27. Juni 2019, 20:46 Uhr

Im Geiste Büchners handeln

27. Juni 2019, 20:46 Uhr
Die Sechstklässler des GBG lernen etwas über andere Kulturen. (Foto: Tischner)

»Kräfte lassen sich nicht mitteilen, sondern nur wecken«, lautet einer der berühmtesten Sätze des Schriftstellers Georg Büchner. Ihm hätte wohl gefallen, was am Georg-Büchner-Gymnasium (GBG) in der Kernstadt am Mittwoch los war: Einen ganzen Tag lang setzen sich die Schüler der fünften bis neunten Klassen mit dem Thema Menschenrechte auseinander. Der Namensstifter der Bad Vilbeler Schule gilt als Vordenker des 19. Jahrhunderts. Schon 1837 zeichnete er in seinem Drama »Woyzeck« nach, an welche Abgründe es einen Menschen führt, wenn er seiner Würde beraubt wird. Mit seinen teils hochpolitischen Werken, wollte er seine Zeitgenossen animieren, gesellschaftliche Zustände zu hinterfragen.

Diesen Geist will man sich in der Saalburgstraße 11 bewahren. »Die Schüler sollten aktiv werden, über den Tellerrand hinausschauen und sich fragen, was sie selbst für die Menschenrechte tun können«, erklärt Lehrerin Silke Schellhaaß, die den Aktionstag gemeinsam mit ihren Kollegen Elly Eise und Michael Reißfelder organisiert hat. Eingebunden in das Projekt war ein großer Teil der insgesamt 110 Lehrkräfte. Sie hatten außerdem Menschenrechtsorganisationen wie UNICEF und Amnesty International eingeladen. »Die Menschenwürde sollte mehr geschätzt werden«, findet Schellhaaß.

Jede Klassenstufe setzte sich mit einem anderen Themenbereich auseinander, in Workshops, Diskussionen und Theatervorführungen. Die Fünftklässler befassten sich mit »Nachhaltigkeit als Grundlage für ein menschenwürdiges Leben«. Sie bastelten aus alten Kalendern Postkarten, maßen auf einer Weltkarte den Weg, den ein Handy in seiner Produktion zurücklegt, und lernten, wie lange es dauert, bis eine Plastikflasche verrottet. Bei den Sechstklässlern stellten Schüler mit Migrationshintergrund Kulturen aus aller Welt vor und brachten dafür landestypische Speisen mit.

Die Schüler der siebten Klasse erfuhren von UNICEF, was es heißt, sich für Kinderrechte einzusetzen. »Nicht nur Kinderarbeit gibt es, sie müssen auch als Soldaten arbeiten«, hat etwa die vierzehnjährige Virginia gelernt. »Den Kindern geht es schlecht und nicht nur UNICEF hilft, auch Promis engagieren sich ehrenamtlich. Es ist ein wichtiges Thema, durch das man die Probleme der Welt erst richtig realisiert.«

In der achten Klasse ging es um Diskriminierung und Vorurteile. Die Jugendlichen bewerteten in einem Workshop der Anne-Frank-Bildungsstätte Fragen wie: Kann man einen dunkelhäutigen Menschen Fragen, woher er kommt? »Man muss bedenken, welche Gefühle und Emotionen solche Fragen in der Person auslösen«, sagt später die 14-jährige Laura. »Man muss mehr nachdenken, was man die Leute fragt und wie sie sich dabei fühlen könnten.«

Eine andere Klasse setzte sich mit Homo- und Transphobie, den Geschlechterrollen und Intersexualität auseinander.

Sie entwickelten unter Anleitung zweier Schauspieler des Schultheater-Studio Frankfurt Szenen, die zeigen sollten, wie »typisch schwule« und »typisch lesbische« Menschen aussehen. Dabei sollten sich die Teenager fragen, ob man jemandem tatsächlich ansehen kann, ob er oder sie homosexuell ist.

Für die Schulgemeinschaft war der Aktionstag ein voller Erfolg. Er fand zum dritten Mal statt. Und auch für das kommende Schuljahr ist er wieder eingeplant. Bis dahin haben die Schüler jedenfalls genug Denkanstöße für die Sommerferien gesammelt.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Amnesty International
  • Georg Büchner
  • Kunstwerke
  • UNICEF
  • Woyzeck
  • Zeitgenossen
  • Bad Vilbel
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 x 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.