil führt das Stück »1517« am Dienstag, 31. Oktober (ausverkauft) und am Samstag, 4. November, jeweils um 19 Uhr im Albert-Schäfer-Haus auf. Jeweils ab 18 Uhr findet im Innenhof ein Mittelalter-Markt statt.

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