02. Dezember 2018, 20:32 Uhr

Ganz öko geht’s noch nicht

02. Dezember 2018, 20:32 Uhr
NMA
Wenige Seiten Papier mit großer Wirkung: Bürgermeister Thomas Stöhr (l.) und Festspielintendant Claus-Günther Kunzmann präsentieren die Umweltbilanz. (Foto: Mag)

Zum ersten Mal haben die Bad Vilbeler Burgfestspiele während einer Spielzeit Daten für die Erstellung einer Klimabilanz gesammelt. Diese stellte Intendant Claus-Günther Kunzmann vor wenigen Tagen vor. Doch ging es nicht nur darum, die CO2-Bilanz der Saison zu ermitteln, sondern auch darum, wie das bei so einem großen Event überhaupt funktioniert. Schließlich will die Stadt den Hessentag 2020 klimaneutral ausrichten.

Einen ganzen Stapel Papier hält Kunzmann in der Hand. Zahlen, Grafiken und Skalen sind zu sehen, die das Büro »First Climate« zusammengetragen hat. »Das Büro, das sich mit grüner Energie, Wasser und Klimaneutralität beschäftigt, operiert weltweit, hat aber auch einen Sitz in Bad Vilbel«, erklärt Kunzmann. Er habe vor der Festspielsaison das Büro beauftragt, die Klimastudie vorzunehmen. »Wir sind mit dem Thema ja konfrontiert, denn der Hessentag soll klimaneutral werden«, fährt der Intendant fort.

Wo sind die Hauptquellen für CO2-Emissionen bei Großveranstaltungen und wie soll man mit diesen umgehen? Diese Fragen sollte die Studie im Maßstab der Burgfestspiele beantworten und Erkenntnisse für die klimaneutrale Ausrichtung des Hessentages liefern. »Der Teufel steckt allerdings im Detail, und wir mussten uns überlegen, wie exakt wir die Bilanz für die Festspielsaison haben wollen. Denn es steckt enormer Aufwand hinter dem Sammeln der Daten.«

Beispielsweise die Gebäude in der Stadt, die mit den Burgfestspielen zu tun haben. Wie viele davon wolle man in die Studie aufnehmen? Für die drei Hauptgebäude Scheune, Stadthaus und Burg haben sich die Verantwortlichen schließlich entschieden. »Die Daten für Heizung und Strom abzulesen war allerdings noch mit das Einfachste«, berichtet der Festspielintendant. »Viel schwieriger war es, den CO2-Ausstoß zu ermitteln, den das für die Bühnenbilder verwendete Holz verursacht hat, oder wie viel unser eigener Fuhrpark und auch die vielen Arbeitskräfte bei Hin- und Rückwegen generieren.« An vier Abenden haben die Festspiele zudem die Gäste befragt, woher sie kommen und mit welchen Verkehrsmitteln sie angereist seien. »83 Prozent kommen mit dem Auto, sechs Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln und elf Prozent zu Fuß oder mit dem Fahrrad.« Und laut der Klimastudie, die »First Climate« mit den Daten der Festspiele angefertigt hat, ist der Bereich »Reise- und Transportverkehr« mit großem Abstand der schwerwiegendste. 1312,49 Tonnen CO2 haben An- und Abreisen der Gäste verursacht. Arbeitswege der vielen Mitarbeiter liegen lediglich bei 116,37 Tonnen und der Energieverbrauch der drei Hauptgebäude bei 198,05 Tonnen. Sonstige CO2-Quellen hinzugerechnet, liegt der gesamte Ausstoß der Festspielsaison 2018 bei 1895,75 Tonnen. Das entspricht rund 0,02 Tonnen CO2 pro Besucher. Festzuhalten bleibt: Fast 70 Prozent des Gesamtausstoßes verursacht der Verkehr.

Kombi-Ticket zu teuer

Grundsätzlich seien die Zahlen mit Vorsicht zu sehen, denn man habe nicht alle Gebäude berücksichtigt und nur an vier Abenden die Gäste befragt. Doch klar ist trotzdem, dass der Verkehr der stärkste Posten ist: »Wir haben natürlich eine gute ÖPNV-Anbindung in Bad Vilbel. Doch wir spielen meist bis 22.30 oder 23 Uhr und viele Leute bleiben danach noch in der Gastronomie, um einen Wein zu trinken. Um diese Uhrzeiten kommt man zwar noch ganz gut zum Frankfurter Hauptbahnhof, aber danach wird es schon schwierig«, führt der Intendant aus. Mehrfach hätten die Festspiele schon Möglichkeiten eines Kombi-Tickets geprüft, also Eintrittskarten, die gleichzeitig zur Nutzung von Bus und Bahn berechtigen. »Doch ist das für uns nicht abbildbar. Den Aufpreis pro Ticket, den wir an den RMV zahlen müssten, ist einfach zu hoch. Das trägt sich nicht.« Doch sei der Plan, Radfahrern Möglichkeiten zu bieten, ihr Gepäck sicher zu verstauen. Das könnte den Radverkehr zur Burg im Sommer anregen.

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