05. Juni 2018, 17:16 Uhr

Anne-Frank-Theaterstück

Kaum Schulklassen bei Anne-Frank-Aufführung in Bad Vilbel

Weil sich in diesem Jahr kaum Schulklassen für »Das Tagebuch der Anne Frank« angemeldet hat, ist die Leitung der Burgfestspiele enttäuscht. Aber warum ist kaum Interesse an dem Stück vorhanden?
05. Juni 2018, 17:16 Uhr
Marlene-Sophie Haagen spielt die Anne Frank im Theaterkeller. Ihr schauen aber nur wenige Schüler von weiterführenden Schulen zu. (Foto: Sommer)

Die Enttäuschung steht Dramaturgin Ruth Schröfel ins Gesicht geschrieben. »Es haben sich nur sehr wenige Schulen zur Aufführung von Anne Frank angemeldet«, sagt sie. Dabei sei dieses Thema doch gerade überaus aktuell im Hinblick auf die Diskussion um die antisemitischen Vorfälle und deren dringlicher Bearbeitung auf allen Bildungswegen. »Wir haben doch ein packendes Schauspiel zu bieten«, betont Ruth Schröfel.

In der Tat hat die Inszenierung von Ulrich Cyran im Keller der Burg bei vielen Zuschauern Nachdenken ausgelöst. Weil die Inszenierung für die Burgfestspiele in der vorigen Saison so ein großer Erfolg gewesen war, haben sie die Verantwortlichen erneut auf den Spielplan genommen.

 

Theater über unmenschliches Leid

 

Mit theatralen Mitteln werde hier eine Verknüpfung geschaffen zu dem unmenschlichen Leid, das einem Mädchen angetan worden ist. Schröfel sagt: »Hier könnte ein Perspektivenwechsel stattfinden, gerade für Schülerinnen und Schüler in diesem, der Anne Frank ähnlichem Alter.

Insgesamt 42 Mal steht das Stück, das am 6. Mai Premiere hatte, bis Anfang September auf dem Spielplan. Es gehört damit zu den am meisten gespielten Stücken während dieser Festspielsaison. Im Keller der Wasserburg hat Regisseur Ulrich Cyran das »Tagebuch der Anne Frank« erneut als sogenanntes Monodrama inszeniert. Die Mainzerin Marlene-Sophie Haagen spielt das jüdische Mädchen Anne Frank, das seine Gedanken und Sehnsüchte der erdachten Freundin Kitty anvertraut. Mit seiner Familie und anderen Verfolgten versteckt es sich zwischen 1942 und 1944 in einem Bürohaus in der Amsterdamer Prinsengracht und wird schließlich doch von den Nationalsozialisten gefunden und ins KZ Bergen-Belsen verschleppt, wo Anne Frank 1945 an Typhus stirbt. Vassily Dück begleitet die Soloaufführung Haagens auf seinem Akkordeon und unterstreicht damit die Emotionen.

 

Hunderte Alternativangebote

 

Ruth Schröfel wundert sich nun, warum so wenig Schulen zu den Vorstellungen kommen. »2017 war das kein Problem, aber in diesem Jahr.....« Da ist anscheinend vieles anders, wie eine Anfrage dieser Zeitung bei den beiden größten Schulen, der Kurt-Schumacher-Schule in Karben (KSS) und dem Georg-Büchner-Gymnasium in Bad Vilbel (GBG) ergeben hat. Die KSS-Schulleiterin Ursula Hebel-Zipper bedauert ebenfalls, wenn der Zuspruch so gering sei. Sie hat zwei Gründe dafür ausgemacht, warum keien Klasse zu den Aufführungen in die Nachbarstadt fährt. »Es gibt hundert andere Angebote.« Mittlerweile werde die Schule von Angeboten geradezu überhäuft. Es gebe zahlreiche Ausflüge, Labortage, Wettbewerbe und vieles mehr. »Es gibt da eine sehr große Fülle, aber wir können nur begrenzt auswählen«, betont die Schuldirektorin. Die Aufführungen passten häufig gar nicht mit den schulischen Terminen zusammen. So gebe es pro Schuljahr nur einen Wandertag, und der sei im Herbst. Zudem sei in diesem Frühjahr die Klausurenzeit. »Da lautet unsere Prämisse: Keine zusätzlichen Ausflüge.«

 

Eine neunte Klasse geht hin

 

Außerdem werde die NS-Zeit nur in zwei Jahrgangsstufen durchgenommen. Auf die Besuche einer Aufführung der Burgfestspiele über die NS-Zeit müssten die Schüler also »gezielt vorbereitet werden«.

Sozusagen die Ehre der Schulen rettet aber das Georg-Büchner-Gymnasium. Schulleiterin Claudia Kamm sagt zu dieser Zeitung, sie habe jetzt eine Genehmigung unterschrieben. »Ein Kollege geht mit einer neunten Klasse hin.« Es ist übrigens gut möglich, dass Büchnerianer nochmals im Theaterkeller der Wasserburg auftauchen: Am 20. Juni begeht das Vilbeler Gymnasium den Menschenrechtstag. Dazu, so Claudia Kamm, »passt das Thema der Aufführung ganz prima«.

 

Aufführungen

Vormittags und abends

»Das Tagebuch der Anne Frank« wird im Juni insgesamt 13-mal aufgeführt, im Juli sechsmal, im August fünfmal und im September noch zweimal. Im Juni gibt es noch Vormittagstermine um 10 oder 12 Uhr, in den anderen Monaten läuft das Soloprogramm entweder um 21 oder um 23 Uhr. Weitere Informationen unter www.kultur-bad-vilbel.de. (pe)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Anne Frank
  • Das dritte Reich
  • Kurt-Schumacher-Schule Karben
  • Kämme
  • Tagebücher
  • Theaterstücke
  • Bad Vilbel
  • Karben
  • Holger Pegelow
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 24 - 4: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.