29. Mai 2019, 14:00 Uhr

Oberburg

Handwerker in den Startlöchern

Philipp Freiherr von Leonhardi ist neuer Burgherr der Oberburg. Er muss das Gebäude in Burg-Gräfenrode sanieren. Die Interessengemeinschaft, die sich gegen den Verkauf stemmte, übt Kritik.
29. Mai 2019, 14:00 Uhr
Die Oberburg wird in den nächsten Monaten saniert. Der neue Eigentümer Philipp Freiherr von Leonhardi vermitet das Erdgeschoss an die evangelische Kirchengemeinde Burg-Gräfenrode, in den ersten Stock zieht er mit seiner Familie selber ein. (Fotos: Pegelow/pv)

Idylle pur in der Burgstraße in Burg-Gräfenrode: Die Bäume sind voll belaubt, die Vögel zwitschern, kein Mensch weit und breit. Ruhig ist es rund um die Oberburg an diesem Vormittag. Wer als Besucher hierher kommt, ahnt gar nicht, welchen Trubel es zuvor um dieses Gebäude aus dem 15. Jahrhundert und die große Grünanlage gegeben hatte.

Fast ein Jahr war über den von der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau und der örtlichen Kirchengemeinde geplanten Verkauf diskutiert worden. Anfang Mai 2018 war diese Absicht bekannt geworden, und mit Philipp Freiherr von Leonhardi gleich ein Kaufinteressent präsentiert worden.

Öffentliche Ausschreibung

Der hatte, nachdem die Kirche wegen des Gegenwindes der Bürger zu einer öffentlichen Ausschreibung gezwungen war, letztlich in diesem Frühjahr doch den Zuschlag bekommen. Aber nur für das Gebäude samt angrenzender Freiflächen. Der Park mit Spielplatz ist an die Stadt Karben gegangen. In einer Gemeindeversammlung am 7. Mai war das Verkaufsergebnis mit einem Gesamterlös von 800 000 Euro bekanntgegeben worden. Mittlerweile sind alle Verträge unterschrieben, die Schlüssel für das Gebäude übergeben worden.

Schlecht für die Kirche

Seitens der Interessengemeinschaft, die den Verkauf des Anwesens verhindern wollte, heißt es nun, der Investor habe »ein gutes Geschäft« gemacht, die örtliche Kirche aber nicht. Die 532 Unterschriften hätten dokumentiert, dass der Wunsch des Verbleibes der Oberburg in der Kirchengemeinde überwogen habe. Die Mehrheit des Kirchenvorstandes sowie das Dekanat seien davon »völlig unbeeindruckt«, das Verfahren zudem intransparent. Die Interessengemeinschaft betont, mit dem von ihr vorgelegten Konzept wäre es möglich gewesen, das Gebäude wirtschaftlich zu machen und auszulasten.

Gegner wollten Spenden sammeln

Gerade das bestreiten die Befürworter des Verkaufs. Pfarrer Eckart Dautenheimer sagt, bei der Frage, wie die Gelder für Sanierung und Unterhalt des Gebäudes akquiriert werden könnten, hätten die Auffassungen »weit auseinander« gelegen. Bei den Gegnern wird indes argumentiert, dass man bei der 120 000 Euro teuren Sanierung des Lieselturms allein 40 000 Euro an Spenden gesammelt habe. Das Dekanat weist den Vorwurf mangelnder Transparenz zurück. Sprecherin Claudia Pfannemüller sagt, das Verfahren sei sehr wohl transparent gewesen. Die Burg und das Gelände seien im Immoscout öffentlich ausgeschrieben gewesen. Von den 30 Kaufinteressenten für die Oberburg seien am Ende nur zwei bereit gewesen, die geforderten Auflagen zu akzeptieren und vertraglich zuzusichern, das Außengelände nicht zu bebauen.

Geld für Kichenunterhalt

Was den Erlös angeht, rechnet die Dekanatssprecherin vor: Die Kirchengemeinde habe mit dem Erlös genug Geld in der Rücklage, um auf Dauer den Erhalt und die Renovierung der historischen Kirche zu sichern.

Auf 20 Prozent des Erlöses könne die Gemeinde direkt zugreifen. Die übrigen 80 Prozent des Veräußerungserlöses bleiben nominal weiterhin im Eigentum der Kirchengemeinde als Pfarreikapitalien und würden durch die Pfarreivermögensverwaltung in Darmstadt verwaltet. »Gewinne daraus können aber ebenfalls für die Gemeinde eingesetzt werden.«

Überraschungen eingeplant

Der neue Eigentümer hofft, dass noch im Juni mit den Elektroarbeiten begonnen werden könne. Auch mit anderen Handwerkern habe er schon Gespräche geführt. »Wir wissen aber, dass es sehr viel Arbeit wird«, sagt er gegenüber dieser Zeitung. Es könne auch sein, dass man »beim Altbau noch Überraschungen erlebt«. Er sei sicher, mögliche Problem meistern zu können.

Nun hofft die Kirchengemeinde, dass die Räume im Erdgeschoss renoviert werden, sodass dort die Gemeindearbeit wieder aufgenommen werden könne. »Wir haben dort sogar noch ein paar mehr Quadratmeter als zuvor geplant zur Verfügung«, sagt Dautenheimer. Dort könne sich wieder der Seniorenkreis treffen, das Osterfrühstück könne stattfinden, und es werde dort auch Konfirmandenunterricht geben. »Ich finde, der Verkauf von Gebäude und Freifläche ist ein Gewinn für die Gemeinde.«

Der neue Burgherr betont, er könne nachvollziehen, dass sich Leute für das Gebäude engagiert hätten. »Aber ich werde zeigen, dass hier eine gute Lösung gefunden worden ist«.

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