Bad Vilbel & Karben

Gut für Umwelt und Geldbeutel

Sonnenkollektoren können mehr sein als eine umweltfreundliche Energiequelle. Für ihre Besitzer sind sie meist auch eine Geldanlage. Um darüber aufzuklären, unter welchen Voraussetzungen sich eine Solaranlage auf dem eigenen Dach lohnt, lädt die Naturschutzgesellschaft für heute Abend zu einem Vortrag ein. Wie eine Solaranlage zu einem Erfolg werden kann, zeigt dieser Erfahrungsbericht.
02. Juni 2019, 20:12 Uhr
Dominik Rinkart
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Am Wechselrichter im Keller kann Hans Blaschke genau ablesen, wie viel Strom gerade produziert und ins Netz eingespeist wird.

Sonnenkollektoren können mehr sein als eine umweltfreundliche Energiequelle. Für ihre Besitzer sind sie meist auch eine Geldanlage. Um darüber aufzuklären, unter welchen Voraussetzungen sich eine Solaranlage auf dem eigenen Dach lohnt, lädt die Naturschutzgesellschaft für heute Abend zu einem Vortrag ein. Wie eine Solaranlage zu einem Erfolg werden kann, zeigt dieser Erfahrungsbericht.

Das Wetter könnte nicht schöner sein. Hans Blaschke steht auf seiner Terrasse in Gronau und schaut in den Himmel. Die Sonne scheint, und die Temperatur liegt bei etwas über 20 Grad, ideal für seine 24 Solar-Module auf dem Hausdach. Seit neun Jahren erzeugen diese bereits Strom: »Ich hätte mir damals keine bessere Geldanlage aussuchen können«, schwärmt der Hausbesitzer. Solarstrom ist für ihn nicht nur eine Frage der Ökologie, sondern auch ein ökonomischer Gewinn.

Solarstrom vom eigenen Dach sei eine gute Sache, betont Blaschke. Er könne nur zu einer solchen Anschaffung raten. 4300 Kilowattstunden Strom erzeugt er statistisch in einem Jahr. In der Realität schwankt das zwar ständig, doch mit einem Verbrauch von jährlich 3000 Kilowattstunden ist der Eigenbedarf von ihm und seiner Frau sicher gedeckt.

Wäschewaschen nur am Tag

Inzwischen leben Hans Blaschke und seine Frau im Einklang mit dem Sonnenschein: »Die Waschmaschine läuft natürlich nur tagsüber«, erklärt er. Andrere Geräte programmiert das Paar meistens so, dass diese ebenfalls nur am Tag Strom verbrauchen. So können sie sich sicher sein, überwiegend den eigenen Strom zu verbrauchen. Der Rest fließt ins Stromnetz. Dafür hat Blaschke einen 20 Jahre laufenden Vertrag mit den Stadtwerken abgeschlossen, die den Netzbetreiber E.ON in Gronau formal vertreten.

Pro Kilowattstunde, die von Blaschkes Dach ins Netz fließt, erhält er einen kleinen Cent-Betrag. Im Jahr kommen so satte 1400 Euro zusammen. Spätestens im nächsten Jahr habe sich die Anschaffung der 14 000 Euro teuren Anlage damit rentiert - die gesparten Stromkosten ausgenommen. Für Blaschke wird es daher Zeit für den nächsten Schritt. Im Februar hat er sich einen neues Auto bestellt: einen Plug-in-Hybrid. »Da war auch etwas Sicherheitsdenken dabei«, erklärt Blaschke die Entscheidung. Zudem hätte ein reines E-Auto eine noch längere Lieferzeit. Bald soll das Auto da sein und - natürlich - mit Strom vom eigenen Dach geladen werden.

Ziel Energieautark nicht erreicht

Dafür hat Blaschke einen neuen Stellplatz gebaut und eine sogenannte Wallbox neben der Terrasse anbringen lassen. In zwei Stunden soll dann das Auto aufgeladen sein und für 70 Kilometer Energie haben. »Das reicht entspannt für den Alltag.«

Für ihn erfüllt sich damit ein Teil eines weitreichenden Plans. Denn endet in elf Jahren sein aktueller Vertrag, wird er höchstwahrscheinlich keine so guten Konditionen mehr für seinen Strom bekommen wie noch im Jahr 2010. »Ich habe darauf gesetzt, dass bis 2030 Energiespeicher und E-Autos deutlich weiterentwickelt sind«, erklärt er seine damaligen Überlegungen.

Das ganz große Ziel, energieautark zu leben, kann Blaschke jedoch nicht erreichen. Da die Solarmodule Gleichstrom erzeugen und der Haushalt auf Wechselstrom basiert, hängt im Keller ein sogenannter Wechselrichter. Auch der braucht Strom, und dieser muss zwingend von einer externen Quelle kommen. »Sollte die Feuerwehr aus Sicherheitsgründen mal den Strom im Viertel abschalten müssen, ginge es natürlich nicht, wenn ich hier noch eigenen Strom produziere«, erklärt er die Hintergründe.

Jeden Abend geht Blaschke in den Keller und liest am Wechselrichter ab, wie viel Strom er über den Tag »geerntet« hat. Die Leistung seiner Anlage im Blick zu haben, ist inzwischen sein Ruhestandsprojekt geworden. Der Blick des 70-Jährigen geht dabei stets in den Himmel. Mit der Zeit, so habe er gelernt, müsste die Ablage etwas an Leistung verlieren. Nach neun Jahren sei davon aber noch nichts zu merken. Blaschke hat dafür eine erschreckende Vermutung: »Der Leistungsverlust wird durch den Klimawandel ausgeglichen.« Hans Blaschke jedenfalls ist stolz, mit seiner Anlage etwas für die Umwelt zu tun.

Die Bad Vilbeler Naturschutzgesellschaft (NSG) lädt für heute (19 Uhr) zu einer Info-Veranstaltung ins Haus der Begegnung, Markplatz 2, ein. Experte Diethardt Stamm stellt dabei das Hessische Solarkataster vor. Jedes Dach im Raum Bad Vilbel könne damit auf Photovoltaik-Eignung analysiert werden. Zudem ließe sich berechnen, welche Erträge die Anlagen auf der Basis der aktuellen Vergütungen erwirtschaften könnten.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/badvilbelkarben/Bad-Vilbel-Karben-Gut-fuer-Umwelt-und-Geldbeutel;art469,597200

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