04. März 2018, 12:00 Uhr

Kirchensanierung

Groß-Kärber Kirche: Golden leuchtet nur der Hahn

Es gehört zum Ortsbild von Groß-Karben fast dazu: Die evangelische Kirche ist eingerüstet, Gotteshaus und Dallesplatz werden von einem Zaun umgeben. Gegenwärtig ist der Dachstuhl an der Reihe.
04. März 2018, 12:00 Uhr
Ein Arbeiter der Firma Eiffert inspiziert die Holzbalken, im Hintergrund Architekt Volker Fuchs und Pfarrer Christian Krüger. (Foto: jsl)
p>Eigentlich hätten die Zimmerarbeiten an der Groß-Karbener evangelischen Kirche im nächsten Monat abgeschlossen sein können. Daraus wird jetzt aber nichts mehr. Uralte Eichenholzbalken im vorderen Teil des Kirchendaches wurden zur Renovierung freigelegt. Ein Denkmalschutzexperte vermutete kürzlich bei einer Besichtigung, dass sie so alt wie die Kirche selbst seien. Das würde also auf das Jahr 1378 schließen lassen, als die Kirche erstmals urkundlich erwähnt wurde. Genauere Ergebnisse soll demnächst eine dentrochronologische Untersuchung (Altersbestimmung des Holzes) bringen. Erst danach kann eine Freigabe durch das Landesamt für Denkmalpflege erfolgen. Möglicherweise könnten sich die Renovierungsarbeiten am Dachstuhl dadurch bis in den Sommer hinziehen, vermuten die auf denkmalgeschützte Bauten spezialisierten Arbeiter der Baufirma Eiffert.

 

2019 folgt der Innenraum

 

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Kein Problem, deshalb käme es zu keinen Verzögerungen im Zeitplan, erklärt der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Volker Fuchs. »Der Fahrplan für 2018 lässt uns Luft. In diesem Jahr sind neben der Fertigstellung des Daches noch die Erneuerung der Kirchenfenster und ein neuer Außenputz vorgesehen. 2019 folgt dann der Innenraum, bevor 2020 schließlich das Außengelände der Kirche umgestaltet wird.«

Dass ein solches Bauprojekt hohe Kosten verursacht, weiß der Architekt aus Erfahrung. Fuchs nennt transparente Zahlen: »Zusammen mit der neuen Mauer um den Dallesplatz belaufen sich die Kosten auf 1,3 Millionen Euro. 320 000 Euro müssen wir als Kirchengemeinde selbst zahlen, den Rest steuert die EKHN (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) bei.« Bei Kirchensanierungen in den 1960er Jahren seien Fehler gemacht worden, die es jetzt auszumerzen gelte. »Ob diese Fehler aus Unkenntnis oder wegen finanzieller Einsparmaßnahmen geschehen sind, wissen wir nicht. Die Schäden waren aber nicht so schlimm«, gibt Fuchs zu verstehen. »Dennoch wollten wir es jetzt machen lassen. Im Moment können wir dafür die Zuschüsse der EKHN nutzen. Wer weiß, wie die Sache in ein paar Jahren aussieht.«

 

Ausweichgottesdienste im Gemeindehaus

 

Kirchenvorstand und Gemeinde ziehen dabei an einem Strang. Die Ausweichgottesdienste im evangelischen Gemeindehaus werden gut angenommen. Sie sind ja auch nichts wirklich Neues: Schon länger finden während der kalten Jahreszeit dort »Wintergottesdienste« statt. »Eine schöne Spendenidee ist unsere Dachpatenschaft«, sagt Pfarrer Christian Krüger. »Das gesamte Kirchendach wurde in 560 nummerierte Quadrate von jeweils 0,5 Quadratmeter eingeteilt. Für 50 Euro kann man Pate eines Stückes werden. Manche Leute haben auch gleich für mehrere bezahlt. Bisher gibt es 83 Dachpaten.«

Ein derart ambitioniertes Projekt fordert natürlich auch immer (vorübergehende) Opfer: Die Schleiereulen, die hoch oben im Dachstuhl genistet haben, wurden von Karbener BUND-Leuten ans Degenfeld’sche Schloss umgesiedelt. Nach der Renovierung sollen sie wieder in ihr Heim zurückkehren.

 

Schleiereulen umgesiedelt

 

Im Kircheninnern musste die Bürgy-Orgel von 1805 ausgebaut und zerlegt werden. Gegenwärtig hat sie eine Unterkunft im Schloss der Patronatsfamilie von Leonhardi gefunden. Im Gegensatz zu den Schleiereulen werden die acht historischen Grabplatten wohl nicht an ihren Platz zurückkehren. Die noch lesbaren sollen 2020 in einer Art Galerie im Pfarrgarten aufgestellt werden.

Die Kirchturmzierde hingegen strahlt schon jetzt golden in der Wintersonne. Warum die Kugel unterhalb des Wetterhahns leer ist, kann sich Pfarrer Krüger allerdings nicht erklären. »Andernorts befinden sich in solchen Behältnissen schriftliche Hinterlassenschaften für die Nachwelt«, weiß er zu berichten. »Schade, wir haben leider gar nichts darin gefunden.«

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