22. Mai 2019, 11:00 Uhr

Sattlerin

Für Sattel, Pferd und Reiter

Viola Ebbecke ist leidenschaftliche Reiterin. Über ihr Hobby ist die 41-Jährige nach dem Abitur zur Sattlerei gekommen. Inzwischen hat sie ihre Werkstatt in Heldenbergen.
22. Mai 2019, 11:00 Uhr
Im Beruf der Sattlerin sind Kreativität und handwerkliches Geschick vereint. Zum Fertigen für ein Horn wird eine Ahle gebraucht. (Fotos: Georgia Lori)

Damensättel sind die Passion von Viola Ebbecke. Dafür hat sie in Nidderau-Heldenbergen das Start-up Unternehmen » Agent de Cheval« gegründet. In ihrer Werkstatt hat sie sich aufs Fertigen von von Damensätteln spezialisiert.

Schon seit 17 Jahren nimmt sie regelmäßig in England an Fortbildungen zur Restauration und dem Neubau von Damensättel teil. Seit drei Jahren baut sie Damensättel mit einer selbst designten Innenkonstruktion, dem so genannten Sattelbaum. Laut Ebbecke ist es ein kleiner Markt. Bisher hat sie etwa 50 Damensättel hergestellt und einige mehr restauriert.

Nebenbei verrät sie ein Geheimnis. »Ich selbst besitze ein Damenreitkissen aus dem Jahr 1620. Meine Eltern haben es auf einer Auktion ersteigert«, sagt sie in ihrem Büro. In diesem Raum mit einem TV-Gerät und einem großen Glastisch gibt es viel Platz für Informationen und Historie zum Handwerk.

Das Reiten im Damensattel war früher nicht nur ein Freizeitvergnügen der Damen der Oberschicht, sondern Kaiserin Elisabeth von Österreich machte das Jagdreiten auch für Frauen populär.

Auf Damensättel spezialisierte sich Ebbecke, die in Mittelbuchen aufwuchs, weil sie feststellte, dass es keinen vernünftigen Sattelbaum gab, der den Ansprüchen der modernen Reiterei genügte. Die Hobby-Reiterin weiß, dass 95 Prozent der Aktiven im Reitsport Frauen sind.

Leder hat sich verändert

»Früher gab es Rinderrassen, die eine andere Hautqualität besaßen«, erzählt Ebbeke. Außerdem sei früher die Art das Leder zu gerben anders gewesen. »Das Leder war früher qualitativ hochwertiger und langlebiger als heute«, sagt Ebbecke.

Für ihre Damensättel nutzt sie hauptsächlich Rinderleder, manchmal Hirsch, selten verwendet sie Schweineleder. Leder bezieht Ebbecke aus Deutschland und England, Hirschleder stammt von Zuchttieren. Bei guter Pflege könne ein Sattel bis zu 80 Jahre halten.

Den Aufbau eines Sattels skizziert sie kurz und schnell. »Der Sattelbaum aus Kunststoff wird von einem Kopfeisen vorne ergänzt, dass die Kammerweite oder die Passform vorgibt. An den Sattelbaum werden die Blätter und Sattelkissen genäht« Oben auf dem Damensattel befinden sich zwei Hörner. Das rechte Bein wird über das Horn gelegt, das zum Halten der Reiterin dient.

Viele einzelne Arbeitsschritte mit alten Werkzeugen wie der Ahle sind nötig, um in 30 bis 40 Stunden einen etwa sieben Kilogramm schweren Damensattel anzufertigen. »Das Material Leder ist für mich etwas Faszinierendes. Es gibt Haut, die ist haptisch etwas Besonderes. Leder hat einen eigenen Geruch und ist ein dichtes Material«, sagt Ebbecke und erzählt von einem Sattel aus Kork, der für Veganer entwickelt wurde.

Sie selbst hat schon einen weißen Damensattel gebaut aus Rindsleder mit Chromgerbung. In ihrer Werkstatt liegen Leder in vielen Prägungen und Stärken auf einem Regal. Sie verströmen den typischen Geruch. Dabei gibt es hier auch unterschiedliche Nuancen, je nach der Art, wie das Leder gegerbt wurde, nach Rückfettung und Färbung riecht es anders.

Die Sattlerin fertigt auch noch andere Dinge. Sie zeigt eine Tasche, die sie selbst hergestellt hat, mit einem Bügel aus Messing. Wenig später sitzt sie an ihrem Arbeitsplatz und demonstriert das klassische Nähen einer Sattlerhandnaht für ein Horn mit einer Ahle.

Mit ihrem Unternehmen »Agent de Cheval« möchte sie Vermittler zwischen Sattel, Pferd und Reiter sein. Neben ihren selbst hergestellten Damensätteln, die ab 4000 Euro aufwärts zu haben sind, hat sie 400 Sättel am Lager, mit einer großen Auswahl an Modellen und Marken, von zehn Herstellern.

Damensättel für Kaltblüter

Damensättel werden heute noch für Turniere genutzt, für das »romantische Ausreiten mit Kostüm«, dem Showreiten oder bei gesundheitlichen Problemen. Während früher Damensättel elegante Pferde schmückten, sind sie heute auf edlem Warmblut bis hin zum Haflinger zu finden. »Für das Landgestüt Marbach habe ich Reiterinnen ausgestattet, die im Damensattel Schwarzwälder reiten«, erzählt Ebbecke. Sie selbst nahm in der Jugend hessenweit bei klassischen Turnieren im Bereich Dressurreiten und Springen teil und beim Jagdreiten der Vogelsbergmeute. Sie ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und aktuell Präsidentin des Zonta Clubs Hanau.

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