20. November 2019, 11:00 Uhr

Landwirtschaft

Erfolg für Saatgutzüchter

Das Bundessortenamt hat zwei Populationen von Getreide zugelassen, die der Dottenfelderhof gezüchtet hat. Der Bad Vilbeler Öko-Landwirtschaftsbetrieb ist auf diesem Gebiet Pionier
20. November 2019, 11:00 Uhr
Dr. Hartmut Spieß arbeitet seit 42 Jahren in der Forschungsabteilung auf dem Dottenfelderhof. Das Bundessortenamt hat nun zwei Populationen von Getreide zugelassen, die der Dottenfelderhof gezüchtet hat. Foto: nma

Seit 42 Jahren arbeitet der Dortelweiler Dr. Hartmut Spieß für die Forschungsabteilung auf dem Dottenfelderhof. Nun können er und sein Team einen weiteren Erfolg verbuchen, denn das Bundessortenamt hat zwei neue Sorten Getreide zugelassen. »Dabei handelt es sich um zwei Populationen«, erklärt Spieß.

Denn bei den Sorten wird grundsätzlich zwischen Linien und Populationen unterschieden - und der Unterschied ist erheblich: »Während bei Linien alle individuellen Pflanzen genetisch identisch sind, sind bei Populationen die Pflanzen einer Sorte genetisch alle verschieden.« In der konventionellen Landwirtschaft würden vor allem Linien verwendet, doch diese haben einen entscheidenden Nachteil: »Verschiedene Krankheiten sind wegen der geänderten Klimabedingungen auf dem Vormarsch. Und wenn eine Krankheit wie der Gelbrost eine Linie erreicht, ist diese direkt im kompletten Umfang unbrauchbar und muss vom Markt genommen werden«, beschreibt der Experte.

Ernteausfälle verhindern

Deshalb habe der Dottenfelderhof sich in der Vergangenheit zunehmend vor allem mit der Züchtung von Populationen befasst. »Diese sind genetisch alle unterschiedlich und somit trifft es nur einige der Pflanzen, wenn Befall auftritt. Andere sind wiederum deutlich robuster. So kann es nicht zu einem Totalausfall kommen.«

Erst seit Kurzem sei es dem Bundessortenamt überhaupt wieder möglich, Populationen zuzulassen - nach Drängen von Öko-Landwirten und anderen Organisationen. »Die Natur hat die Vielfalt erfunden, um das Öko-System stabil zu halten. Und das gilt natürlich auch für die Landwirtschaft.« Wegen der derzeitigen Wetterextreme seien er und der Dottenfelderhof der Ansicht, dass Populationen helfen, größere Ernteausfälle zu verhindern. »Dass in dieser Hinsicht etwas getan werden muss, ist seit den 70er Jahren klar.

In den letzten Jahren wurde es wegen des Klimawandels immer dringender«, sagt der Agrardoktor. »Im Sommer ist uns das Tierfutter vertrocknet und alle Pflanzen haben gelitten.« Krankheiten treten wegen zu heißer Sommer und ausbleibender Winter häufiger auf.

»Diva Eins« lautet der Name der neuen Gersten-Population, die nun offiziell zum Verkauf freigegeben ist. »Was wir vor allem erzielen wollen und was vom Bundessortenamt eine Vorraussetzung für die Freigabe einer Population ist, ist Resilienz«, beschreibt der Züchter. »Also dass die Population mit Extremsituationen zurecht kommt.« Eigene Versuche und auch die Arbeit der Kasseler Universität hätten das bereits nachgewiesen.

Immun gegen Krankheiten

Die zweite neue Sorte vom Dottenfelderhof trägt den Namen »Brandex Zwei Population«. Diese habe die Besonderheit, besonders gegen Weizensteinbrand immun zu sein. Die Krankheit verwandelt die Körner der Pflanzen in giftige Pilzsporen und sorgte bereits im Mittelalter für Ernteausfälle. »In der konventionellen Landwirtschaft wird dagegen chemisch vorgegangen.« Deshalb hofft Spieß, seine Züchtung zukünftig auf vielen Feldern in der Bundesrepublik und sogar weltweit zu sehen. Reich wird der Hof damit allerdings nicht, denn die Züchtungen gehören dem Verein Landbauschule. Während neue konventionelle Züchtungen vor allem lizensiert vermarktet werden, wird die Züchtungsforschung auf dem Dottenfelderhof größtenteils über Forschungsgelder bewerkstelligt. Der Dottenfelderhof vertreibt seine neuen Populationen unter gemeinnützigen Lizenzen. »Bauern, die die Dottenfelder Züchtungen nutzen wollen, bitten wir, uns dafür Sortenentwicklungsbeiträge zu bezahlen, wir treiben aber keine Lizenzen ein«, beschreibt Hartmut Spieß. »Wir setzen da auf das Bewusstsein.«

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