13. Juli 2018, 20:00 Uhr

Imker aus Leidenschaft

Er erscheint in T-Shirt und kurzer Hose. Dabei will der Hobbyimker Stefan Erb in Petterweil gleich seine vier Bienenvölker kontrollieren. Ob das ohne Stiche abgeht?
13. Juli 2018, 20:00 Uhr

Am Zaun zum angrenzenden Apfelbaumgrundstück stehen vier hölzerne Baukastensätze. Es summt und brummt, die Sonne brennt. Die ersten Bienen umschwirren die beiden Besucher, als sie nähertreten. Es ist eine Menge los heute. Die Tiere fliegen raus und rein in die Holzhäuser. Sie gehören dem Karbener Hobbyimker Stefan Erb. Er ist gekommen, um seine Völker zu kontrollieren. Vier sind es, zu je 35 000 bis 40 000 Bienen. Das kann ja heiter werden, wenn die Kästen geöffnet werden und alle umherschwirren, denkt sich der Redakteur, den es schon beim bloßen Anblick der flinken Flieger kribbelt. Doch Erb bleibt gelassen. »Ich habe brave Bienenvölker«, schmunzelt er. Was noch zu beweisen wäre.

Dann geht es los, der Redakteur bleibt in sicherem Abstand. Erb entfacht ein kleines Feuerchen, damit die kleinen Flieger etwas auf Abstand bleiben. Dann hebt der Hobbyimker den Aludeckel des ersten Holzhauses, stellt den obersten Kasten zur Seite. Nach und nach zieht er die hölzernen Waben heraus, kontrolliert, ob alles in Ordnung ist. Für den Imker heißt das: »Gibt es Eier, sehe ich dort Maden oder habe ich eine verdeckelte Brut? Und vor allem: »Ist die Königin da?« Sie ist, und auch die Eier, und der erste Honig, wie sich bei der Kontrolle zeigt. Dann baut der 48-Jährige wieder alles zusammen und geht nach und nach an die anderen Stöcke.

Das macht er einmal pro Woche, ansonsten sind die Völker sich selbst überlassen. Die kommen auch prima zurecht, denn in den Stöcken herrscht Ordnung. »Alle haben ihre Aufgabe, und alles greift ineinander«, erzählt Erb. Die Bienen sorgen sogar für eine gleichmäßige Temperatur in ihrem Haus. »Die liegt bei der Brut bei 36 Grad.« Erb erzählt dazu Erstaunliches: »Die Bienen fliegen aus, sammeln Wasser und bringen das in den Stock. Und dann wedeln sie mit den Flügeln, sodass das Wasser verteilt wird und die Tiere kühlt.« Heute hat der Imker aber zusätzliche Abkühlung dabei, wenn auch vordergründig dafür, um die Tierchen auf ihren Waben zu halten. Er sprüht tatsächlich Wasser drauf. »Das macht ihnen nichts aus, im Gegenteil, sie genießen es.«

Ausgleich zum Bürojob

Während die Bienen sich in der warmen Jahreszeit durch ein ausgeklügeltes System selber kühlen, machen sie im Winter das genaue Gegenteil. »Da heißt es: fressen, wärmen, fressen, wärmen«. Tatsächlich würden die Tiere in den Stöcken Trauben bilden und somit näher zusammenrücken.

Erb weiß noch viel mehr über Bienen, gibt jede Menge weiterer Informationen. Man merkt ihm an: Hier imkert jemand mit Leidenschaft. Dabei hat sich Stefan Erb erst vor sechs Jahren entschlossen, dieses Hobby auszuüben. Seine Verbindung zu Bienen und zum Imkern datiert viel weiter zurück. »Der Opa meiner Frau war Imker im Vogelsberg. Da habe ich das schon vor 20 Jahren gesehen und fand es total super.« Aber zunächst hat er sich der Familie gewidmet.

Beruflich hat Erb so gar nichts mit der Natur zu tun. Im Gegenteil: Er sitzt am PC in einer Buchhaltung, »da habe ich nur mit Zahlen zu tun«. Doch vor sechs Jahren googelte er, nach einem Ausgleich suchend, nach einem Imkerverein und stieß auf den in Schöneck-Büdesheim. Mit dem Vorsitzenden habe er sich zusammen um ein Jungvolk gekümmert. »Bienenzucht ist nämlich reine Praxis.« Dennoch: Ohne fundiertes Wissen geht es nicht, und so absolvierte er beim Hessischen Bieneninstitut in Kirchhain bei Marburg einen Lehrgang. An sechs Tagen fuhr er über ein Jahr verteilt dorthin und eignete sich jede Menge Wissen an.

Dort kaufte er sich auch sein erstes eigenes Volk, das er auf den Hof seiner Schwiegereltern am Eckardsgraben nach Petterweil brachte. Inzwischen stehen dort besagte vier Völker. Acht hat Stefan Erb insgesamt. Die bringen ihm im Frühjahr 30 Kilo Honig ein und im Sommer nochmals rund 20 Kilo. Der Honig wird direkt auf dem Hof verkauft. Nach einer Dreiviertelstunde sind alle Völker kontrolliert. »Alles in Ordnung«, freut sich der Hobbyimker. Und mit ihm der Redakteur, letztlich auch deshalb, weil er kein einziges Mal gestochen wurde.

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