09. Mai 2019, 17:00 Uhr

Oberburg

Ein neuer Burgherr für Roggau

Noch ist die Tinte nicht getrocknet, doch die Käufer stehen fest: Der Groß-Karbener Philipp Freiherr von Leonhardi wird neuer Besitzer der Roggauer Oberburg, der Park geht an die Stadt Karben
09. Mai 2019, 17:00 Uhr

Es wird wohl ein Umzug, der seinesgleichen sucht: Der Groß-Karbener Schlossherr Philipp Freiherr von Leonhardi wird gemeinsam mit seiner Familie die Umzugskisten packen, um in der Oberburg im Nachbar-Stadtteil Burg-Gräfenrode ein neues Heim zu finden. Das hat Dekan Volkhard Guth am Dienstagabend in einer Gemeindeversammlung bekanntgegeben.

Der in den kommenden Tagen zu finalisierende Verkauf der Oberburg markiere dabei das Ende eines »schmerzhaften Prozesses, der nicht zuletzt den Kirchenvorstand zerschlagen hat«, gab Markus Keller, Vorsitzender der Liegenschaftsabteilung der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, zu bedenken.

Streit im Ort

Um den seit der ersten Gemeindeversammlung vor genau einem Jahr schwelenden Streit im Ortsteil (diese Zeitung berichtete regelmäßig) sauber zu beenden, hat der Dekanatssynodalvorstand, der seit Januar die Geschäfte der Kirchengemeinde im Ort führt, eine Splittung des Verkaufsobjekts eingetütet: Die Oberburg mit 4000 Quadratmetern Außengelände wird an Philipp Freiherr von Leonhardi verkauft. Als Patron der Kirche war er bereits vergangenes Jahr, als der Kirchenvorstand im April den Verkauf beschlossen hatte, als Interessent aufgetreten. Der 2800 Quadratmeter große Park mit Spielplatz wird an die Stadt Karben verkauft.In beiden Verträgen sei ein grundbuchrechtliches Bebauungsverbot, ein gegenseitiges Vorkaufsrecht sowie ein Nutzungs- und Wegerecht festgehalten. »Damit bleibt das Gebäude-Ensemble für den Ort erhalten«, betonte Guth. Die deutliche Mehrheit der rund 50 Gäste - deutlich weniger als bei vorherigen Gemeindeversammlungen zum umstrittenen Verkauf - begrüßte die gefundene Lösung mit Applaus.

Preis: 800 000 Euro

Gemeinsam zahlen die beiden Käufer laut Guth rund 800 000 Euro, Einzelzahlen wolle man »zum Schutz der Käufer« nicht nennen.

Für die Kirchengemeinde ergibt sich aus Sicht der Kirche gar eine Win-win-Situation: Zwei Räume im Erdgeschoss - insgesamt 70 Quadratmeter - werden künftig zum Mietpreis von acht Euro pro Quadratmeter für Gemeindebüro und Gruppen angemietet. Damit haben etwa die Kirchensenioren künftig einen barrierefrei zugänglichen Raum für ihre regelmäßigen Treffen. 90 Prozent der Kosten werden durch die Gesamtkirche getragen, nur ein Zehntel der Miete sei von der Roggauer Gemeinde zu tragen. Plus: »Der Schritt erlaubt es Burg-Gräfenrode als einzige aller diskutierten Alternativen, innerhalb der geplanten Gesamtkirche weiter eigenständig zu agieren«, betonte Guth.

Kritik am Verfahren

Mit dem Deal hat man laut Guth alle Punkte erreicht, die der Kirche - neben dem vom Gutachter ermittelten Preis für das Ensemble von 590 000 Euro - wichtig waren: Der Park kann weiter als Spielplatz genutzt werden, der Lieselturm bleibt Außenstelle des Standesamts, der Park bleibt für öffentliche Veranstaltungen wie das traditionelle Weinfest des Heimat- und Kulturvereins (HeKu) geöffnet, und die Kirche habe neue Räume. Vor diesen Prioritäten habe man bei der Auswahl unter insgesamt 30 Interessenten im Online-Verkaufsverfahren bewusst auf ein Höchstbieterverfahren verzichtet, erklärte Dekan Guth noch einmal.

Doch genau dieses Vergabeverfahren war es, das unter den Kritikern auch in der wohl finalen Gemeindeversammlung zum Thema noch einmal für Unmut sorgte. Für Ortsvorsteher Karlfred Heidelbach (CDU) handelt es sich faktisch doch um ein Höchstbieterverfahren, kritisierte er deutlich. So bestätigte Liegenschafts-Experte Keller auf seine Anfrage, dass von Leonhardi ein »deutlich höheres« Gebot abgegeben hätte als die Wohnungsbaugenossenschaft, deren Angebot sachgleich gewesen sei. In den Kirchenbänken wurde damit der Vorwurf laut, dass der Verkauf an von Leonhardi bereits im Vorfeld geplant gewesen sei.

Auch Ekkehard Müller, Mitglied der Interessengemeinschaft gegen den Verkauf der Burg, bekräftigte noch einmal die Intransparenz insbesondere am Anfang des Verfahrens. Dekan Guth dankte für die - »wenn auch inhaltlich nicht immer richtigen« - Einwände: »Ihr Engagement hat uns gezeigt, dass wir uns hier in Burg-Gräfenrode Mühe geben müssen.«

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