14. November 2019, 11:05 Uhr

Mega-Therme

Kombibad spaltet das Bad Vilbeler Parlament

Die Standpunkte zum Bad Vilbeler Kombibad bleiben unversöhnlich. Während sich die SPD-Fraktion über die neuen Pläne zu wenig informiert fühlt, haben die Grünen grundsätzliche Bedenken gegen das Mega-Bad zwischen Schulzentrum und B 3 geäußert.
14. November 2019, 11:05 Uhr
So soll die umgeplante Bad Vilbeler Therme einmal aussehen: Links und rechts die beiden Parkhäuser mit begrünten Dächern bzw. Terrassen, dazwischen die gläserne Therme. Weitere Skizzen und die Planung sollen laut Stadtrat Klaus Minkel der Öffentlichkeit noch in diesem Jahr präsentiert werden. (Visualisierung: Wund GmbH)

Hinter dem Bebauungsplan »Schwimmbad« steckt Zündstoff. Die Stadtverordneten sollten auf ihrer jüngsten Sitzung eigentlich nur über den rechtlichen Rahmen zum Bau des Kombibades aus Therme und Kommunalbad plus zwei Parkhäusern befinden. Doch dann geriet die Debatte darüber zeitweise zur Grundsatzdiskussion über das Bad selbst.

SPD-Fraktionsvorsitzender Christian Kühl machte zu Beginn deutlich, seine Fraktion habe das Projekt »anfangs positiv begleitet«. Jedoch fühle man sich jetzt nicht mehr mitgenommen. »Für uns ist unverständlich, warum das geplante Hotel weggefallen ist.« Denn keines der Hotels in der Stadt und vor allem nicht die, die noch gebaut werden sollen, sei auf Touristen ausgerichtet, sondern nur auf Kongressteilnehmer. »Das bedeutet doch, die Betreiber des Bades setzen jetzt mehr auf Tagesgäste.« Auf diese wie auf andere Fragen zu dem Großprojekt erhalte man keine Antworten. »Wir bekommen auch kaum eine Antwort, wie die Therme jetzt neu konzipiert ist.« Wer genau sei der Vertragspartner und warum werde das Projekt so dicht an den Schulen gebaut? Kühl betonte, seine Fraktion sei für die erste Änderung des Bebauungsplans gewesen, nicht aber für diese zweite Änderung.

Stadtrat und Stadtwerke-Chef Klaus Minkel (CDU) meinte dazu, wenn es um Entscheidungen für wichtige Projekte gehe, mache sich die SPD einen schlanken Fuß. Das sei so beim Bau der B3 und der Nordumgehung ebenso wie bei Dortelweil-West, beim Quellenpark und der Neuen Mitte. »Überall haben Sie dagegen gestimmt«, rief Minkel der Opposition zu.

Auch die vorgetragenen Ablehnungsgründe seien »kleinlich«. Denn durch die Änderung des B-Plans werde die Qualität des Bades verbessert. »Da wir im Besitz aller Grundstücke sind, können wir das Bad nun großzügiger planen als vorher.« Deswegen sei auch auf das Hotel verzichtet worden. In Erding, wo es ein solches Bad seit vielen Jahren gibt, habe die gesamte Hotellerie davon profitiert. Es seien »rund 300 neue Hotelzimmer im Anrollen. Da braucht man sich um eine gute Auslastung nicht zu kümmern.« Die Kongresse fänden in der Regel montags bis donnerstags statt, an den Wochenenden könnten dort Gäste der Therme wohnen.

Kritik an »Freizeitmonster«

Minkel sagte, er verstehe auch die SPD-Kritik nicht, dass das Kombibad zu nahe an den Schulen gebaut werde. »Zum Schwimmen gehen die Schüler dann zu Fuß und völlig gefahrlos.«

Kaum hatte der Chef der Stadtwerke, die sich an dem Bad-Komplex mit 25 Millionen Euro beteiligen werden, die SPD-Kritik gekontert, ging der zweite Kritiker ans Mikrofon. Grünen-Chef Jens Matthias meinte, man solle dem Satzungsbeschluss zustimmen, ohne die finanziellen Auswirkungen des Projektes zu kennen. »Gelten noch die alten Zusagen? Sind die Einnahmen mit 5,7 Millionen Euro pro Jahr noch immer garantiert?« Man wisse es nicht, besser gesagt die Öffentlichkeit wisse es nicht. In der vertraulich tagenden Betriebskommission der Stadtwerke seien Zahlen vorgelegt worden. Matthias warf dem Magistrat vor, Angst zu haben, »die ganze Wahrheit zu sagen«. Was sei denn, wenn die Einnahmen nicht wie vorausgesagt sprudeln würden? Der Grünen-Fraktionschef sprach vom »finanziellen Blindflug«.

