30. Mai 2019, 18:12 Uhr

»Keiner sieht’s. Einer spürt’s«

Die Erkrankung ist unsichtbar, manchmal unberechenbar. Am Donnerstag war zum 11. Mal Welt-MS-Tag mit dem Motto »Keiner sieht’s. Einer spürt’s«. Es wird zur Solidarität mit den an Multipler Sklerose Erkrankten (MS) aufgerufen. Auch in Nidderau gibt es seit März 2013 einen MS-Treff unter Leitung von Barbara Heilmann. Die Teilnehmer kommen auch aus Karben und anderen Kommunen.
30. Mai 2019, 18:12 Uhr

D ie Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) möchte Verständnis für die unheilbare Erkrankung MS wecken. Bundesweit lenken Veranstaltungen der Landesverbände und Kontaktgruppen um den 30. Mai herum die Aufmerksamkeit auf MS. Dem Nidderauer MS-Treff gehören 15 aktive Mitglieder von 30 bis 76 Jahren an.

Leiterin Barara Heilmann setzt sich nicht nur im Mai mit MS auseinander. Sie leidet seit 31 Jahren selbst unter der Erkrankung und saß 1988 sogar für fünf Wochen im Rollstuhl. Hochdosiertes Cortison »als Feuerlöscher« half ihr dabei, den Rollstuhl wieder zu verlassen. Sie wollte nie in eine Selbsthilfegruppe gehen, doch heute ist sie froh, dass sie sich anders entschieden hat. Sie wurde Mitglied in der DMSG, mit der sie heute intensiv die Zusammenarbeit pflegt, belegte ein Wochenendseminar und baute eine Gruppe für Betroffene auf, die sich aus Spenden der Teilnehmer finanziert. Diese kommen aus Karben, Nidderau, Bruchköbel, Hungen und Nidda.

Ziel der jeweils zweistündigen Treffen ist der Austausch untereinander. »Je für eine Stunde steht ein Thema im Mittelpunkt, in der folgenden Stunde führen wir Gespräche bei Kaffee und Kuchen«, sagt Heilmann. So wird das Bewegungsangebot Feldenkrais angeboten sowie Malen, Trommeln, Töpfern, Gymnastik, Yoga, Qigong oder medizinische Vorträge in Zusammenarbeit mit Ärzten und Heilpraktikern. Darüber hinaus bietet Heilmann Beratungen im Familienzentrum an.

Die Stadt Nidderau zeigt sich kooperativ. »Doch die, die kommen, wissen, wie sie mit ihrer Krankheit umgehen müssen. Ihnen geht es eher um den persönlichen Kontakt«, sagt Heilmann. Sie hat beobachtet, dass jeder einen eigenen Weg hat, um mit MS umzugehen.

240 000 Menschen erkrankt

Die Erkrankung des Zentralen Nervensystems tritt in der Regel schon im jungen Erwachsenenalter auf. Weltweit sind Quellen der DMSG zufolge rund 2,5 Millionen Menschen, in Deutschland etwa 240 000 Menschen an MS erkrankt. Frauen erkranken etwa doppelt so häufig wie Männer. Die Symptome reichen von Bewegungsstörungen und Lähmungen bis hin zu einer abnormen Erschöpfung (Fatigue), Depressionen, Blasen- und Darmstörungen sowie Sehstörungen.

Annette G. aus Bruchköbel ist seit 1991 an MS erkrankt. »Ich war 28 Jahre alt, als ich die Verdachtsdiagnose erhielt. Ich arbeitete damals als Verkäuferin«, sagt G. Immer wenn sie den Kopf nach vorne gebeugt habe, habe sie das Gefühl gehabt, dass ein Stromstoß ihrer Wirbelsäule folge. Zehn Jahre später erlebte sie ihren ersten MS-Schub. Sie entdeckte für sich, dass ihr Bewegung wie Qi Gong hilft, denn oft leidet sie an Steifigkeit in den Beinen und hat das Gefühl, dass ihre Füße nicht korrekt abrollen. »Man wird dankbar für Kleinigkeiten und betrachtet Dinge subtiler«, sagt G. In der Gruppe fühlt sie sich geborgen, bestätigt, dass man zusammenwachse und bei akuten Problemen einen Ansprechpartner hat.

Auch Cornelia Deppe aus Karben leidet an MS. »In einer Selbsthilfegruppe versteht man sich schneller, muss nicht viel erklären«, sagt sie und verrät, dass auch ihre Mutter und ihr Großvater an MS litten. Für viele seien die Treffen der Höhepunkt des Monats. Deppe hat in ihrem Umfeld beobachtet, dass sehr viele Menschen betroffen sind. Sie selbst entdeckte erste neurologische Symptome während eines Langstreckenfluges nach Kanada im Sommer 2011. Deppe erklärt, dass Ernährung und Umweltgifte als Auslöser für MS diskutiert würden.

Fakt ist, dass Wissenschaftler so intensiv wie nie zuvor an der Ursachen- und Therapieforschung, auch der progredienten Verläufe der MS arbeiten. Mit der »International Progressive MS Alliance« startete 2014 eine beispiellose Forschungsoffensive.

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