29. September 2019, 20:32 Uhr

Feuer und Flamme fürs Ehrenamt

Immer häufiger muss die Karbener Feuerwehr ausrücken. Die Einsatzkräfte lassen dafür alles stehen und liegen, sogar ihren eigentlichen Beruf, denn wer in Karben Brände löscht, macht das freiwillig und ehrenamtlich. Und es gibt einiges zu tun, denn längst ist Karben kein beschauliches Dorf mehr.
29. September 2019, 20:32 Uhr
Christian Becker brennt für sein Ehrenamt, doch weitere Unterstützung könnte sein Team gut gebrauchen. (Foto: Rinkart)

Dieser September wird Christian Becker in Erinnerung bleiben. Mehr als 20 Einsätze zählt sein dicker Ordner mit den Einsatzberichten aus diesem Monat. Häufig mussten er und seine Einsatzkräfte zu ausgelösten Feuermeldern im Gewerbegebiet oder in Privatwohnungen eilen, doch der September hatte noch mehr zu bieten. Am auffälligsten war ohne Frage der Strohballenbrand in der Nacht zum 14. September. 350 strohtrockene Ballen brannten lichterloh am Rande der Nordumgehung. Die Feuerwehr ließ sie kontrolliert abbrennen und schon am nächsten Morgen waren die Flammen aus. Doch auch ohne das feurige Element hatte die Karbener Einsatzabteilung einiges zu tun.

Einen gehörigen Schrecken erfüllte den Stadtbrandinspektor als er zu einem Autounfall nach Rendel gerufen wurden. Ein Auto war in ein Carport gekracht und hinterließ ein spektakuläres Bild. Nicht weniger aufregend war der Fund einer Schlage auf einem Bauernhof in Burg-Gräfenrode. »Die Ringelnatter war zum Glück ungiftig, aber beißen kann sie trotzdem«, erinnert sich Becker.

Beide Einsätze hatten eine Gemeinsamkeit, die sich neuerdings immer häufiger ereigne: »Noch während ich an dem einen Einsatzort stehe, piepst schon wieder der nächste Alarm.« Ein Rauchmelder im Altenheim und angebranntes Essen in Rendel machten an diesen zwei Tagen deutlich, dass die Feuerwehr immer ein paar Einsatzkräfte in Reserve haben muss.

Und dass die Feuerwehr stets auf neue Situationen gefasst sein sollte, zeigte sich ebenfalls im September. In einer Gaststätte war beispielsweise Kohlensäure ausgetreten. »Da mussten wir darauf achten, dass beim Belüften in der Nähe alle Kellerfenster geschlossen sind«, erklärt Becker. Denn da das Gas schwerer als Luft ist, bestand die Gefahr, dass es vom einen direkt in den nächsten Keller ziehen könnte.

Keine Männerdomäne

Becker und seine Männer ziehen immer los wenn der Alarm dröhnt, egal ob es lichterloh brennt oder sich bloß ein Vogel in einem Kamin verirrt hat. Nur eine Tatsache gerät ihm dabei zu oft in Vergessenheit: »Die Menschen müssen sich bewusstmachen, das wir das alles ehrenamtlich und freiwillig machen.« Egal was passiert, Becker ist darauf angewiesen, dass genügend seiner Freiwilligen Feuerwehrleute gerade abkömmlich sind.

Sorgen muss sich keiner machen, die Feuerwehr kommt garantiert, immer! Dennoch ruft Becker zu mehr Beteiligung auf, denn hinter jedem gelöschten Feuer steht in Karben ausschließlich freiwilliges Engagement: »Das was wir hier machen, kann jeder erlernen«, betont Becker daher. Ein weiterer Fakt ist ihm dabei besonders wichtig: »Die freiwillige Feuerwehr ist keine Männerdomäne!«

Noch immer würden viele Karben als ruhiges Dorf betrachten. Aus Sicht der Feuerwehr hat sich Karben inzwischen jedoch zu einer ereignisreichen Stadt entwickelt - nebst respektablen Einsatzzahlen. »Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da hatte die Okärber Feuerwehr vielleicht 15 Einsätze im Jahr. In diesem Jahr steht sie schon bei 45«, blickt Becker zurück.

Minijobber eingestellt

Wie in den meisten Vereinen bekomme auch die freiwillige Feuerwehr eine in der Gesellschaft immer geringer werdende Begeisterung für das Ehrenamt zu spüren. Im Gegenzug steige für die Freiwilligen der Arbeitsaufwand, wenn es um Verwaltungs- und Instandhaltungsaufgaben geht.

»Wir werden zwei Minijobber für die Feuerwehr einstellen«, verkündet Bürgermeister Guido Rahn (CDU). Diese sollen die ehrenamtlichen Kräfte vor allem in der Kleiderkammer entlasten. Zudem wurde der Stadtbrandinspektor für acht Stunden in seinem eigentlichen Job bei der Stadt freigestellt, um sich ganz seiner Feuerwehrarbeit widmen zu können. »Wir helfen wo wir können«, verspricht Rahn. Pro Jahr finanziere die Stadt zudem sechs LKW-Führerscheine und unterstützt ihre Einsatzkräfte bei der Unfallversicherung und Lehrgängen.

Auch der vorangetriebenen Stadtentwicklung will Rahn Rechnung tragen. So werde in naher Zukunft ein neuer Bedarfsentwicklungsplan aufgestellt, der auch den nötigen Material- und Fahrzeugebedarf unter die Lupe nimmt. Doch das Wesentliche - das Personal, das jederzeit ausrückt, um Brände zu löschen und Leben zu retten - wird sich auch mit einem Bedarfsplan nicht regeln lassen. Stadtbrandinspektor Becker hofft daher schon bald neue ehrenamtliche Mitstreiter bei der Freiwilligen Feuerwehr begrüßen zu dürfen.

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