18. April 2019, 14:00 Uhr

Stadtbüchereien

Karbener Büchereien im Aufwind

Mehr Entleihungen, mehr Anmeldungen, mehr Besucher als im Vorjahr. Mit den Karbener Büchereien geht es aufwärts. Bei der Vorlage der Statistik für 2018 haben die Verantwortlichen aber schon auf das vierte Quartal dieses Jahres geblickt. Denn da passiert etwas sehr Wichtiges.
18. April 2019, 14:00 Uhr
Sie haben gut lachen, als sie die Karbener Büchereistatistik für 2018 vorstellen (von links): Bürgermeister Guido Rahn, Kulturausschussvorsitzende Sabine Helwig, Stadträtin Rosemarie Plewe und Büchereileiterin Antonia Berberich. (Foto: pe)

Konkurrenz belebt das Geschäft, heißt es immer. Was positiv klingt, hat häufig eine Kehrseite. Denn als die Bad Vilbeler Mediatheksbrücke über die Nidda im Jahr 2013 eröffnete, brachen die Entleihzahlen der Karbener Büchereien im Folgejahr ein. Statt rund 95 000 Entleihungen verzeichneten die Karbener Büchereien gerade noch knapp 78 000. Doch dieser Einbruch ist überwunden. Denn so ganz langsam nähert man sich wieder den Ausleihzahlen von 2013 an. Immerhin 85 100 Entleihungen verzeichneten die zentrale Bücherei im City-Center sowie die drei Stadtteilbüchereien in Rendel, Burg-Gräfenrode und Petterweil. Und die Zahl der Neuanmeldungen stieg von 2017 nach 2018 von 169 auf 187.

Das geht aus der Statistik 2018 hervor, die Bürgermeister Guido Rahn (CDU), Stadträtin Rosemarie Plewe (FW) und Büchereileiterin Antonia Berberich jetzt vorgestellt haben. Verglichen mit dem Jahr zuvor ist die Zahl der Entleihungen sogar wieder gestiegen. »Als Vilbel eröffnet wurde, hatten wir einen Einbruch. Inzwischen sind aber viele abgewanderte Leser wiedergekommen«, sagt sie lächelnd bei der Vorlage des Zahlenwerks, das sie jährlich erstellen muss. Die meisten Ausleihen gibt es naturgemäß in der zentralen Bücherei mit rund 54 500, doch Petterweil bringt es immerhin noch auf etwa 11 000. Die Statistik belegt auch, an welchen Tagen wie viel ausgeliehen worden ist. »Der Samstag ist weiterhin der beliebteste Tag, häufig kommen samstags Familien in die Bücherei, oft auch Väter mit Kindern, die unter der Woche keine Zeit haben«, hat Antonia Berberich notiert.

Neue Bücherei hat bessere Aufenthaltsqualität

Außer den Entleihzahlen geben vor allen die Besucherzahlen den Verantwortlichen wichtige Hinweise auf die Akzeptanz der Büchereien. Hier liegt das City-Center mit fast 19 000 Besuchen ganz weit vorne. Das könnten nach Meinung der Verantwortlichen aber mehr sein. Den Grund nennt Stadträtin Rosemarie Plewe: »Die Bücherei hat leider keine Aufenthaltsqualität.« Will heißen: Hier halten sich die Leseratten und Bücherwürmer nicht gerne auf. »Es gibt auch keine Arbeitsplätze für Schüler und Studenten.« Das alles solle ab Oktober am neuen Büchereistandort geschaffen werden, kündigen Plewe, Berberich und der Bürgermeister an.

Längst hat die Stadt mit dem Eigentümer der Häuser auf dem Dreiecksgrundstück einen Mietvertrag abgeschlossen. »Wir werden am neuen Standort mit 60 000 Euro bald doppelt so viel zahlen wie am jetzigen«, sagt Rahn. Dafür werde man wesentlich mehr Platz haben. Größer und moderner soll es rund 200 Meter weiter Richtung Bahnhof zugehen. Der neue Standort, der gerade im Bau ist, soll die von vielen gewünschte Aufenthaltsqualität bringen. »Wir schaffen dort einen Loungebereich und auch vier bis fünf Arbeitsplätze«, informieren der Bürgermeister und Stadträtin.

