15. September 2019, 12:00 Uhr

Zehn Jahre Mittwochsmarkt

Groß-Karben: Frisches vor der Haustür kaufen

Der Mittwochsmarkt in Groß-Karben blickt auf eine wechselvolle Zeit zurück. Inzwischen ist er einigermaßen etabliert und hat in diesem Jahr zehnten Geburtstag.
15. September 2019, 12:00 Uhr

Drei verschiedene Standorte, ein ständiges Auf und Ab bei den Besucherzahlen, finanzielle Einbußen. Vor zwei Jahren stand die Veranstaltung fast vor dem Aus. Die Eröffnung der Nordumgehung und die Großbaustelle im alten Ortskern hatten den Wochenmarkt am Standort Hessenring ins Abseits manövriert. Von massivem Umsatzrückgang war die Rede. Die Stadt zog die Reißleine und verschaffte den vier Marktbeschickern gegenüber der Ladenzeile, auf dem Rathausparkplatz, eine neue Fläche. Seit 2017 kommen Marktgänger jetzt ans Karbener Bürgerzentrum. Dort können sie frische Produkte aus der Region kaufen, an den aufgestellten Tischen ein Schwätzchen halten oder einen Schoppen trinken. Es sind vor allem Stammkunden, die die Atmosphäre schätzen.

In diesem Jahr feiert der Mittwochsmarkt seinen zehnten Geburtstag. Seinen Anfang nahm er im September 2009 am Groß-Kärber »Dallesplatz« vor der evangelischen Kirche. Die Markttreibenden sind größtenteils von der ersten Stunde an dabei. Sie teilen gute Erinnerungen an die Anfangszeit in der Burg-Gräfenröder-Straße. Die Umsätze hätten gestimmt, erzählt Urgestein Berthold Witzel. Irgendwann seien aber die ganzen älteren Besucher weggestorben und die Nachfrage habe nachgelassen.

Kurze Wege

Gestern wie heute leuchten Obst, Gemüse und Blumen in allen Variationen am Verkaufsstand des Kloppenheimer Gärtners. »Am Nachmittag kommt noch meine Frau zum Helfen dazu«, sagt er. »Schließlich wollen wir ja noch weiter, nach Nieder-Wöllstadt, da ist heute nämlich auch Markt. Feierabend ist dann so gegen 19 Uhr. Da ist man schon froh, wenn man nicht alles alleine machen muss.«Einen Vorteil haben die Witzels aber: Aus Kloppenheim haben sie den kürzesten Anfahrtsweg, »können es einfach rollen lassen«, wie Berthold Witzel scherzhaft bemerkt.

Die anderen Anbieter kommen von weiter her. Frank Becker mit seinem »rollenden Tante-Emma-Laden« reist aus Rosbach an, die Metzgerei Baumann aus Hain-Gründau und der »Vulkanbäcker« sogar aus Schotten im Vogelsberg. Da stellt sich schon die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Man müsse den Aufwand eben so gering wie möglich halten, sonst lohne sich das alles überhaupt nicht, meint Witzel. Laufkundschaft hätten sie hier in Karben überhaupt nicht, sondern nur Stammkunden, die immer wieder kämen. »Mit zwei Euro pro Thekenmeter ist die Standgebühr allerdings nicht so teuer. Den Hänger laden wir schon am Dienstagnachmittag. Dann brauchen wir am nächsten Morgen nur aufzumachen. Viel Aufwand rentiert sich nicht.«

Frank Becker von »Beckers Shöpche« sagt ganz offen, dass er sich von dem Standort am Bürgerzentrum mehr erwartet hat. »Aus dem benachbarten Seniorenheim hatten wir uns schon etwas mehr Zulauf erhofft. Eine andere Hoffnung war das nahe Industriegebiet, wo Früh-und Nachtschicht gearbeitet wird. Aber auch von dort kommen eigentlich keine Kunden. Es lohnt sich nur noch bedingt«, bedauert der Rosbacher.

Schlange bildet sich

Am Metzgerwagen bildet sich dann aber doch eine Schlange. Auch den einen oder anderen Mitarbeiter der Karbener Stadtverwaltung kann man unter den Kunden erspähen. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn im Sortiment der Baumanns befindet sich eine prämierte hessische Fleischwurst. Wahrscheinlich sind es diese Spezialitäten, die letztlich doch den Unterschied zum Supermarkt ausmachen.

Simone Roßmus betreibt nebenan ein Wäschegeschäft. Zusammen mit ihrer Mutter Heidrun holt sie beim »Vulkanbäcker« immer Frühstück. »Wir unterstützen gerne die Kleinen vor Ort«, betont sie. »Irgendwie geht es uns allen ja gleich. Der Mittwochsmarkt ist eine tolle Sache, aber auch ihm fehlt einfach die Laufkundschaft.« Die zuständige Sachbearbeiterin bei der Stadt, Marietta Zillinsky, glaubt an die Zukunft des Marktes. Sie findet, »dass der Markt von den Einwohnern angenommen wird.« Allerdings sei der Umsatz stark von der Jahreszeit abhängig. Immerhin werde ab Anfang Oktober ein neuer Anbieter mit Feinkostprodukten dazu stoßen. Denkbar seien künftig auch frühere Öffnungszeiten.

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