Daneben kritisiere man das »Freizeitmonster« mit einem 38 Meter hohen Rutschenturm. Die überbaubare Fläche werde nochmals um 20 000 Quadratmeter erhöht, das sei »Flächenfraß im Unverstand«. Zudem werde der Schul- und Radweg von Massenheim länger, »da die Anforderungen des Investors wichtiger sind als die Bedürfnisse der Schulkinder und Radfahrer«. Weitere Kritikpunkte der Grünen: die Mehrbelastung der Homburger Straße, die mehr Smog und Dauerstau bedeute. Wenn der Investor mit 1,3 Millionen Besuchern plane, werde Bad Vilbel das zu spüren bekommen.

Minkel konterte, Matthias werfe mit Nebelkerzen. In der Betriebskommission sei das, was er an Zahlen vorgelegt habe, nicht kritisiert worden. Er habe zum jetzigen Zeitpunkt dem Investor Vertraulichkeit versprochen. Er werde den Finanzplan im neuen Jahr den Stadtverordneten vorlegen. 1,3 Millionen Besucher kämen an 365 Tagen. Zudem bemühe man sich derzeit, dass das Bad eine Zufahrt von der B3 aus erhält.

Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) verwies darauf, dass der Bebauungsplan einen Umweltbericht enthalte und die Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt würden. Zudem wolle man den Bürgern noch in diesem Jahr die Pläne vorstellen. Schließlich komme der Vertrag der Stadtwerke mit der Wund-Stiftung noch ins Parlament.

Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr (CDU) rief in Erinnerung, dass Bad Vilbel mit dem Kombibad ein Kommunalbad mit acht Schwimmbahnen erhalte. Das abgerissene Hallenbad habe lediglich fünf Bahnen gehabt. Das neue Bad werde zudem auch mit Bad Vilbeler Heilwasser betrieben und eine Sauna anbieten. Das alte Bad sei für die Stadt stark defizitär gewesen, beim neuen Bad stehe die Wund-Stiftung dahinter. Das neue Bad sei »eine große Chance, für Jung und Alt etwas zu tun«. Raimo Biere (FW) zeigte sich irritiert von SPD und Grünen. Das jetzt geplante ebenerdige Bad sei »doch besser als ein zweistöckiges«. Zudem enthalte die Vorlage aus der Betriebskommission den Hinweis, dass diese noch in die Stadtverordnetenversammlung komme. Jörg-Uwe Hahn (FDP) sagte für die Koalition: »Wir wollen dieses Bad, im Gegensatz zu einigen anderen.« CDU-Fraktionschefin Irene Utter warf SPD und Grünen vor, nein zu sagen, »weil Sie keine Verantwortung haben«.

Es waren die letzten Wortbeiträge, nach einer Stunde wurde abgestimmt: SPD und Grünen sind gegen den B-Plan, CDU, FDP und Freie Wähler dafür.

250 Seiten als Vorlage

Mit einem umfangreichen Planwerk haben sich die Stadtverordneten anlässlich der 2. Änderung des Bebauungsplans für das Kombibad befasst. Rund 250 Seiten stark sind alle Vorlagen, Skizzen und Gutachten zu diesem Badkomplex, die seit fast genau zwei Jahren im Geschäftsgang sind. Im Dezember 2017 hatte das Stadtparlament beschlossen, den geänderten B-Plan aufzustellen. Im Januar 2018 wurde das Projekt öffentlich vorgestellt und die Planziele erläutert. Von Mitte Juli bis Mitte August 2018 lagen der Plan mitsamt Zeichnungen und Erläuterungen zur öffentlichen Einsichtnahme aus. In dieser Zeit sind diverse Stellungnahmen sowohl der Träger öffentlicher Belange als auch der Bürger eingegangen. Zu dem gesamten Planwerk, das am Dienstagabend verabschiedet worden ist, gehören neben dem eigentlichen B-Plan auch eine Verkehrsuntersuchung, ein Umweltbericht, ein Klimagutachten sowie ein separates Luftschadstoffgutachten.

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