01. November 2019, 11:00 Uhr

Fluglärm

Fluglärm: Fraport stellt Gutachten in Dortelweil vor

Fraport-Mitarbeiter haben am Mittwoch im Dortelweiler Ortsbeirat die Ergebnisse der Fluglärm-Messstation vorgestellt. Überrascht waren die Orstvertreter aber über eine andere Erkenntnis.
01. November 2019, 11:00 Uhr
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Zwei Flugrouten - eine zum Anflug und eine zum Abflug- führen über Dortelweil. Dort ist im Frühjahr die Lärmbelastung durch den Flugverkehr gemessen worden. Jetzt liegen die Ergebnisse vor. (Symbolfoto: dpa)

Langsam schiebt sich der Flieger über den Dortelweiler Himmel, nur die Kondensstreifen bleiben zurück. Doch die Sicht auf Flugzeuge ist nicht das Einzige, was die Bewohner Dortelweils vom Frankfurter Flughafen mitbekommen, denn ein anderes Thema liegt vielen auf dem Herzen: Fluglärm.

Doch wie sieht die Situation in Dortelweil aus? Um das herauszufinden wurde im Frühjahr an der Ecke Konrad-Adenauer-Allee/Niedererlenbacher Weg eine Messstation aufgestellt. Drei Monate, von Anfang April bis Ende Juni wurden Messdaten gesammelt. Nun präsentierten Mitarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport im Ortsbeirat die Ergebnisse.

Schwellenwert zur Lärmermittlung

»Bei diesen Messungen bestimmen wir zuerst einen Schwellenwert, ab dessen Überschreitung gemessen wird«, erklärt Daphne Goldmann, Leiterin der Abteilung Messungen und Beurteilung von Fluggeräuschen bei Fraport, das Vorgehen. »In diesem Fall waren das 53 Dezibel (dB).« Zum Vergleich: eine normale Unterhaltung sind etwa 60 dB, ein vorbeifahrender Laster liegt bei etwa 80 dB.

Damit die Messung nun registriert wird, muss sie lauter werden, mindestens fünf dB, im Dortelweiler Fall also 58 dB. »Automatisch wird das Ereignis dann mit unseren Flugdaten abgeglichen«, sagt Goldmann. »Wir schauen also, ob sich gerade Flugzeuge im Bereich befinden, von denen das Geräusch kommen könnte.«

Zwei Routen über Dortelweil

So kann durch die Messstelle nicht nur bestimmt werden, wie laut der Fluglärm tatsächlich ist, sondern auch woher er genau kommt und wie groß der Abstand der Lärmquelle zur Messstation ist.

»Für Dortelweil konnten wir zwei hauptsächliche Ursachen feststellen«, erklärt Goldmann anhand eines Ausschnitts einer Karte auf der sämtliche Flugbewegungen eingezeichnet sind. »Zum einen die Abflüge bei Ostbetrieb und zum anderen die Anflüge bei Westbetrieb. Beide Flugrouten führen über Dortelweil und können daher Lärm verursachen.« Durch die extrem unterschiedlichen Wetterbedingungen kam es dabei zu einer Extremsituation: Der April war fast ausschließlich Ostbetrieb, der Mai stark von Westbetrieb geprägt. Dies spiegelt sich auch in den Messergebnissen wieder.

Doch nicht alle Flugzeuge seien tatsächlich laut, sagt Goldmann. »Es kommt sehr darauf an, wie groß die Flugzeuge sind und auf welcher Höhe sie sich befinden. Je niedriger sie sind, desto lauter wird es. Etwa zehn Prozent der Flieger über Dortelweil verursachen nach unseren Messungen tatsächlich ›Lärm‹, wurden also von unserer Messstation mit über 58 dB erfasst.«

»Im Westbetrieb, also Anflüge, wurden innerhalb der drei Monate tagsüber 6120 hörbare Flüge registriert, Nachts waren es 608«, erklärt Goldmann. »Nachts bezieht sich auf die zwei Stunden in denen wir Fliegen dürfen, also von 22 bis 23 Uhr und von 5 bis 6 Uhr. Im Ostbetrieb, also Abflüge, waren es 2354 Flüge tagsüber, nachts 242.« Interessant ist dabei jedoch auch, wie sich An- und Abflüge unterscheiden. »Wir haben zwar weniger hörbare Starts gemessen, doch ist dort der Lärmpegel im Durchschnitt höher«, sagt Goldmann. »Landungen sind im Schnitt leiser, doch sie kommen deutlich häufiger vor.«

Der Fluglärm nachts ist in Dortelweil laut der Untersuchung kein Problem. »Es gab ein paar Überschreitungen, doch das sind Einzelfälle«, sagt die Leiterin für Messungen. »Am Wichtigsten ist dabei jedoch, dass 68 dB zu keinem Zeitpunkt innerhalb des Zeitraums überschritten wurden.« Diese Grenze ist wichtig, denn sollte sie überschritten werden, besteht laut dem Fluglärmgesetz ein Anspruch auf Schallschutz.

Orstbeirat überrascht

Dass es in Dortelweil überhaupt laut werde, liege an der Flughöhe. »Je niedriger ein Flugzeug fliegt, desto einfacher ist die Arbeit für die Fluglotsen«, erklärt Goldmann den Umstand. »Daher wurde in den vergangenen Jahren häufig dazu übergegangen, die Flieger früher runterzuholen. In Dortelweil sind 90 Prozent der Flieger über 6000 Fuß, also lärmtechnisch eher unproblematisch. Aber unser Ziel ist es, dass die Flieger wieder mehr Höhe gewinnen. Zusammenfassend lässt sich aber sagen: Dortelweil hat kein Fluglärmproblem.«

Überrascht zeigte sich der Ortsbeirat jedoch vor allem auch von einem anderen Ergebnis, das fast zufällig in den Messungen zutage trat: So kam es häufig zu einer Lärmüberschreitung, ohne dass ein Flugzeug in der Nähe war. Goldmann und ihre Kollegen stellten fest: »Wir schauten uns einige dieser Beispiele an und konnten zahlreiche andere Lärmquellen identifizieren, darunter besonders die B 3, die bei nasser Fahrbahn besonders laut ist.« Die Messergebnisse sollen nun der Stadt übergeben werden.

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