02. Januar 2019, 20:38 Uhr

Größter Wunsch: Die Familie wiedersehen

02. Januar 2019, 20:38 Uhr
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Aus der Redaktion
Ein Gottesdienst mit Botschaft in Rendel: Integration kann gelingen. (Foto: pv)

Der Rendeler etwas anderen Gottesdienst zwischen den Jahren, hatte das Thema »Anerkannt, und jetzt? – Integration braucht Raum«. Gekommen waren ehemalige Bewohner des Kirchenasyls und ihre Unterstützer: Frau Chekka aus Syrien mit ihren Kindern Aya und Klara sowie Ulrike Loos von der Karbener Flüchtlingshilfe und Herr Syed aus Eritrea.

Stephan Kuger vom Kirchenvorstand würdigte den deutschen Rechtsstaat, der den Kirchen in Härtefälle ermöglicht, durch die Gewährung von Kirchenasyl eine Abschiebung zu verhindern. Das Handeln gebiete das christliche Gebot zur Nächstenliebe.

Pfarrerin Nadia Burgdorf erinnerte daran, dass die wichtigsten Ereignisse der Bibel ohne gelungene Integration anders verlaufen wären: Abraham und Sara bekamen in der Fremde Isaak, ohne die Integration der Ausländerin Ruth hätte es keinen König David gegeben und auch der Menschensohn hätte ohne Asyl in Ägypten die Furcht König Herodes’ vor Konkurrenz mit dem Leben bezahlt: »Die Bibel ist ein Buch über Flucht und Integration.«

In der anschließenden Fragerunde mit den inzwischen anerkannten Gästen aus Syrien und Eritrea erfuhren die rund 70 Gottesdienstbesucher von deren Alltagsproblemen. Familie Chekkar lebt wieder zu dritt in einem Zimmer des Flüchtlingshauses im Klein-Kärber Industriegebiet. Die Kinder gehen zur Schule, lernen gut Deutsch. Ihrer Mutter fehlt es an solchen alltäglichen Begegnungen zum Austausch und Gelegenheiten, die Sprachkenntnisse anzuwenden: »Ich würde meinen Kindern so gerne bei den Schulaufgaben helfen«, sagt sie. Ulrike Loos wurde deutlicher: »Wie soll man es schaffen, ausgeschlafene Kinder in die Schule zu bekommen, wenn man zu zwanzigst Küche und Bad teilt und andere bis nachts zu laut zum Schlafen waren?«

Familie Checka wünscht sich eine eigene Wohnung. Herr Syed hat bereits ein Zimmer in Petterweil gemietet. Er hilft dort bei der Betreuung im Kirchenasyl, wünscht sich aber eine richtige Arbeit, um sich nützlich zu machen. Der größte Wunsch im neuen Jahr bleibt aber für alle ein Wiedersehen mit der Familie: Frau Chekka, die ihre beiden anderen Kinder und ihren Mann seit ihrer Flucht nicht mehr gesehen hat, versagt die Stimme, als sie das sagt. Ulrike Loos machte Mut, sich mit kleinen Hilfestellungen zu engagieren: mal mit einkaufen gehen, den Kindern bei den Hausaufgaben helfen oder mittwochs zum Frauentreff kommen hilft den Menschen, den Alltag besser zu meistern.



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