08. Juli 2019, 08:00 Uhr

Erst Praktikantin, bald Fachkraft

Fachlich versiert und menschlich rührend: Das ist Victoria Machai. Die aus Mosambik stammende 40-Jährige macht gerade mächtig Karriere im ASB-Altenzentrum in Karben. Sie wird über ein spezielles Programm der Bundesarbeitsagentur zur Pflegefachkraft ausgebildet. Nach dem Ende ihrer Ausbildung winkt ihr sogar eine Führungsposition.
08. Juli 2019, 08:00 Uhr
Victoria Machai (links) kümmert sich um die 90 Jahre alte Katharina Brosche. Aktuell absolviert Machai eine Ausbildung zur Pflegefachkraft, dabei kam sie einst als Praktikantin zum ASB. (Foto: Pegelow)

Es ist Freitagvormittag auf der Station 2 im zweiten Stock des ASB-Altenzentrums Wohnen und Pflege. Im Flur umarmt Victoria Machai eine Kollegin, die nach dem Ende ihrer Nachtschicht gerade Feierabend hat. »Ich wünsche dir ein schönes Wochenende. Hast du auch frei?«, fragt sie. »Ja«, antwortet sie. »Ich auch.« Noch mals kurze Umarmung, dann geht es in das Zimmer von Käthe Harnack. Die 94-Jährige lebt seit neun Jahren in dem Altenzentrum an der Ramonville-Straße und fühlt sich nach eigener Aussage sehr wohl hier. Victoria, die viele nur Vici rufen, hält ihr die Hand, spricht ein paar freundliche Worte zu ihr.

Heute ist der Zeitungsredakteur da, um ein Foto zu machen. Auch einen Stock tiefer ist schnell eine Bewohnerin gefunden, die sich mit der Altenpflegerin ablichten lässt: Katharina Brosche. Auch dieser Seniorin schenkt Machai ein Lächeln.

Schon diese Szenen machen deutlich, wie beliebt die 40-Jährige hier ist. Mit ihrem freundlichen Wesen scheint sie sowohl bei den Bewohnern als auch den Kollegen gut anzukommen. Und auch beim Pressegespräch im Zimmer von Heimleiter Jörg Malkemus huscht der angehenden Pflegefachkraft ständig ein Lächeln über die Lippen. Das liegt sicher nicht nur an ihrem freundlichen Wesen, sondern wohl ein wenig mit daran, dass sie sich hier einen Wunschtraum erfüllen kann.

Viel medizinisches Wissen

»Ich wollte von Anfang an in die Pflege«, sagt die Mutter von drei Kindern. Als Reinigungskraft kam sie im September 2016 zum ASB in die Tagespflegeeinrichtung, die an das Altenzentrum angrenzt. Nach rund einem Jahr bekam sie die Chance, ein Praktikum in der Altenpflege zu machen. »Nach drei Tagen habe ich gespürt: Das ist was für mich«, sagt die aus Mosambik stammende Frau, die vor 19 Jahren aus Afrika nach Deutschland kam.

Schnell waren auch die Verantwortlichen im Altenzentrum von ihrer sympathischen Art und ihrem Engagement überzeugt. Pflegeleiterin Violetta Kettemann schlug sie schließlich bei Heimleiter Malkemus für eine Ausbildung zur Pflegefachkraft vor. Und der wusste, dass es ein spezielles Programm der Bundesagentur für Arbeit gibt, das eine Qualifizierung älterer Arbeitnehmer in kleineren Betrieben fördert. »Wegebau« heißt es und wird genauso geschrieben. Über dieses Programm wird die dreijährige Ausbildung von Victoria Machai bezuschusst. 50 Prozent der Lohn- und Ausbildungskosten übernimmt deshalb die Arbeitsagentur. Neben ihrer praktischen Arbeit mit den Menschen erhält sie quasi den theoretischen Unterbau in der Rotkreuz-Schule in Kronberg.

Seit Oktober 2017 absolviert sie nun diese duale Ausbildung, die drei Jahre dauert und als anspruchsvoll gilt. Schließlich müssen Fachkräfte in der Pflege sich mannigfaltig auskennen. »Neben Waschen, Anziehen und Mobilisieren müssen examinierte Altenpflegerinnen viele medizinische Leistungen können, wie etwa Spritzen, Absaugen, Verbände anlegen«, berichtet Malkemus. Zudem hätten die Fachkräfte organisatorische Aufgaben, dazu gehöre es etwa, einen Dienstplan zu schreiben.

»In der Rotkreuz-Schule lernen wir, Symptome für Krankheitsbilder zu erkennen, oder etwa viel über Gerontologie«, erzählt Victoria Machai. Der Heimleiter, selbst ausgebildeter Krankenpfleger, charakterisiert den Unterschied zur Altenpflege so: »Es kommt zum Beziehungsgeflecht zwischen Pflegerin und Bewohner.« Sprich: Das Menschliche spielt im Gegensatz manchmal zur Krankenpflege bei der Altenpflege eine genauso große Rolle wie das Medizinische. Und in diesem Zusammenhang ist der Heimleiter voll des Lobes für Machai. »Sie bringt eine sehr gute Einstellung zum Pflegeberuf mit.« Und die Pflegefachschülerin erklärt freudestrahlend, dass sie von allen Seiten voll unterstützt werde.

Stellenzusage in der Tasche

Wobei sie nicht nur Malkemus meint, sondern ebenso ihre Kolleginnen. Genau deshalb arbeitet sie besonders gerne in Karben, wie sie erklärt. Daran muss schon etwas sein, denn Victoria Machai wohnt mit ihrer Familie auf dem Bad Vilbeler Heilsberg. »Das dortige Altenzentrum ist nur drei Minuten zu Fuß von uns entfernt«, sagt sie. »Aber weil ich mich hier so wohlfühle, mache ich gerne die Anfahrt nach Karben.«

Vielleicht spielt aber auch eine kleine Rolle, dass ihr Mann auch in Karben arbeitet, übrigens nicht weit weg von ihr, bei Continental im nahen Gewerbegebiet. Von ihrem Mann und den sozialen Kontakten zu Deutschen hat sie nach eigenen Angaben die deutsche Sprache gelernt.

Ihr Mann habe über viele Jahre als Gastarbeiter in der DDR gearbeitet, erklärt sie sich, warum sie so gut deutsch spricht. Auch das ist natürlich eine wichtige Voraussetzung, um hierzulande ihren Beruf gut meistern zu können. Bis Oktober nächsten Jahres ist sie nun noch in der Ausbildung. Dann wird sie ihren Abschluss als Pflegedienstfachkraft in der Tasche haben. Eine Zusage für eine Weiterbeschäftigung hat ihr Malkemus bereits gegeben. Und im Beisein des Redakteurs überrascht er die Frau dann gleich noch mit einer weiteren Zusage: »Ich habe keinen Zweifel daran, dass sie eines Tages einen Wohnbereich leiten wird.«

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