17. September 2019, 19:47 Uhr

Experiment geglückt: Nasen gefunden

17. September 2019, 19:47 Uhr
Der besondere Schnappschuss von Gottfried Lehr zeigt Jungtiere, die von den scheuen Fischen am schwersten vor die Linse zu bekommen sind. (Fotos: privat/rin)

Kreativität zahlt sich aus: Dem Gewässerökologen Gottfried Lehr und seinem Team ist es gelungen, mit einer selbst erdachten Forschungsmethode das Vorkommen der Nase in der Nidda nachzuweisen. »Die Population ist deutlich größer als erwartet«, sagt Lehr im Gespräch mit dieser Zeitung. »Das ist für uns ein großer Erfolg.«

Seit den 90er Jahren laufen Versuche, den seltenen Fisch mit dem charakteristischen Wulst am Kopf wieder in dem Fluss, der durch Bad Vilbel und Karben bis hinunter in den Main fließt, anzusiedeln.

Bis dato war jedoch unklar, wie erfolgreich die Mühen waren, die einst in der Nidda heimische Gattung zurückzubringen. Der Chondrostoma nasus ist ein scheues Tier, lässt sich nur selten fotografieren und noch seltener einfangen. Wissenschaftlich fundierte Aussagen zu Anzahl, Größe oder Gesundheitszustand der Tiere waren so kaum möglich.

Anfang August wagte Lehr mit finanzieller Unterstützung der Hassia, der Interessengemeinschaft Nidda, der Gerty-Strohm-Stiftung und des Wetteraukreises ein Experiment. An der Bibliothekbrücke und am Freibad versenkte er mehrere PVC-Platten, auf denen in den folgenden Wochen Algen wuchern sollten - die Leibspeise der Nasen. Mit ihrem Schnabel hinterließen sie beim Fressen auf den Kunststoffoberflächen Kratzer, aus denen sich wiederum Rückschlüsse auf die Fischpopulation schließen lassen.

Der ungewöhnliche Pilotversuch war laut Lehr ein voller Erfolg. »Auf allen Platten waren Fraßspuren zu sehen. Auf zweien sogar mehr als wir zählen konnten«, erzählt der Fachmann, der in den kommenden Tagen die gesammelten Daten genauer auswerten möchte.

Obendrein hat Lehr seinen Lieblingsfisch mit der Essenseinladung endlich auch vor die Unterwasserkamera locken können. Schwärme von bis zu 40 Tieren habe er gesehen, mit Exemplaren in einer gesunden Größe zwischen 30 und 50 Zentimetern. Genauso ist es gelungen, Jungtiere aufzunehmen, die etwa zwölf Zentimeter lang und ein Jahr oder teils noch jünger sind.

Dass die Fische sich augenscheinlich in der Nidda vermehren, ist für die Forscher ein gutes Zeichen. »Da Nasen Traditionslaicher sind und immer wieder zu den gleichen Laichplätzen zurückkehren, kann man davon ausgehen, dass die weitere Reproduktion ziemlich sicher ist und die Ausbreitung in andere Gewässerabschnitte ebenfalls in den nächsten Jahren erfolgen wird«, erklärt der Gewässerökologe. Nasen seien sogenannte Mitteldistanzwanderer, die 150 bis 200 Kilometer im Gewässersystem zwischen Wetter, Nidder, Main und Rhein umherzögen. Durch die Absenkung der Wehre in Frankfurt sei eine weitgehend natürliche Zuwanderung möglich.

Die PVC-Platten will Lehr noch eine Weile in der Nidda belassen. In der zweiten Runde rechnet er mit weniger deutlichen Ergebnissen. Die Nasen seien Mitte September schon auf dem Weg in ihre Winterquartiere im tieferen Wasser. Als Messstellen hatten die Wissenschaftler flachere Abschnitte der Nidda ausgewählt.

Lehr zieht ein euphorisches Fazit zu dem Versuch: »Es ist ein echter Durchbruch. Die Effekte der Nidda-Renaturierung machen sich bemerkbar.« Den Fluss in seinen natürlichen Zustand zurückzuversetzen hat Lehr sich zu Lebensaufgabe gemacht. Und ein gesunder Fischbestand lässt ihn auf einen gesunden Fluss hoffen.

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