15. Juni 2018, 20:17 Uhr

»Ich bin, was ich bin«

Ein Hauch von Broadway weht mit dem von Regisseur Benedikt Borrmann pfiffig wie kurzweilig inszenierten Musical »Ein Käfig voller Narren« durch die Festspielstadt Bad Vilbel. Die Wasserburg wird zum »La Cage« (Käfig) und damit zum angesagtesten Nachtclub von St. Tropez.
15. Juni 2018, 20:17 Uhr
14 Lieder und fantastische Tänzerinnen und Tänzer reißen das Publikum in der Wasserburg im Musical »Ein Käfig voller Narren« von den Stühlen. (Fotos: Sommer/pv)

B esitzer des Travestie-Clubs in St. Tropez ist das Paar Georges (Norbert Wendel) und Albin (Andrea Matthias Pagani). Albin feiert auf der Bühne des »La Cage« als Travestie-Star Zaza große Erfolge, besticht privat durch Menschlichkeit und Größe. Mit dem weltweit bekannten Lied »I am what I am« (Ich bin, was ich bin, und was ich bin, ist ungewöhnlich) wirbt das Paar um Respekt und Anerkennung für seine sexuelle Orientierung. Sie unterstreichen ihren Anspruch, sich nicht wie jeder Hetero- sexuelle auch, verschämt verstecken zu müssen. Denn das Leben ist keinen Pfifferling wert und nur eine Täuschung, bis man endlich sagen kann: »Hey Welt. Ich bin, was ich bin«. Ein Satz, der schnell gesagt ist, den jeder sofort unterschreiben kann.

Die Welt von Georges und Albin droht aus den Fugen zu geraten, als der gemeinsam aufgezogene Sohn von Georges, Jean-Michel (Krisha Dalke), Folge eines erotischen »Ausrutschers«, sich in Anne Dindon (Janice Rudelsberger) verliebt und sie heiraten will.

Welten prallen aufeinander

Seine künftigen Schwiegereltern, die trinkfreudige wie dumme Marie Dindon (Silke Dubilier) und ihr Ehemann, der konservative wie gemeine Politiker und Vorsitzende der »Partei für Tradition, Familie und Moral«, Edouard Dindon (Kai Möller), haben sich zum Besuch angesagt. Albin, der das Paar als Albert (genannt Al) dem angeblichen Onkel von Jean-Michel, begrüßen soll, schlüpft dagegen in die Rolle der abwesenden leiblichen Mutter Sybille. Das geht gut, bis die Gäste erkennen, dass sie in einem »Käfig voller Tunten, Transsexueller, Transvestiten und Homosexueller« gelandet sind. Zwei verschiedene Welten prallen aufeinander. Die Bandbreite der Gefühle der Personen werden vor allem mit den Liedern transportiert. Zweifel, Ängste und Alter besingt Albin in »A little more Mascara«, Liebesgefühle Jean-Michel in »With Anne on my arm« und Georges in »Song on the sand«.

Witzige-spritzige Tanzszenen in der Choreografie von Myriam Lifka und Dialoge über ernste Themen wie Respekt, Anerkennung und Liebe wechseln einander ab. Musikalisch in Szene gesetzt wird das Musical live von Leiter, Arrangeur und Keyboarder Markus Höller, den Keyboardern Antonia Keßler und Jana Marinova, an den Drums Valery Brusilovsky, den Bassisten Harold Nardelli, Reed Jens Hunstein und Andreas Pompe, den Posaunisten Carlo Eisenmann und Berk Schneider sowie den Trompetern Markus Privat und Mario Roth.

Pia Oertels Bühnenbild besticht vor allem mit zwei High Heels, von denen einer zugleich Showtreppe, Garderobe, Nachtclub und mehr ist. Kostümbildnerin Anja Müller hat die Darsteller perfekt mit passenden Kostümen von sexy über glitzernd mit wippenden Federn bis konservativ ausgestattet.

Regisseur Benedikt Borrmann und Produktionsdramaturgin Angelika Zwack gelingt es bei aller Show, die wichtigen Aussagen des Stückes von Jean Poiret in der Übersetzung von Erika Gesell und Christian Severin und des Musicals von Jerry Herman und Harvey Fierstein zu transportieren.

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