28. Oktober 2018, 23:58 Uhr

Grüne überholen SPD im Süden

28. Oktober 2018, 23:58 Uhr
Am Ende war sie doch nicht seine ärgste Konkurrentin (v. l.): Lisa Gnadl, Mirjam Fuhrmann und Stephanie Becker-Bösch (alle SPD) gratulieren Tobias Utter (CDU) zu seinem Direktmandat. (Foto: Nici Merz)

Bad Vilbel/Karben (kop). Als Landtagsabgeordneter so mancher Bad Vilbeler und Karbener Wahllokale kann sich der Grüne Clemens Breest mit einem Augenzwinkern bezeichnen. Denn hier hat er den ebenfalls aus Bad Vilbel stammenden Amtsinhaber Tobias Utter (CDU) in die Schranken gewiesen und als Direktkandidat die meisten Stimmen gezogen. Doch die Bad Vilbeler Grünen haben noch einen Grund mehr zur Freude, denn Kathrin Anders wird über die Landesliste in das Parlament einziehen.

Insgesamt werden somit acht Wetterauer im Landtag vertreten sein (Tobias Utter, Norbert Kartmann und Lucia Puttrich von CDU, Lisa Gnadl von der SPD, Kathrin Anders von den Grünen, Jörg-Uwe Hahn von der FDP sowie Klaus Herrmann und Andreas Lichert von der AfD).

Fokus auf Bad Vilbel

»Ich bin dankbar, dass wir unsere Anstrengungen der vergangenen Wochen so positiv abschließen konnten«, bilanziert Breest – er erhielt nach Auszählung von rund 90 Prozent der Wahllokale 21,3 Prozent der Erststimmen, die Grünen 23 Prozent der Zweitstimmen – dann auch, als sich sein Ergebnis im Laufe des Wahlabends immer mehr manifestiert. Die Wähler seien ihm aufgeschlossen und wohlwollend begegnet, der Einsatz auch weiter von Bad Vilbel weg habe sich gelohnt.

Mit seinem zweiten Platz könne er motiviert weitermachen. Breest freut sich auch darüber, dass mit Tobias Utter, Jörg-Uwe Hahn und Kathrin Anders gleich drei Vertreter aus Bad Vilbel kommen. Das habe sich schon bei der Hessentagsvergabe positiv ausgewirkt und werde weiter den Fokus auf die größte Wetterauer Stadt lenken.

Andere Erfahrungen hat Mirjam Fuhrmann, Bad Vilbeler Direktkandidatin für den Südkreis, im Wahlkampf gemacht. Sie muss sich mit dem dritten Platz zufriedengeben, erreichte 20,3 Prozent der Erststimmen, die SPD holte 17 Prozent der Zweitstimmen. »Ich hätte das so nicht erwartet, da hat wohl einiges mitgespielt, was wir in Hessen nicht zu verantworten haben«, spielt sie auf den Niedergang der Sozialdemokratie in Berlin an. Leute hätten ihr bei Gesprächen gesagt, dass die SPD nicht für sie wählbar sei und dass die Partei abgestraft werden müsse.

»Das muss Konsequenzen haben, wir in Hessen können aber nur wenig ändern«, ist sie überzeugt. Für sich selbst zieht sie den Schluss, der Kommunalpolitik treu zu bleiben. »Ich bin meinen Themen wie der Bildung nachgegangen, wollte authentisch bleiben.« Die SPD brauche nun vor allem junge Leute mit frischen Ideen.

Von Berlin ausgeblasen

Der Sieger des Abends, Tobias Utter (30,3 Prozent der Erststimmen, 29 Prozent der Zweitstimmen für seine CDU) zeigt Freude, dass er seine zehnjährige Arbeit in Wiesbaden fortsetzen kann, so wie seine Parteikollegen Norbert Kartmann und Lucia Puttrich in den beiden anderen Wetterauer Wahlkreisen. Doch auch er sieht seine Bemühungen »von Berlin ausgeblasen«, aber auch durch die Diesel- und Ausländerdebatte beschädigt. Er hätte für seine und die Leistungen der hessischen CDU ein besseres Ergebnis erwartet.

Dass Breest und nicht Fuhrmann sein ärgster Konkurrent werden würde, damit habe er durchaus gerechnet. Im Wahlkreis seien CDU, FDP und Grüne traditionell über dem Landesdurchschnitt, SPD, Linke und AfD hingegen darunter.

AfD auf dem Land erfolgreicher

Das hat sich auch für die AfD bewahrheitet. Während Klaus Herrmann im nördlichen und Andreas Lichert im östlichen Wahlkreis Ergebnisse weit über dem Landesdurchschnitt eingefahren haben, blieb Michael Kuger hinter der Durchschnitt zurück. Er erhielt 10,8 Prozent der Erststimmen, seine Partei 11,5 Prozent.

»Der Südkreis ist der schwierigste der drei Wetterauer Wahlreise«, gibt er zu bedenken. Trotzdem ist er mit seinem Ergebnis zufrieden und habe sich bei seinen Auftritten meist auf Bad Vilbel konzentriert. Für ihn deswegen schwierig, da die direkte Nähe zu Frankfurt ungünstig für seine Partei ausfalle. Auf dem Land sei sie viel erfolgreicher. Außerdem säßen hier Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) und Tobias Utter fest im Sattel.

Auf die FDP und Jörg-Uwe Hahn entfielen 7,9 Prozent der Erststimmen sowie 7,8 Prozent der Zweitstimmen. Anja El Fechtali (Linke) erhielt 4,2 Prozent der Erststimmen, ihre Partei holte 5,2 Prozent. Raimo Biere (Freie Wähler) holte vier Prozent, die FW 3,2.

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