28. Oktober 2019, 11:00 Uhr

Kidane besteht IHK-Prüfung

Großer Einsatz von allen Seiten für Flüchtling

Flüchtlingen Arbeit zu geben, das machen nur wenige Arbeitgeber. Einer von ihnen ist Bernd Kaffenberger, der in Bad Vilbel mehrere Rewe-Märkte betreibt. Einer seiner Schützlinge, ein Flüchtling aus Eritrea, hat kürzlich vor der IHK seine Prüfung bestanden.
28. Oktober 2019, 11:00 Uhr
Der aus Eritrea stammende und in Karben wohnende Flüchtling Bahrekat Sahle Kidane hat seine Prüfung als Verkäufer im Einzelhandel bestanden. Kaufmann Bernd Kaffenberger und Ute Giesler von der Flüchtlingshilfe Karben haben ihn bei der Ausbildung untersützt. (pe)

Ute Giesler, die sich sehr für ihn engagiert hat, strahlt übers ganze Gesicht, als Bahrekat Sahle Kidane das Büro von Kaufmann Bernd Kaffenberger betritt. Denn der 25-Jährige hat etwas geschafft, was er vor vier Jahren wohl selber nicht für möglich gehalten hätte. Vor Kurzem hat er die schriftliche und mündliche Prüfung als Verkäufer im Einzelhandel bestanden. Manche mögen nun mit den Schultern zucken, aber bis dahin war es ein sehr langer Weg, zumal für jemanden, der vor vier Jahren nach Deutschland geflüchtet ist und kein einziges Wort Deutsch gesprochen hat.

Kidane ist vor vier Jahren nach Karben zugewiesen worden, wohnte dann in der Flüchtlingsunterkunft in der Max-Planck-Straße. Die Flüchtlingsinitiative Karben betreut die in der Stadt lebenden Geflüchteten. Sie hilft ihnen, hierzulande Fuß zu fassen und im Kampf mit der deutschen Bürokratie. Und sie versucht, seit Jahren mit einigem Erfolg, durch Ansprechen von Arbeitgebern die zumeist jungen Leute in Arbeit zu bringen.

Kontakt zum Jobcenter

So war es auch bei dem Flüchtling aus Eritrea. Ute Giesler hat die Patenschaft für den jungen Mann übernommen. Sie habe Bernd Kaffenberger angesprochen und gesagt: »Wir haben hier einen unterstützungswürdigen jungen Mann«. Der Kaufmann habe von Anfang an den Flüchtlingen zumindest ein Praktikum ermöglichen wollen. »Doch das ist unmöglich, wenn kein Träger dahinter steht«, sagt er. Im Falle von Bahrekat klappte es aber. Denn hier setzte sich die Flüchtlingshilfe Karben, besonders Ute Giesler persönlich sehr ein. Sie half ihm bei der Kommunikation mit dem zuständigen Jobcenter in Friedberg. »Die Briefe, die ich von dort bekommen habe, habe ich gar nicht verstanden«, sagt der junge Mann. Ute Giesler setzte sich ein, suchte immer wieder Kontakt zum Jobcenter.

Nachdem Kaffenberger den Flüchtling ein Jahr als Aushilfe in einem seiner Märkte beschäftigt hatte, war es dann soweit: Er durfte, sozusagen mit Segen der Kreisbehörde, sein Praktikum antreten. Dann kam es noch besser: Der Kaufmann ermöglichte es ihm, auch noch, eine zweijährige Ausbildung als Verkäufer im Einzelhandel zu absolvieren. Denn Kaffenberger sagt, er habe von Anfang an einen guten Eindruck von dem jungen Mann gehabt. »Er hat arbeiten wollen, und es hat auch menschlich gepasst.«

Nachhilfelehrerin engagiert

Und so absolvierte er zuverlässig seine Ausbildung: Drei Tage war er vor Ort im Lebensmittelladen tätig, zwei Tage war er in der Berufsschule in Bad Nauheim. »Alle haben mich sehr gut unterstützt«, sagt Kidane heute. »Auch mein Klassenlehrer hat immer wieder geholfen.« Die Sprachkenntnisse des Eritreers besserten sich, schienen den Verantwortlichen aber nicht ausreichend zu sein, um die Prüfungen zu bestehen. Deshalb engagierte Kaffenberger sechs Monate vor der Prüfung auf seine Kosten noch eine Nachhilfelehrerin.

Gute Voraussetzungen, um für die Prüfung zu lernen, hatte der junge Mann. Denn der Flüchtlingshilfe war es nach Angaben Ute Gieslers mit Hilfe des Karbener Bürgermeister Guido Rahn gelungen, den jungen Mann aus der Gemeinschaftsunterkunft herauszubekommen und ihm eine städtische Wohnung in Rendel zu besorgen. Die Mühen lohnten sich: Kürzlich bestand der 25-Jährige sowohl die schriftliche als auch die mündliche Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg. »Jetzt habe ich ihn als unbefristete Vollzeitkraft eingestellt«, informierte der Kaufmann. Er ist sicher, dass Kidane weiterhin so fleißig bleibt. Ein Signal gibt es schon: »Er will eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann draufsetzen.«

Der erfolgreiche Flüchtling sagt, er sei allen sehr dankbar, die ihm geholfen haben. Seine Prüfung hat er nach Aussage seines Arbeitgebern auch nicht nur so gerade geschafft, sondern mit 90 von 100 möglichen Punkten. »Wir sind stolz auf die beiden«, betont Ute Giesler. Diese Erfolgsgeschichte zeige, dass es sich lohnt, Zeit zu investieren. Und Kaffenberger ergänzt: »Wir Geschäftsleute dürfen nicht auf die Politik warten. Der Mittelstand kann selber etwas tun.« Bernd Kaffenberger ist dafür ein gutes Beispiel. Er hat in seinen Läden zwischen 175 und 200 Leute aus 22 Nationen beschäftigt, unter ihnen 15 bis 18 Flüchtlinge. »Integration geht aber nur, wenn sich beide Seiten sich anpassen«, weiß er aus Erfahrung.

Bahrekat Sahle Kidane kann jetzt auf eigenen Beinen stehen, denn er verdient sein eigenes Geld. »Ich will unabhängig vom Jobcenter sein«, sagt er. Nach dem Fototermin eilt er über den Parkplatz - in den Rewe-Markt zu seinem Arbeitsplatz.

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