23. Februar 2019, 14:00 Uhr

Neue Mitte Bad Vilbel

Kein Leerstand trotz Esprit-Ende

Entwarnung für die Neue Mitte: Die Bekleidungskette Esprit schließt zwar, dafür eröffnet aber an gleicher Stelle ein neuer Modeladen. Die Zukunft der ebenfalls in Bad Vilbel ansässigen Marke Gerry Weber ist derweil ungewiss.
23. Februar 2019, 14:00 Uhr
AGS
Diese großen Schaufenster bleiben nicht leer – obwohl Esprit die Frankfurter Straße in Bad Vilbel verlässt. Der Mieter hat bereits neue Pläne für die 280 Quadratmeter große Fläche. Dort soll eine Filiale des Modehauses Vogt einziehen. Unklar ist derweil die Zukunft des Gerry-Weber-Stores. (Foto: Gottschalk)

Die roten Schilder in den Schaufenstern verkünden es schon länger, heute ist es soweit: Das Damenmodegeschäft Esprit in der Bad Vilbeler Innenstadt schließt. Den Kunden empfiehlt der Aushang, den verschwisterten Laden auf der Frankfurter Zeil zu besuchen. Das hatte viele Bad Vilbeler aufgeschreckt, klingt es doch im ersten Moment wie ein schwerer Schlag für das einstige Vorzeigeprojekt Neue Mitte.

Eine Nachfrage beim Modehaus Vogt aus dem osthessischen Hünfeld, das den 280 Quadratmeter großen Laden betreibt, ergibt aber: Alles halb so wild. Die Firma Mode-Vogt, die 16 weitere Bekleidungsgeschäfte unter anderem in Bad Nauheim, Friedberg und Butzbach führt, ist ein sogenannter Franchise-Nehmer – also ein selbstständiger Händler, der mit der Lizenz und unter dem Namen der Modemarke Esprit deren Produkte verkauft. Dass Esprit schließt, heißt also nicht, dass die Ladenfläche in der Frankfurter Straße 54 nun leersteht, wie Chef Markus Vogt auf Anfrage erläutert. Seit Eröffnung der Neuen Mitte 2013 war Esprit dort ansässig gewesen. »Wir eröffnen an gleicher Stelle einen Multi-Label-Store«, sagt er.

 

Acht Arbeitsplätze bleiben erhalten

Ein neuer Laden also, unter dem Namen des Mutterschiffs Mode Vogt. Nach kleineren Umbauarbeiten soll am 8. März – also nur eine Woche nach dem Esprit-Ende – schon die Wiedereröffnung stattfinden. Die acht Arbeitsplätze bleiben erhalten, statt Esprit verkaufen die Angestellten aber bald Mode von »Street One«, »Opus« und anderen. Das Kerngeschäft ist weiter Damenbekleidung. »Für Esprit war der Laden einfach zu groß«, erklärt Vogt. »Wir waren nicht unzufrieden. Aber wir glauben, mit mehr Marken auch mehr Umsatz machen zu können.« Auch zum ebenfalls von ihm geführten Marco-Polo-Laden, der gleich um die Ecke liegt, passe die neue Struktur besser.

Dass die Schließung auch mit der bundesweiten Krise der Modemarke Esprit zu tun hat, wehrt Vogt ab. Seit Monaten hat die Firma Esprit mit schlechten Zahlen wegen ausbleibender Kundschaft zu kämpfen. In vielen kleineren Städten macht der Konzern deshalb wenig lukrative Läden dicht. »Wir sind grundsätzlich zufrieden mit Esprit«, sagt Vogt, dem weitere Filialen der Marke gehören. Dass der Konzern sich »gesund schrumpfe«, hindert ihn nicht daran, an Esprit festzuhalten. In Bad Vilbel suche Mode-Vogt demnach nach einer kleineren Fläche, um den Laden wieder aufzumachen. Auch sonst wollen die Hünfelder an der Festspielstadt festhalten: »Bad Vilbel hat hohe Kaufkraft«, so Chef Markus Vogt. »Unsere Kundenfrequenz hat gut zugenommen. Und wir rechnen mit einer positiven Entwicklung im Zentrum.« Beim Bad Vilbeler Gewerbeverein ist man froh, dass das Modehaus Vogt sich weiter in der Innenstadt engagieren will. »Ein Geschäft nur mit einer Marke hatte es natürlich schwer an diesem Standort«, sagt der jüngst neugewählte Vorsitzende des Gewerberinges Jochen Lukarsch. Er sei sich sicher, Mode-Vogt habe sich die Entscheidung, an selbst Stelle ein neues Geschäft mit mehr Auswahl anzubieten »gut überlegt«.

Sorgenfalten dürfte Lukarsch derweil ein anderes Damenmodegeschäft ganz in der Nähe auf die Stirn treiben. Der Konzern Gerry-Weber steckt in einem Insolvenzverfahren und hat angekündigt, rund 230 Verkaufsflächen und Filialen schließen zu wollen. Ob davon auch die Filiale am Bad Vilbeler Niddaplatz betroffen sein wird, ist noch unklar. Die Mitarbeiter dürfen sich gegenüber der Presse nicht äußern und verweisen in diesem Zusammenhang an die Firmenzentrale im westfälischen Halle. Von dort ist auf Anfrage nur zu erfahren, dass sich das Unternehmen derzeit nicht zu einzelnen Standorten äußert. In einer Mitteilung heißt es: »Das Eigenverwaltungsverfahren bedeutet für einzelne Standorte und ihre Kunden zunächst nichts. Die Geschäfte laufen normal weiter.« Dass Gerry Weber Verkaufsflächen schließen wolle, sei seit Dezember bekannt. Welche das sein werden, werde im Zuge der »der laufenden Restrukturierung« bekanntgeben. Was das für die Bad Vilbeler Mitarbeiter heißt, bleibt offen.

Info

Zentren veröden: Politik muss gegensteuern

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat jüngst davor gewarnt, dass zahlreiche Innenstädte deutschlandweit weiter und schneller als zuvor veröden könnten. Die Einzelhändler haben es schwer gegen die wachsende Konkurrenz des Online-Handels. Der HDE schätzt, dass zwischen 2012 und 2017 in absoluten Zahlen 11 000 Einzelhändler in Deutschland weggebrochen sind. Er fordert die Politik deshalb auf, gegenzusteuern. Auch in Bad Vilbel regte die SPD im vergangenen Jahr an, über die Neue Mitte hinaus die Innenstadtentwicklung in den Blick zu nehmen. Demnach gebe es vermehrt Leerstände entlang der Frankfurter Straße. Mit dem Bau der Stadtbibliothek und der Ausgestaltung des Areals um den Niddaplatz hatte sich die Stadt Anfang des Jahrzehnts ein attraktives Zentrum mit viele Einkaufsmöglichkeiten schaffen wollen. Nun muss und will sie erneut investieren: Die umfangreiche Sanierung der Frankfurter Straße und ein Innenstadtentwicklungskonzept über das Förderprogramm »Aktive Kernbereiche« sollen ein Innenstadtsterben in der Festspielstadt verhindern. (ags)

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