24. Juli 2019, 17:00 Uhr

Karben

Im Repair-Café fehlen Ersatzteile

Seit Februar 2016 tüfteln ehrenamtliche Fachleute im Reparatur-Café des Mehrgenerationenhauses in Karben. Doch was ist, wenn den Einrichtungen die Ersatzteile fehlen? Elektroingenieur und Elektromechaniker Georg Raabe hat eine Idee. Doch die stößt nicht auf Gegenliebe.
24. Juli 2019, 17:00 Uhr
Elektroingenieur Georg Raabe tüftelt gerne. Manchmal geht ihm die Puste aus, wenn keine Ersatzteile zur Verfügung stehen. Doch seine Initiative stößt auf keine Gegenliebe.

Repair-Cafés haben sich zum Ziel gesetzt, unentgeltlich Haushaltsgeräte zu reparieren oder zu warten. Viele Reparaturen sind nicht wirtschaftlich, vermeiden aber Müll. In vielen Fällen bringen Besucher lieb gewonnene Haushaltsgegenstände wie den Staubsauger oder die Lego-Lok mit. »Ein Problem bei den Reparaturen sind die Ersatzteile«, sagt Raabe. Nach mehreren Jahren ehrenamtlicher Reparaturarbeit im MüZe Karben und im Repair-Café Friedberg stellt er fest, dass es hilfreich wäre, aus dem Wertstoffhof Kleinstmengen zu beschaffen.

Alte Nussmühle repariert

In Frankfurt, sagt Raabe, seien in den letzten Jahren in jedem Stadtteil Reparatur-Initiativen entstanden. Die Stadt nenne zwölf Repair-Cafés auf ihrer Website. In einem Brief an die Frankfurter Entsorgungs-und Service GmbH (FES) machte der 65-Jährige deshalb den Vorschlag, den Mitarbeitern Handlungsfreiheit für die Entnahme von kleinen Mengen an Elektro- oder Elektronikteilen zu geben. Für die Entnahme könne eine geringe Gebühr verlangt werden. An einigen Beispielen verdeutlichte Raabe die Größenordnung der Entnahme. Bei einer Nussmühle war nach 40 Jahren das Befestigungsauge der Kurbel gebrochen. Aus einem Stück Flachstahl, einem Geschenk der örtlichen Schlosserei, und achtstündiger Säge- und Feilarbeit entstand eine Ersatzkurbel. Nicht nur die Besitzerin ist glücklich, sondern der Betrieb der Nussmühle für viele weitere Jahre gesichert. »Bei einem kaputten Netzteil eines Tischstaubsaugers könnte ein Steckernetzteil aus der Entsorgung helfen, oder bei gebrochenen Kabeladern im Anschlusskabel eines Bügeleisens«, sagt Raabe.

Trotz aller Bemühungen erhielt er von der FES einen ablehnenden Bescheid mit der Begründung, dass »aus rechtlichen und umgangsformellen Gründen keine Materialien, welche von Bürgern bei uns abgegeben werden, externen Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Diese werden dem vorgegebenen Entsorgungsweg zugeführt«. Raabe findet das schade und könnte sich vorstellen, dass es projektgebunden eine Möglichkeit gibt, Ersatzteile zu erhalten, etwa im Rahmen eines Elektronik-Kurses für Kinder

Die Arbeit im Repair-Café macht ihm großen Spaß. Er repariert nicht nur »die Schätze fremder Menschen«, sondern trägt auch zur Ressourcenschonung bei. »Die Entnahme von Kleinstmengen für Repair-Cafés ist nicht möglich, auch nicht gegen Entgelt. Es gibt ein eigenes System vom Wetteraukreis für die Recyclinghöfe«, sagt Dieter Leonhardt, Leiter des Wertstoffhofes Karben, und verweist an den Abfallwirtschaftsbetrieb des Wetteraukreises.

Dessen Betriebsleiter Dr. Jürgen Roth sagt: »Es ist ein schwieriges Thema, zu definieren, was Kleinstmengen sind und wozu die Entnahme führt. Es geht um die Praxis auf den Höfen.« Roth befürchtet, dass Personen damit beginnen würden, die Sachen auseinanderzunehmen, die die Mitarbeiter zuvor mühsam zusammengesammelt haben. Denn diese werden abgeholt und der Weiterverarbeitung zugeführt. Mitarbeiter der Behindertenhilfe demontieren die Geräte. Eine Demontage vor Ort im Bereich Kleinstmenge funktioniere nicht.

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