13. Dezember 2017, 08:00 Uhr

Golfanlage

Keine Chance für große Lösung

Der Golfsport ist beliebt. Ein Grund für Familie Gauterin aus Petterweil eine größere Anlange zu planen, daraus wird nichts. Nun soll eine kleinere Lösung her.
13. Dezember 2017, 08:00 Uhr
Albrecht Gauterin schlägt einen Ball auf der Driving Range des Hofgutes bei Petterweil. Eigentlich sollte die Golfanlage längst erweitert sein, doch die Behörden sagten Nein. Nun will die Familie eine kleinere Lösung. (Foto: pe)

Der Golfsport gilt vielen als elitär, hat bei nicht wenigen einen schlechten Ruf. Dennoch üben ihn im Rhein-Main-Gebiet Tausende aus. Für sie bedeutet es Bewegung an der frischen Luft, sportliche Betätigung und Geselligkeit. Meistens muss jemand, der auf einer Golfanlage spielen will, eine teure Mitgliedschaft in einem Verein in Kauf nehmen. Nicht so in Petterweil. »Wir bieten eine öffentliche Anlage«, sagt Albrecht Gauterin, der mit seinem Bruder Florian und den Eltern Gija und Eckart die Anlage am Eckhardsgraben betreibt. Im Schnitt spielen hier in einer Saison gut 500 Sportler. »Ein Jahr haben wir sogar 800 gezählt.« Seit 2014 haben die Gauterins eine weitere Attraktion zu bieten: Fußballgolf. »Das ist ein Vergnügen für die ganze Familie.« Jung und Alt kämen, auch von außerhalb Hessens.

Erweiterung seit Jahren geplant

Bei so viel Beliebtheit plant die Familie schon seit Jahren eine Erweiterung. Neben der Driving Range und einem Übungsgelände sollten sportlich ambitionierte Golfer die Möglichkeit haben, auf 250 bis über 400 Meter langen Bahnen zu spielen. Eine solche Erweiterung um eine 9-Loch-Golfanlage hätte viel Gelände benötigt: 23 Hektar.

Doch um im Außenbereich vor den Toren des Karbener Stadtteils überhaupt etwas anlegen zu können, hätte der Regionale Flächennutzungsplan (RegFNP) geändert werden müssen. Statt der landwirtschaftlichen Fläche hätte Sport- und Freizeitgelände ausgewiesen werden müssen.

Stadtverordneten unterstützten die Pläne

Die Stadtverordneten unterstützten »bis auf die Linken«, wie sich Gauterin erinnert, einen Antrag auf ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren. Während der in den überregionalen Behörden geprüft wurde, kaufte und tauschte die Familie das notwendige Gelände. »Das alles hat uns inklusive Planungskosten rund 300 000 Euro gekostet«, sagt Gauterin. Aber die Behörden lehnten das Vorhaben ab, es habe auch Widerstand aus der Landwirtschaft gegeben.

Vergeblicher Einsatz

»Es wurden unzählige Gespräche geführt, der Bürgermeister hat sich für unser Projekt eingesetzt, alles vergebens.« Gauterin, selbst CDU-Stadtverordneter, kann das nicht verstehen. »Das Umweltgutachten ist positiv ausgefallen.« Der Gutachter habe bescheinigt, dass eine solche Golfanlage gut für die Artenvielfalt gewesen wäre. Die Pläne, die Gauterin ausgerollt auf dem Tisch liegen hat, weisen neben den großen Bahnen einen großen Teich aus, sowie Zonen, die nicht betreten werden dürfen. »Hier wäre gar kein Beton verbaut worden.« Es hätte allenfalls Sand aufgeschüttet werden müssen. Für die Familie sei das ständige Hin und Her mit Behörden und Verbänden »eine emotionale Achterbahnfahrt« gewesen, sagt Gauterin über die vergangenen beiden Jahre.

Große Lösung aufgegeben

In diesem Sommer hat die Familie die große Lösung aufgegeben. Man habe die Planung überarbeitet »und dabei auf drei Viertel der vorherigen Fläche verzichtet«. Nun soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden für lediglich noch rund 3,8 Hektar. »Dort haben wir die Möglichkeit für einen 9-Loch-Platz, aber eben mit viel kürzeren Bahnen.« Der neue B-Plan »Hof Gauterin« soll ebenso den Gebäudebestand sichern. Zudem würden Art und Maß der baulichen Nutzung im Bereich der bestehenden Gebäude der Hofanlage eng mit der Bauaufsichtsbehörde abgestimmt, heißt es in der Vorlage an die Stadtverordneten. Zudem hat die Stadt Anfang November bereits im Vorfeld mit dem Regionalverband gesprochen und von dort erfahren, »dass eine Änderung und spätere Wirksamkeit des regionalen Flächennutzungsplan im entsprechenden Bereich möglich« sei.

Im Klartext: Die Chancen, dass die für Landwirtschaft ausgewiesene Fläche Sport- und Freizeitgelände wird, stehen nun besser als zuvor. Aber bis sich einmal etwas tut, dürften gut anderthalb Jahre vergehen. Grund: Der B-Plan muss das Vollverfahren durchlaufen, also mit Anhörung sämtlicher Behörden und Verbände. Mal sehen, wie die abgespeckte Version ankommt.

Infokasten

Pläne aus dem Jahr 2013

Die Vorstellung der Golfplatz-Pläne datiert von Juni 2013, als Gija und Albert Gauterin mit ihrem Architekten Johannes Cox im Ausschuss für Stadtplanung und Infrastruktur erschienen. Dabei betonte der Architekt, dass von den 23 Hektar Erweiterungsfläche lediglich 10,5 Hektar für den reinen Golfbetrieb vorgesehen seien. Die anderen Flächen seien Hecken, Streuobstwiesen und sumpfige Teiche. Das Projekt fand in den Karbener Gremien eine breite Mehrheit. Damals vorgesehener Baubeginn: 2015. (pe)

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