29. Dezember 2017, 20:02 Uhr

»Heimat ist ein Gefühl«

29. Dezember 2017, 20:02 Uhr
Pfarrer Werner Giesler mit Purita Botz (M.) und Muriel Menzel in der Kirche. (Foto: pv)

Der letzte Rendeler »etwas andere Gottesdienst« des Jahres am zweiten Weihnachtsfeiertag drehte sich um das weihnachtliche Themengebiet »Vertreibung – Zuflucht – Ankunft«. In diesem Jahr waren unter dem Titel »Heimat ist ein Gefühl« zwei »etablierte Eingeplackte« eingeladen, um über ihre Erfahrungen mit dem Thema Heimat zu berichten: die Rendelerin Muriel Menzel aus Paris, Bibliothekarin, Vorstand des TV Rendel und Vorsitzende des Karbener Partnerschaftsvereins, sowie die Klein-Kärberin Purita Botz aus Spanien, Modedesignerin und Malerin.

Zwei Liedtexte stellte Stephan Kuger vom Kirchenvorstand in seiner Begrüßung voran: das Wanderlied »Nun ade Du mein lieb Heimatland«, das Heimat am Ort des Aufwachsens verortet, und Herbert Grönemeyers Wiedervereinigungssong »Heimat«, dessen Refrain: »Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl« Titelgeber für den Gottesdienst gewesen war. An die Schwierigkeit mit dem Heimatbegriff erinnerte Pfarrer Werner Giesler anhand eines harmlosen Heimatgedichtes aus dem Norddeutschen, das – obschon im 19. Jahrhundert geschrieben – von den Nationalsozialisten als Lied vertont und für deren Zwecke missbraucht wurde. Pfarrer Giesler verbindet als gebürtiger Bad Schwalbacher Heimat eher örtlich: endlose Wälder und steile Anstiege, wohin er manchmal zurückversetzt werde, wenn er durch andere Wälder streife. Aber zu Hause sei er hier in Klein-Karben. »Die Heimat gibt mir Verankerung in der Welt, das Zuhause lässt mich in der Welt geborgen sein. Heimat und Zuhause müssen nicht, aber können dasselbe sein«.

Dazu folgten sieben Impulse, sich dem komplexen Thema zu nähern. Muriel Menzel, die von ihrer familiären Weihnachtsgesellschaft begleitet wurde, bestätigte, dass auch für sie trotz ihres Rendeler Zuhauses Paris ihre Heimat bleibe. Mit Purita Botz gemein habe sie das Glück gehabt, bereits früh durch ihren deutschen Mann die wesentliche Verbindung zur Kultur des neuen Landes erhalten zu haben. Während Frau Botz mit stockender Stimme von ihrem Heimweh und den Vorbehalten ihrer Mutter vor dem deutschen Freund berichtete und wie sie und er schließlich mithilfe mehrerer Fürsprecher und Zufälle doch noch zusammenkamen, konnte Frau Menzel als Zeichen für Ihre Aufnahme in die neue Familie erleben, dass der achtzigjährige Großvater ihres Mannes extra einen Französisch-Volkshochschulkurs für die Hochzeitsansprache belegt hatte. Sie erinnere sich jedoch auch an die respektlose Behandlung auf dem Amt. Die Deutschen hätten es ihr aber nicht schwer gemacht und ihre Offenheit erwidert, betonte Purita Botz. Ihr sei es ein Bedürfnis mitzuteilen, dass wesentlich für eine Integration die Sprache, eine sinnvolle Betätigung und Vereine seien: »Wer sich langweilen muss, kommt auf dumme Gedanken.«

Das Podium schloss sie mit dem Friedensappell, dass Gott keine Grenzen kenne: »Ob Christen, Muslime oder Buddhisten, wir sind alle Gottes Kinder!« Die Lieder »Herr Deine Liebe ist wie Gras und Ufer … und wie ein Zuhaus« und »Bei Dir bin ich geborgen« drückten schließlich die Sehnsucht nach einem religiösen Zuhause aus, ehe Pfarrer Giesler den Gottesdienst mit Fürbitten, Vaterunser und dem Segen beendete. Die Diskussion ging allerdings beim Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst weiter.

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