25. Oktober 2019, 19:08 Uhr

Gesunde Nahrung fürs Gehirn

25. Oktober 2019, 19:08 Uhr
Sabine Paul

Der Förderverein der Kurt-Schumacher-Schule hatte zum »Herbstgespräch« eingeladen. Molekular- und Evolutionsbiologin Dr. Sabine Paul, Leiterin des Frankfurter Instituts für evolutionäre Gesundheit, erläuterte, mit welcher Ernährung und welchen Genussmitteln sich Konzentration und Gedächtnisleistung steigern lassen. Sie zeigte auf, welche Nahrungs- und Genussmittel dem Gehirn bei Arbeiten helfen, welche Störfaktoren eher schaden können, welche »Blitzhelfer« und »Gehirndopings« der Leistungsfähigkeit gut tun und welche Erfahrungen Schulen und Firmen mit »Brainfood« gemacht haben. Sie brachte Kostproben mit, um die 70 Zuhörer zu überzeugen.

Paul warf zunächst einen Blick aufs Gehirn. Wichtig für die Funktion der Nervenzellen und ihrer Verbindungen sind die Neurotransmitter, die Botenstoffe. Zu den wichtigsten gehören Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin, zuständig für Antrieb, Konzentration, Motivation und Gedächtnis. Sie erfordern die Zufuhr von Eisen, Zink, Vitamin B6, Vitamin C, Kupfer, Magnesium, Vitamin B12 und Folsäure. Das Wachhormon Serotonin und das Schlafhormon Melatonin, welche die Zufuhr von Eisen, Vitamin B6 und Zink - sowie Tageslicht - erfordern, bewirken Glücksgefühle, Motivation und guten Schlaf. Entscheidend sei, dass der Mensch die Bausteine der Botenstoffe mit der Nahrung aktiv aufnehmen müsse. Hier kommen die »Unentbehrlichen« ins Spiel: insgesamt neun Nervennahrungs-Kategorien. Dies seien: Nüsse und Samen, Ei und (Hart)Käse, Hülsenfrüchte, Fleisch und Innereien (gut: Leber), Früchte, Pilze, Fisch und Krustentiere, Gemüse sowie Gewürze. Pro Tag solle man möglichst zwei bis drei Kategorien in seine Ernährung einbauen. Dabei spielten auch die eher verpönten Fette in ursprünglicher Form (Nüsse, Samen, Wildfangfische, Weidetiere) eine Rolle. Beim Zucker und bei Zusatzstoffen sei Vorsicht geboten: Hoher Blutzucker erhöhe nicht nur die Gefahr eines schlechteren Gedächtnisses und von Lernproblemen. Er könne sogar zu einer Entzündung im Gedächtniszentrum führen und stehe im Verdacht, für Demenz mit verantwortlich zu sein.

Bei zahlreichen Lebensmitteln sei der Anteil der Kohlenhydrate hoch. Er betrage bei einem klassischen Schokoriegel über 70 Prozent, bei einem Bioprodukt meist 40 bis 50 Prozent, während selbst gemachte Schokolade mit 25 Prozent auskomme. Als weiterer »Konzentrations-Räuber« entpuppten sich Zusatzstoffe. Künstliche Farbstoffe machten unkonzentriert, einige stünden in Verdacht, bei Kindern Aufmerksamkeitsstörungen hervorzurufen. Stattdessen solle man beim Kochen und Backen natürliche Farbe von Beeren, Möhren, Spinatblättern verwenden. »Gehirndoping« schaffen aber nicht nur gesunde Lebensmittel, sondern auch Aromen und ätherische Öle. Paul hob den Ceylon-Zimt hervor, der das Denken und Lernen beflügele und den Blutzucker senke. Sie empfahl auch Kurkuma (Gelbwurz), das die Konzentration und Wachheit steigere, eine Zellneubildung im Gedächtniszentrum anrege und stimmungsaufhellend wirke.

Stressresistenz kann man essen

Im letzten Abschnitt ihres Vortrags berichtete Paul über Erfahrungen von Schulen und Unternehmen mit Brainfood. So seien in der Albert-Einstein-Schule in Maintal und dem Leibnitz-Gymnasium in Wiesbaden erfolgreich einschlägige Projekte durchgeführt worden. Zudem haben Firmen Ernährungsinterventionen am Arbeitsplatz erprobt und durchweg positive Effekte verzeichnet, darunter deutlich weniger Fehlzeiten des Personals und verbesserte Stimmung.

Dass Gehirnnahrung, die gesund ist, auch gut schmeckt, bewies die Referentin mit kleinen Kostenproben, darunter Schokolade mit Hanfsamen, Kakao-Nibs, Berberitzen und Cashews im Currymantel. Die Gäste fanden diese »richtig lecker« und dürften sich vom Leitsatz der Referentin überzeugt haben lassen, dass man »Gehirnleistung und Stressresistenz essen kann«. (Foto: pv)

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