Stadt will mehr investieren

Der neue Standort, an dem Anfang Januar der volle Betrieb aufgenommen werden soll, wird aus Sicht der Stadt wichtig sein, um die Stadtbücherei weiter voranzubringen, sprich die Besucherzahlen und die Zahl der Ent- leihungen steigern zu können. Die Stadt will nach Angaben des Bürgermeisters auch den Gesamtetat für die Stadtbüchereien aufstocken, der aktuell rund 200 000 Euro beträgt.

Personell hat man schon etwas getan: Für den ausgeschiedenen Holger Winter und die langjährige Kraft Christiane Schilling, sind nun Anastasia Lupp und Natalia Linnemann neu in der City-Bücherei. Dass es demnächst ein paar mehr Stunden werden, hat man Schilling zu verdanken. »Die kann’s nicht lassen und fängt demnächst wieder als Minijobberin bei uns an«, schmunzelt das Stadtoberhaupt. Aus dem Jahresbericht von Antonia Berberich hat er noch eine ganz spezielle Zahl herausgelesen: Rund ein Viertel der rund 1300 aktiven Leser kommt nicht aus Karben. »Das ist ein erneuter Beleg dafür, dass wir als Mittelzentrum anerkannt werden müssen. Denn wir stellen die Infrastruktur zur Verfügung, die Menschen aus den Nachbarkommunen nutzen können.« Viele der Nachbarkommunen verfügten nicht über solche Büchereien wie die Stadt Karben. Würde die Stadt vom Land als Mittelzentrum eingestuft, flössen deutlich mehr Gelder vom Land Hessen an die Kommune als jetzt. »Das wollen wir durchsetzen, notfalls mithilfe eines Anwalts«, kündigte Rahn an.

Info

Hier gehen Wünsche in Erfüllung

In den Karbener Büchereien gibt es einen ganz besonderen Service: Leser können sich ein Buch oder ein anderes Medium wünschen. »Wir überprüfen, ob der Titel zu unserem Bestand passt und kaufen diesen. Dieser Titel wird besonders schnell eingearbeitet und dem Leser zurückgelegt«, heißt es in dem Bericht. Außer dass die Büchereien die Medien bereitstellen, gibt es noch Veranstaltungen und Aktionen. So hat man aus Friedberg kostenlos vier Medienkisten ausgeliehen, fünf Ausstellungen hat man in der Bücherei gezeigt. 27 Mal gab es Kita- und Klassenführungen. Wie sich herausstellte, haben aber lediglich 40 Prozent der Kitas schon einmal eine Bücherei besucht. »Da gibt es noch Optimierungsbedarf«, sagt der Bürgermeister. Büchereileiterin Berberich will mit den Kita-Leitungen sprechen. Darüber hinaus gab es 13 Sonderveranstaltungen für Kinder zu Ostern und Weihnachten und im Sommer. Erstmals wurde mit dem Jugendkulturzentrum eine »Lesejagd« veranstaltet. Erfolgreich sei der Bücherflohmarkt. (pe)

Meinung

Lesen fördern? Dringend!

Allenthalben sieht man die jungen Leute mit Smartphone in der Hand. Da ist es nur gut, dass sich die Stadt Karben bemüht, gerade bei Kindern und Jugendlichen die Lesekompentenz zu fördern. Es geht dabei längst nicht mehr darum, die Menschen nur zum gedruckten Buch zu bringen. Sondern sie überhaupt dazu zu veranlassen, zu lesen. Dafür hat die Stadt einiges getan. So hat sie die Onleihe ausgeweitet, das Lesen und Ausleihen der Bücher per Internet. Aber die Verantwortlichen haben zudem den Bestand nach und nach verändert. Neben der Belletristik, die in fast jeder Bücherei den Hauptteil ausmacht, stehen in den Karbener Büchereien jede Menge Kinder- und Jugendbücher. Auch Sachmedien und Ratgeber sind zahlenmäßig stark in den Regalen. Für Schule und Lernen stehen noch mal gesondert Materialien zur Verfügung. Es war auch die richtige Entscheidung von Magistrat und Stadtparlament, die Bücherei umzusiedeln, sie zu vergrößern und sie mit mehr Geld auszustatten. Denn eines ist klar: Wenn die Stadt nicht gegen den Trend der Kurznachrichten, Internetfilmchen, Fotos und dergleichen ankämpft, wird eines Tages die Bildung der Menschen zu kurz kommen und die Fantasie verkümmern. Dagegen gibt es ein Rezept: lesen, lesen und nochmals lesen. (pe)

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